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Zwei Generationen – eine Leidenschaft:
Vater und Sohn fahren Motorradrennen

Kaarst. Mit 140 Sachen legt er sich in die Kurve, Adrenalin durchströmt seinen Körper, jeder Muskel ist angespannt. Dann die lange Gerade – Vollgas, bis die Tachonadel über der 200-km/h-Marke steht... Mathias Korioths (25) Leidenschaft ist der Motorradrennsport. Gemeinsam mit seinem Vater Frank (62) will er als "Two Generation Racing Team" die großen Rennstrecken erobern. Einsatz und Wille sind da – nur Sponsoren fehlen den beiden Kaarstern noch. Von Rolf Retzlaff

Frank Korioth war in den 80er und 90er Jahren mit dem Motocross-Bike unterwegs, startete unter anderem beim Supercross in der Dortmunder Westfalenhalle. Es folgte eine Auszeit nach der Geburt seines Sohnes – bis selbiger ihn wieder auf die Piste brachte. "Ich habe schon aus dem Kinderwagen heraus Motorrädern hinterher geschaut", schmunzelt Mathias. Im zarten Alter von fünf Jahren bekam er eine Yamaha PW50, dann ein Pocketbike. "Bereits da war für mich klar, dass ich Rennen fahren werde", erinnert sich Mathias. Ein gebrochener Arm, der falsch behandelt wurde, vereitelte diesen Plan vorerst. Der Kaarster versuchte sich mit Skaterhockey bei den Crash Eagles und Eishockey in Ratingen. Doch der Motorradsport ließ ihn nie los; er verfolgte die großen Rennen vor dem Fernseher und fuhr als Sozius bei seinem Vater mit. 2014 fiel dann die Entscheidung, noch einmal durchzustarten. Die Kaarster schafften sich "Geschosse" für die Rennstrecke an: eine Yamaha R6 RJ15 und eine Honda VTR 1000 SP1. Nach Trainingsrunden auf der Strecke in Zolder (Belgien) und einem Gaststart beim RL-Langstreckencup auf dem Nürburgring absolvierten die Korioths 2015 die komplette Saison im RL-Langstreckencup. In diesem Jahr stehen unter anderem Events in der Schweiz, auf dem Sachsenring, in Dijon (Frankreich), in Hockenheim und auf dem Lausitzring auf dem Programm.

Vater und Sohn wollen kräftig im Rennzirkus mitmischen, fühlen sich hier pudelwohl. "Im Fahrerlager sind wir eine große Familie, jeder hilft jedem", weiß Mathias, "aber beim Rennen geht es nicht mehr um Freundschaft. Hier herrscht Respekt vor den Mitfahrern, aber jeder fährt für sich." Respekt hat er auch vor der Geschwindigkeit: Auf der 1,6 Kilometer langen Zielgeraden in Dijon beschleunigt er auf satte 270 km/h. "Wer davor Angst hat, sollte keine Rennen fahren", genießt Mathias das Adrenalin, das in solchen Momenten durch seine Adern fließt. Gleichzeitig riskiert er, dass auch mal was schief geht. Wie zum Beispiel bei einem Sturz in Mette; Mathias brach sich den Fuß, saß aber schon wieder neun Tage später beim Rennen auf dem Nürburgring zwei Stunden auf dem "Bock". Ungern erinnert er sich auch an den Augenblick, als der Lenker seines Motorrads sich nicht mehr bewegen ließ und er mit 170 km/h über ein Kiesbett schlidderte. Das Resultat: überdehnte Bänder, Gehirnerschütterung – nach drei Tagen Pause konnte es weiter gehen...

Und was treibt den jungen Mann immer wieder auf die Rennstrecke? "Es ist wirklich wie ,born to be wild'. Du genießt die Freiheit auf dem Motorrad. Nach zwei Runden hat du den Kopf frei, du fährst nur noch für dich und deine Zeit, nimmst nur noch das wahr, was du durch dein kleines Fensterchen im Helm siehst." Voraussetzung ist neben körperlicher Fitness auch mentale Stärke, die unter anderem durch das Vertrauen in die Rennmaschine gestärkt wird. Dabei verlässt sich Mathias auf seine Freundin Fabienne Weigel, die als Mechanikerin bei allen Rennen dabei ist.

Das "Two Generation Racing Team hat sich einiges vorgenommen. Ein großer Traum der beiden ist die Teilnahme an den "Isle of Man TT" und "North West 200" in Irland, zwei Straßenrennen, die aufgrund zahlreicher schwerer Unfälle berühmt-berüchtigt sind. Für die Korioths kein Grund, hier nicht starten zu wollen. Doch für die Teilnahme an diesen außergewöhnlichen Events – und für weitere Rennen in der kommenden Saison – sucht das Vater-Sohn-Team Sponsoren. "In Kaarst konnten wir Physio-Trend und Star Folierung für uns gewinnen", wünscht sich Mathias noch mehr Unterstützer aus der Region. Weitere Informationen gibt es unter www.tgrt.racing.