| 12.32 Uhr

Josef Karis bläst zum Kampf gegen die Giftpflanze Jakobskreuzkraut Landwirtschaftskammer warnt ebenfalls+++Karis: „Stadt muss handeln“

Josef Karis bläst zum Kampf gegen die Giftpflanze Jakobskreuzkraut Landwirtschaftskammer warnt ebenfalls+++Karis: „Stadt muss handeln“
n knalligem Gelb blüht das Jakobskreuzkraut, doch Vorsicht: Es handelt sich um eine Giftpflanze. Sie kann allerdings gefahrlos mit der Hand ausgerissen werden. FOTO: Fotos (2): Landwirtschaftskammer NRW
Kaarst. Nach der Herkulesstaude wird jetzt um die Zukunft einer weiteren Pflanze heftig diskutiert. Josef Karis (FWG), Vorsitzender des Bau- und Umweltausschusses, sieht die schnelle Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts in Kaarst als Gefahr für Mensch und Tier, die Stadtverwaltung sieht hier noch keinen Handlungsbedarf. Von Rolf Retzlaff

Dr. Clara Berendonk von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen erklärt: „Die Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts, auch Jakobsgreiskraut genannt, stellt eine ernste Gefahr dar, da es als Giftpflanze nicht verfüttert werden sollte. Seine Giftigkeit beruht auf der Wirkung verschiedener Pyrrolizidin-Alkaloide, die zu chronischen Lebervergiftungen führen. Die Giftstoffe reichern sich in der Leber langsam an.“ Die Gefahr sei deshalb nicht zu unterschätzen, da die Auswirkungen der Vergiftung kumulativ seien und dadurch chronische Erkrankungen auftreten könnten, wobei insbesondere Pferde, aber auch Rinder offensichtlich empfindlicher reagieren würden als Schafe und Ziegen. Die Verbreitung des Jakobskreuzkrautes in Nordrhein-Westfalen schreite voran – und das kann Josef Karis bestätigen: „Auch in Kaarst vermehrt sich diese Giftpflanze sehr schnell. Wenn ihre Giftstoffe regelmäßig aufgenommen werden, kann dies schwere Leberschäden verursachen. Die Kühe fressen diese Pflanze und so kommt der Giftstoff in die Milch, auch Honig kann belastet sein. Das bedeutet eine Gefahr auch für unsere Kinder“, so Karis. Und für Pferde lauere die Gefahr im Heu: „Haben die Tiere das giftige Jakobskreuzkraut auf diese Weise zu sich genommen, zeigen sich viele Pferde orientierungslos und träge. Mittlerweile sind bereits Pferde nach Aufnahme der Giftstoffe verendet.“ In Kaarst leben laut Karis mehr als 5.000 Pferde, für die auch Steuern bezahlt würden, „dann sollte sich die Stadt auch um die Pferde kümmern.“ Karis fordert Politik und Verwaltung auf, die Verbreitung des Jakobskreuzkrautes zu bekämpfen. „Es ist schön, wenn es Blühstreifen am Wegesrand oder Blumenwiesen am Ortseingang gibt, aber auch hier kann man nicht einfach alles wachsen lassen. Hier ist grünes Umdenken gefragt.“ Die Stadt müsse dafür sorgen, dass mehrfach im Jahr das Kraut entfernt werde. Und auch die Bürger könnten mithelfen: Anders als bei der Herkulesstaude kann das Jakobskreuzkraut gefahrlos mit der Hand berührt werden; das heißt, die Bürger können es selbst mit der Wurzel herausreißen. Karis: „Ich habe jetzt nur wenige Monate Zeit, bis im kommenden Frühjahr die Pflanze wieder blüht – bis dahin müssen Stadtverwaltung, Politik und Bürger sensibilisiert sein.“

Gino Collica, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Düsseldorf und selbst Imker in Vorst, weiß, dass einige Imker im Sauerland bereits ihren Honig zurücknehmen mussten, weil die Bienen den Nektar des Jakobskreuzkrauts gesammelt hatten. In Kaarst wäre dies allerdings kein Problem: „Wenn das Jakobskreuzkraut im Juli blüht, ist in Kaarst der Honig bereits geschleudert.“

Wie auch immer: Bernhard Rüb, Pressesprecher der Landwirtschaftskammer NRW, verweist auf eine Broschüre seiner Behörde, die ein echter „Bestseller“ ist. Keine andere Broschüre wurde so oft von der Homepage runtergeladen wie „Jakobskreuzkraut – eine Giftpflanze auf dem Vormarsch“ – zu haben unter www.landwirt-schaftskammer.de oder einfach „Jakobskreuzkraut“ googlen. Rüb macht aber auch deutlich, dass sich das Problem nur einvernehmlich lösen lasse – und nicht ordnungsbehördlich: „Man kann Menschen nicht dazu zwingen, das Jakobskreuzkraut auf ihrem privaten Grundstück zu vernichten.“

Stadtpressesprecher Peter Böttner weiß, dass die Verbreitung des Jakobskreuzkrauts in Kaarst bisher nicht als Problem gesehen werde: „Städtische Grünflächen werden regelmäßig gemäht.“ So seien eher Tierweiden und landwirtschaftliche Flächen betroffen – und da habe die Stadt keinen Einfluss. Man sei aber bereit, wenn ein Problem mit dem Jakobskreuzkraut erkannt werde, sich als Stadt mit Landwirten und Pferdewirten an einen Tisch zu setzen. Dann könnte auch die Landwirtschaftskammer helfen; sie bietet Infoabende zum Thema an.

Josef Karis hat den Kampf gegen das Jakobskreuzkraut bereits in der letzten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses zum Thema gemacht, in der Ratssitzung am Donnerstag, 13. Dezember, 18 Uhr, im Bürgerhaus, Clubraum 3, will er die Giftpflanze erneut auf die Tagesordnung setzen.

R. Retzlaff

(Kurier-Verlag)