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Grüne: „Nicht nur abkassieren, auch in Suchtprävention investieren“

Grüne: „Nicht nur abkassieren, auch in Suchtprävention investieren“
Glücksspielautomaten können spielsüchtig machen. Die Kaarster Grünen wollen einen Teil der Steuereinnahmen in die Prävention stecken. FOTO: Wikipedia/Plenz
Kaarst. Der "einarmige Bandit" treibt auch in Kaarst sein Unwesen; während Glücksspielautomaten ihren Nutzern das Geld aus der Tasche ziehen, sorgten sie im vergangenen Jahr für städtische Einnahmen in Höhe von rund 568.000 Euro. Jetzt wird die Vergnügungssteuer erhöht – und die Grünen mahnen die Verwaltung an, nicht nur zu kassieren, sondern auch in Sachen Spielsucht Prävention zu leisten. Von Rolf Retzlaff

Für die Vergnügungssteuer wird der Steuersatz in Kaarst in 2017 von 4,5 auf 5 Prozent angehoben. Die Zahlen sind beeindruckend: 2016 (Stand: 31. Juli) wurden in Kaarst 97 Apparate mit Gewinnmöglichkeiten gezählt, an denen die Bürger die stolze Summe von 12,5 Millionen Euro als Spieleinsatz ausgaben. "Wir stehen in der Pflicht, nicht nur abzukassieren, sondern wir müssen uns auch in Sachen Suchtprävention engagieren", fordert der Grünen-Fraktionsvorsitzende Christian Gaumitz. Zudem müsse diskutiert werden, wie die Verwaltung durch ordnungsrechtliche Maßnahmen die Zahl der Glücksspielautomaten verringern könne. Auch solle durch das Vergnügungsstättenkonzept die Ansiedlung weiterer Spielhallen vermieden werden, "vor allem im Hotspot Holzbüttgen", so Gaumitz.

"Suchtprävention ist enorm wichtig. Es lohnt sich um jeden einzelnen Betroffenen zu kämpfen. Hinter den Fallzahlen stehen bewegende Schicksale, die oft auch ganze Familien ins Unglück stürzen", weiß Gaumitz. Er hält es für bedenklich, "mit der Spielsucht anderer Geld zu machen" und fordert deshalb, einen Teil der Steuereinnahmen für präventive Maßnahmen auszugeben.

Verena Verhoeven, Leiterin der Fachstelle Glücksspielsucht der Caritas-Sozialdienste Rhein-Kreis Neuss, unterstützt diese Idee: "Es macht Sinn, dass die Anbieter nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung sind", schlägt Verhoeven gleich mehrere Möglichkeiten der Suchtprävention vor. Sie verweist auf das Caritas-Projekt "Glüxxit" – Wege aus der Spielsucht". Lehrer werden an Schulen in Sachen Prävention weitergebildet, Schüler werden zum Thema sensibilisiert. Ein Medienkoffer kann für spezielle Unterrichtseinheiten genutzt werden. "Gerade junge Männer werden von Sportwetten und Glücksspielautomaten angezogen", weiß Verhoeven. So liege das durchschnittliche Einstiegsalter bei 13 Jahren.

Für Christian Gaumitz Argumente, die deutlich machten, wie wichtig die Bereitstellung von Geldmitteln für die Suchtprävention sei: "Es ist bedenklich, mit der Spielsucht anderer Menschen Geld zu machen, in diesem Spannungsfeld müssen wir sensibel agieren."