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Jetzt ist das Rathaus in Narren-Hand: Mit Vollgas in die tollen Tage gestartet

Möhnen erstürmen das Kaarster Rathaus
Möhnen erstürmen das Kaarster Rathaus FOTO: Rolf Retzlaff
Kaarst. Skandal an Altweiber im Kaarster Rathaus: Während die Möhnen aufopferungsvoll um die Schlüsselgewalt kämpfen, werden sie von der geballten Macht der weiblichen Vierer-Stadtspitze in Schach gehalten... Ja, gibt's denn keine Solidarität mehr unter den Närrinnen? Von Rolf Retzlaff

Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt: Bürgermeisterin Dr. Ulrike Nienhaus, ihren Stellvertreterinnen Uschi Baum und Brigitta Thönißen sowie der Technischen Beigeordneten Sigrid Burkhart fiel es offensichtlich schwer, selbst den rabiaten Möhnen entgegen zu treten. Und so schickten sie Beigeordneten Dr. Sebastian Semmler und Kämmerer Stefan Meuser mit Boxhandschuhen bewaffnet in den Kampf um die Stadtkasse. Vergebens: Nach kurzem Gerangel verteilten die "alten Weiber" das Stadtvermögen an die Besucher in der gut besuchten Rathausgalerie.

Doch die Stadtchefin zeigte clevere Weitsicht: Sie hatte einen "Notgroschen" beiseite geschafft, den sie stolz dem Publikum präsentierte: Die Möhnen hatten Mitleid – und gaben einen weiteren "Notgroschen" aus der geräuberten Stadtklasse zurück.

Man merkt: Der Sturm der Möhnen aufs Rathaus war mal wieder eine wunderbare Einstimmung auf die tollen Tage. Manfred Brendel hatte die Moderation übernommen. Er sagte dann auch Auftritte der Tanzgarde und der Tanzmäuse der Kaarster Narrengarde Blau-Gold an – Gardetanz vom Feinsten.

Über einige Gäste freute sich Dr. Nienhaus ganz besonders: Daniela Pütz-Bondzio war mit ihrem VHS-Kurs "Deutsch für Flüchtlinge" spontan zum Mitfeiern ins Rathaus gekommen. "Wir haben heute morgen schon das Helau-Rufen geübt und uns mit Berlinern eingestimmt", sagte die Kursleiterin. Die Menschen aus Syrien, Erithrea und dem Irak wurden von den Kaarstern in der Rathausgalerie mit offenen Armen empfangen. "Mal sehen, vielleicht machen Sie ja nächstes Jahr aktiv beim Kaarster Karneval mit", sprach die Bürgermeisterin die Flüchtlinge an. Integration durch Pappnasen – auch das geht dank weltoffener Kaarster Narren.