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Fluglärmmessung: Bürger können die Aufzeichnungen mitverfolgen

Fluglärmmessung: Bürger können die Aufzeichnungen mitverfolgen
Der Flieger in der Abendsonne – ein schöner Anblick, doch für Ohren und Nerven alles andere als eine Wohltat… FOTO: Foto: Magann/pixelio.de
Kaarst. Unscheinbar ragt die Antenne aus dem Gebäude der Pumpstation an der Kampstraße, Ecke Gladiolenweg. Vorbeigehende Passanten ahnen nicht, was sich hier verbirgt: Seit November ist dort eine Fluglärmmessstelle untergebracht. Sie sorgt dafür, dass Kaarster Bürger zeitgenau nachverfolgen können, was da über sie hinwegbraust. Von Rolf Retzlaff

Die Antenne führt zu zwei kleinen Kästchen, die alle Geräusche in der Umgebung der Messstation aufzeichnen – die Lärmspitzen setzen natürlich die Flugzeuge. Auf der Website des Deutschen Fluglärmdienstes – zu erreichen über www.kagf.de (die Seite der "Kaarster gegen Fluglärm") oder www.kaarst.de – werden diese Messungen sofort veröffentlicht. So sieht der Bürger genau, wie viel Lärm das jeweilige Flugzeug verursacht hat. Und mit einem Klick auf eins der Kreuze an den Spitzen der Messkurven öffnet sich ein Fenster, mit dem man auf einfachem Weg eine Fluglärmbeschwerde loswerden kann. Es können Tages-, Monats- und Jahresstatistiken aufgerufen werden. Sehr interessant ist auch die Anzeige der Flugspuren: Sie stellt anschaulich dar, wo sich die Flugzeuge in der Luft "knubbeln" – unter anderem natürlich über Kaarst. "Der Wunsch nach einer Fluglärmmessstation ist aus der Bevölkerung und der Politik an die Verwaltung herangetragen worden", sagt Klaus Lindner, Bereichsleiter Bauverwaltung und Wohnen. Erst musste ein geeignetes Gebäude gefunden werden. Es sollte Eigentum der Stadt sein und in einer Gegend liegen, in der möglichst wenig Umgebungslärm verursacht wird. Die Pumpstation erfüllt beide Kriterien, "die Betriebsgeräusche sind vernachlässigbar gering", weiß Lindner. Rund 11.000 Euro hat die Anschaffung des Messgerätes gekostet. Es ist geeicht und entspricht den DIN-Normen. Auf der Girmes-Kreuz-Straße wird privat eine zweite Messstation betrieben, die allerdings nicht geeicht ist. Seit Mitte November zeichnet die städtische Messanlage ankommende und abfliegende Flugzeuge auf. "Wir hoffen, dass wir bald unsere Werte mit denen des Flughafens vergleichen können – doch es dauert leider oft sehr lange, bis das möglich ist", so Lindner, "wir wollen wichtige Erkenntnisse zum Beispiel für ein Planfeststellungsverfahren erlangen, wenn es um die Erweiterung des Flughafens geht." Karl-Heinz Kreuels, stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Kaarster gegen Fluglärm", hält die Einrichtung von Messstellen für eine "tolle Initiative". Der Flughafen sei zwar gesetzlich verpflichtet, selbst Messungen vorzunehmen, "doch die Auswertungen werden um Monate verzögert." Jetzt könne jeder Bürger die aktuelle Lautstärke des Fliegers mitverfolgen. "Mit der Messstation haben wir die Möglichkeit, den Flughafenbetreiber unter Druck zu setzen", verweist Kreuels auf deren Behauptung, die Flugzeuge würden immer leiser werden. Das kann jetzt per Internet von jedem Bürger genau beobachtet werden. "Die Hersteller von Flugzeugen stehen doch unter Kostendruck, sie werden eher den Spritverbrauch als die Lärmvermeidung optimieren", ist sich Kreuels sicher.

(Kurier-Verlag)