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„Come in and burn out!“ Erzieherinnen demonstrieren mit Protestzug in Kaarst

Kita-Streik: Protestzug durch Kaarst
Kita-Streik: Protestzug durch Kaarst FOTO: Rolf Retzlaff
Kaarst. "So ist's richtig, die sollen mal ordentlich demonstrieren!" Ein Kaarster Bürger applaudiert dem Protestzug der Erzieherinnen auf dem Neumarkt. Die Komba-Gewerkschaft hatte am Montag zu dieser Aktion aufgerufen. Rund 250 Menschen trafen sich auf dem Kaarster Kirmesplatz, um von dort aus zum Rathaus zu ziehen und Bürgermeister Franz-Josef Moormann eine Petition zu überreichen. Von Rolf Retzlaff

Der Streik der städtischen Kindertagesstätten befindet sich in Woche vier – sowohl für Eltern und Kinder als auch für Erzieherinnen eine extrem belastende Situation. Das weiß auch Streikleiterin Martina Favero von der Einrichtung an der Alten Heerstraße, "aber wir haben keine andere Möglichkeit, uns Gehör zu verschaffen!" Das taten die Protestmarschierer mit Pfeifen, Tröten und Transparenten. "Mehr Aufstiegschancen als nur am Klettergerüst", "OGS-Arbeit: Come in and burn out", "Wer in Kitas nichts mehr zu lachen hat, dem fehlt das Lächeln der Kinder" oder "Warum zahlen wir Menschen, denen wir unsere Kinder anvertrauen, viel weniger Geld als jenen, denen wir unser Geld anvertrauen?" – die Erzieherinnen aus Kaarst, Willich, Grevenbroich, Mönchengladbach und Neuss machten ihrem Ärger Luft, während sie über die Mittel- und Maubisstraße zum Rathaus zogen. Hier überreichten sie Bürgermeister Moormann eine von den Mitarbeiterinnen der städtischen Kitas in Kaarst unterzeichnete Petition.

"Unser Ziel ist es, die Situation des Elementarbereichs im Bildungssystem der Stadt Kaarst zeitgemäß anzupassen, damit wir uns den immer wachsenden Anforderungen und den schnelllebigen Gesetzesänderungen weiterhin angemessen und engagiert stellen können", heißt es hier. Die Erzieherinnen beklagen den Ist-Zustand: wachsender Bedarf für U3-Betreuung, Zeitdruck unter anderem in der Bearbeitung von Dokumentationen und Protokollen sowie bei Entwicklungs- und Konfliktgesprächen, Inklusion, Partizipation, Sicherheits- und Hygienevorschriften, fehlende Nach- und Vorbereitungszeiten sowie der Wunsch nach Reduzierung der Schließ- und Verlängerung der Öffnungszeiten bei gleichbleibendem Personalschlüssel. Die Erzieherinnen bitten Bürgermeister Moormann "verzweifelt und eindringlich um Ihre Unterstützung für angemessene Bezahlung, angemessene Rahmenbedingungen und einen angemessenen Personalschlüssel." Moormann wollte vor der Masse der Streikenden nicht so recht Position beziehen, aber Martina Favero brachte beide Interessen auf einen gemeinsamen Nenner:

"Sie als Arbeitgeber können zurzeit qualitativ hochwertige Arbeit nicht mehr anbieten, wir können sie nicht mehr leisten!"

Weitere Impressionen vom Protestzug durch Kaarst finden Sie unter www.kaarster-stadtspiegel.de und auf Facebook.

(Kurier-Verlag)