Auf'm Klappstuhl: Ein Mann, der gerne auch sonntags Dienst tut

Samstag, 24. Juli 2010

aktualisiert um 13:52 Uhr von der Online-Redaktion

Paul Neuhäuser ist Geschäftsführer der Augustinus-Kliniken, die Eiunrichtungen wie das Johanna-Etienne und die
St. Alexius-Kliniken führt. Er ist Chef vieler Krankenhäuser und Seniorenheimen am linken Niederrhein und „Vizekönig“ von Neuss.
 
Da er für einen Umsatz von 250 Millionen Euro zuständig ist und viele Krankenhäuser leitet, arbeitet Paul Neuhäuser auch Sonntags ehrenamtlich zum Beispiel als Sanitäter für Behinderte. Auf’m Klappstuhl äußerte er sich zur Entwicklung psychischer Erkrankungen, zur Integration von Menschen mit Behinderung und erklärt warum ihm die Menschen, die in Not sind, so wichtig sind.

von Frank Möll
 

 

Neuss. Paul, wir kennen uns seit Jahren, sind zusammen für die Malteser unterwegs - heute als Sanitäter bei einem Sportturnier für Menschen mit Behinderung. Du bist Chef von so vielen Krankenhäusern, hast einen Jahresumsatz von 250 Millionen Euro zu betreuen. Warum hast Du Zeit für so viel ehrenamtliches Engagement?
 
Menschen zu helfen, die in Not sind, war mir schon immer ein großes Anliegen. Ich bin als junger Mann zu den Maltesern gekommen, bin Rettungswagen gefahren. Dadurch habe ich natürlich einen engen Bezug entwickelt. Es tut mir einfach gut, wenn ich Menschen helfen kann.
 
Was bedeutet es für dich, dass wir hier auf einem Sportfest für Menschen mit Behinderung sitzen?
 
Ich finde es sehr schön, dass wir in der heutigen Gesellschaft versuchen, Menschen mit Behinderung zu integrieren und uns anstrengen, dass alle Menschen zusammen leben, spielen und arbeiten können.
 
Du bist auch Chef des St. Josef Krankenhauses und der St. Alexianer Klinik; das sind Einrichtungen, die sich um geistig behinderte und psychisch erkrankte Menschen kümmern. Warum ist Neuss ein Zentrum für Menschen mit diesem Krankheitsbild.
 
Das St. Josef und das Alexianer Krankenhaus sind ja aus der Tradition der Neusser Alexianer-Brüder entstanden, die sich ja über Jahre hinweg mit geistig behinderten und psychisch erkrankten Menschen gekümmert hat. Die große Akut-Psychiatrie ist wohl etwas außergewöhnliches. Denn sie ist keine Psychiatrie außerhalb der Stadt und wird damit dem Gedanken der Inklusion und der Teilhabe besonders gerecht.
 
Die Zahl der psychisch Erkrankten steigt, es wird ja auch immer teurer. Werden die Krankenkassen das auf Dauer mitmachen?
 
Man muss verstehen, dass eine solche Erkrankung genauso eine Krankheit ist, wie ein Herzinfarkt oder ein Beinbruch und das er genauso einen hohen Hilfeanteil benötigt. Es ist ganz dringend erforderlich, dass depressive, psychisch kranke Menschen genauso Behandlung bekommen wie somatisch erkrankte Menschen.
 
Paul, du bist als Hauptmann bei der Bundeswehr ja auch am Gewehr ausgebildet worden und hast schon im vergangenen Jahr hervorragend geschossen, dann aber kein Glück gehabt. Trittst Du als Viezekönig nochmal an und schießt auf den Vogel?
 
Meine Frau sagt, dass es das schönste Schützenfest war, das sie mitgefeiert hat. Es ist ein tolles Erlebnis, auf den Vogel zu schißen. Vielleicht kommt irgendwann die Zeit wieder.

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