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„Wir sollten uns darauf besinnen, was Weihnachten wirklich bedeutet!“

„Wir sollten uns darauf besinnen, was Weihnachten wirklich bedeutet!“
Pfarrer Dr. Peter Seul in der Pfarrkirche St. Martinus: „Eigentlich müssen wir an Weihnachten nichts beweisen.“ FOTO: Foto: Rolf Retzlaff
Kaarst. "Fröhliche Weihnacht überall…"!?, fragt Dr. Peter Seul, leitender Pfarrer der katholischen Pfarreiengemeinschaft Kaarst-Büttgen, in seinem Gastbeitrag die Leser des Kaarster Extra-Tipp:

"Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die ganz gut ohne Weihnachten auskommen, die das Fest feiern, weil sie es feiern müssen, weil es im Kalender steht und die anderen es feiern. Wohin soll man auch fliehen? Keiner kann sich dem Fest entziehen: "Fröhliche Weihnacht überall…"!

In unserem Büro lagern zurzeit Pakete, die Menschen aus Kaarst für Häftlinge in der JVA Düsseldorf gepackt haben. Ich frage mich im Anblick dieser Pakete: Wie mögen die Inhaftierten Weihnachten feiern? Der Gefängnisseelsorger Petrus Ceelen hat deren Stimmungslage so zum Ausdruck gebracht: ,Das Fest des Lichtes wirft seinen Schatten voraus./Die Gesichter werden finsterer und die Nächte dunkler./Das Fest des Friedens kommt auf uns zu./Die Stimmung wird gereizter und mancher noch aggressiver./Das Fest der Freude steht vor der Tür./Unser Herz wird trauriger und der Knast noch trostloser./Mein Gott, wären wir froh, wenn es schon vorbei wäre – das schönste Fest des Jahres.'

Weihnachten im Gefängnis ist zwar eine Sondersituation. Die geschilderte Stimmungslage aber kennen viele andere Menschen auch: Menschen, die mit einer schweren Lebenssituation fertig werden müssen, deren Partnerschaft zerbrochen ist, die eine schlimme Diagnose bekommen haben, die Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Not erleiden müssen, die einen Menschen verloren haben oder ihn in diesen Tagen beim Sterben begleiten.

Denken wir zurück an die Zeit, wie wir als Kinder Weihnachten erlebt haben. Vor einigen Jahren erschien ein Buch mit dem Titel ,Weihnachten, als ich klein war'. Bekannte Kinderbuchautoren erzählen darin, wie sie Weihnachten in ihrer Kindheit erlebt haben. Für viele eine Zeit der Armut, der Entbehrung und des Krieges. Kein Wohlstandsweihnachten. Und trotzdem: Fast alle schreiben von der Stille und der Heimeligkeit der Familie, von der gespannten Erwartung bei der Bescherung.

Wir sind aber keine Kinder mehr, müssen also Weihnachten erwachsen feiern. Aber wie geht das? Ich versuche eine Antwort: Eigentlich müssen wir an Weihnachten nichts beweisen. Ich sage "eigentlich", weil viele es alle Jahre wieder schaffen, aus dem Weihnachtsfest einen Leistungssport zu machen. Es tut Not, uns darauf zu besinnen, was Weihnachten wirklich bedeutet. Ich glaube nicht, dass Jesus in der Heiligen Nacht Mensch geworden ist, um uns noch ein weiteres Päckchen an Erwartungen und Leistungsdruck aufzuladen. Weihnachten sagt: Wenigstens einer – Gott – hat Achtung und Ehrfurcht vor dem mühevollen Weg, den wir gehen, vor der Art, wie wir das Leben, das uns oft so beutelt, bewältigen. Wäre es nicht so, bliebe uns Weihnachten besser erspart.

Das aber ist eine erwachsene Art, Weihnachten zu feiern: nicht das Glück, die Stimmung und die Festtagsfreude von außen zu erwarten und enttäuscht zu sein, wenn das alles ausbleibt, sondern das Dunkel des Lebens mit dem Licht der Weihnacht zu beleuchten – so zaghaft und klein die Flamme auch sein mag."

(Kurier-Verlag)