Ein Bericht von zwei Augenzeugen:

Was wirklich passiert ist am 24.07.2010 in Duisburg auf der Loveparade 2010

Dienstag, 27. Juli 2010

aktualisiert um 17:10 Uhr von der Online-Redaktion

Bei der diesjährigen Loveparade in Duisburg sind bei einer Massenpanik 20 Menschen gestorben. Hunderte wurden schwer verletzt und ins Krankenhaus gebracht. Deutschland ist zutiefst schockiert und trauert um die jungen Opfer, die eigentlich nur ein bisschen Spaß haben wollten und dafür mit dem Leben bezahlen mussten. Wie konnte es zu diesem Unglück kommen? Die Verantwortlichen übertragen die Schule alle jeweils an den nächsten. Es gibt unzählige Versionen des Geschehens. Zwei Augenzeugen berichten dem Stadt-Kurier ihre Version.

 

Wir waren zum Glück schon um ca. 11:20 Uhr vor dem Eingang. Da fing das Gedränge aber auch schon an. Die Polizei machte die Durchsage, dass man aus technischen Gründen noch nicht auf das Gelände könne. Ca. eine Stunde später wurden die Tore geöffnet. Alles ging sehr langsam voran. Es war ca. 12:30 Uhr.

 

Auf dem Gelände stand immer noch viel freie Flächen zur Verfügung. Der Eingangsbereich nach der Rampe war jedoch überfüllt. Ein Grund dafür war (nach meiner Meinung), dass die Trucks mit ca. 10-20 Meter viel zu nah am Eingangsbereich vorbeigefahren sind. Dies hatte zur Folge, dass die Leute vorne stehen geblieben sind, es wurde aber nicht aktiv versucht den Eingangsbereich freizuhalten.

 

Als wir dann von der kleinen Bühne zur großen Bühne gehen wollten, bemerkten wir um kurz nach 16:00 Uhr, dass viele Leute am Zaun standen und auf die Rampe im Eingangsbereich geschaut haben.

 

Aus Neugier sind wir dann an den Zaun gegangen und haben das Chaos gesehen.

Auf der Rampe zum Veranstaltungsgelände drückten die Leute von links und rechts aus den beiden Tunnelröhren. Offenbar war geradeaus die Rampe gesperrt. Oben war die Rampe jedoch frei! Die Menschen hätten somit auf das noch nicht überfüllte Gelände aus den beiden Tunnelröhren über die Zugangsrampe auf das große Gelände geführt werden können.

 

Erst ein paar Minuten später wurde die Rampe ganz aufgemacht... alles voll mit Menschen und es kamen immer mehr.

 

Die Menschenmasse hat dann geschrien! Die Leute haben versucht über die Spezialmasten (Beleuchtung oder Boxenhalter), kleine Treppe und über Räuberleitern die Wände hoch zu kommen. Dies war um ca. 16:30 Uhr.

 

Geschockt davon, dass die Menschenmasse sogar Verkehrsschilder wie Streichhölzer um gedrückt haben, standen die Besucher oben auf dem Gelände des Güterbahnhofes und wussten nicht was sie machen sollen. Verletzte Menschen wurden bewusstlos über die Menschenmasse geschoben und auf Händen getragen.

 

Zu diesem Zeitpunkt ca. 16:45 Uhr war uns klar, dass es Verletzte und vielleicht auchTote geben wird. Wir haben ein junge Frau in Empfang genommen, die über die Mauer kam.

Alle Freunde hatte sie in der Panik verloren. Sie weinte sie war sehr geschockt.

 

Nach ihrer Erzählung standen sie und ihre Freunde schon mehrere Stunden unten im Gedränge im Zugangstunnel. Nichts ging mehr; nichts vor und nichts zurück. Was man von oben nicht sehen konnte war, dass die Tunnel in beiden Richtungen immer voller wurden, die Polizei lies offenbar immer mehr Leute in die beiden Tunnel.

 

Laut den Medien berichtete die Polizei, dass die Raver die Zäune zwischen den Tunneln nieder gerissen haben um zu feiern. Das stimmt aber nicht!

 

Aus Panik versuchten die Leute zu flüchten , es kamen ja immer mehr in Richtung Güterbahnhof auf uns zu. Und es standen in den beiden Tunneln keine Fluchtwege in die andere Richtung zum Duisburger Hauptbahnhof zur Verfügung.

 

Um kurz nach 17 Uhr wurde das Gedränge auch oben auf dem Veranstaltungsgelände spürbar mehr; aber nicht weil alles voll war. Die Leute wollten nach Hause und einen Fluchtweg gab es nicht!

 

Die Notausgänge wurden immer noch nicht geöffnet. Man solle durch den Tunnel nach draußen, das war nicht mehr möglich.

 

Die Rettungsdienste waren überfordert. Es gab keinen geregelter Ablauf. Ich bot meine Hilfe bei den Maltesern an (als gelernter Rettungshelfer). Als Antwort habe ich bekommen, man wisse nicht was man machen kann.

 

Dies war immer noch wenige Minuten vor dem großen Unglück. Es gab kein Wasser mehr, weil schon alles von Gästen nach unten gereicht worden war. Es sei neues angefordert...

 

Nur 50 Meter weiter war eine Bar, es kam keiner auf die Idee da Wasser zu holen. Ich ging zur Bar und schrie nur über die Gäste drüber hinweg: " Wasser für die Sanis die haben nichts mehr..." Darauf hin bekam ich dann so viel ich tragen konnte, wie einfach so was geht wenn man nur will ....

 

Als dann endlich ein Notausgang geöffnet wurde, nach mehrmaligem Bitten und Betteln,

sind wir dann sofort gegangen, so wie sehr viele andere auch. Dies war mind. 20min nach dem schrecklichen Unglück.

 

Wir wurden dann um das ganze Gelände herum geleitet. Dafür brauchten wir ca. 30 min. Wir haben keine weiteren offenen Notausgänge gesehen. Es war jetzt kurz vor 18:00 Uhr. Dies dazu, dass alle Notausgänge sofort nach der Panikangeblich aufgemacht wurden.

 

Wir wurden zum Hauptbahnhof geleitet, wo man aber nicht weiter kam. Wir wollten doch nur zu unserem Auto auf der anderen Seite des Duisburger Hauptbahnhofes. Die Polizei wusste hier noch nicht was passiert war. Möglicherweise bestand kein Funkkontakt.

 

Die Raver, die immer noch weiter in Richtung Loveparade auf das Veranstaltungsgelände liefen, wussten auch noch nichts von dem schrecklichen Erergnis und waren sauer, dass es nicht weiterging.

 

Wir haben uns anschließend in ein Cafe gesetzt um uns wieder zu sammeln. Danach haben wir die junge Frau nach Hause gefahren, die wir vor dem Unglücktunnel eingesammelt hatten.

 

Auch einen Tag später können wir noch immer nicht glauben, was in Duisburg passiert ist.

Dass was uns am meisten ärgert ist, dass die Schuld an die Raver weiter gegeben wird.

Frage : welcher Raver wollte denn, dass die Loveparade nicht mehr in Berlin ist...? Da wo alle immer so gut funktioniert hat.

 

Unser Mitgefühl gilt allen Angehörigen und Freunden der Opfer. Dies hätte alles nicht passieren dürfen!

 

In großer Trauer, Maike und Stephan.

 

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