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Kita-Streik: Protestmarsch durch Kaarst und „Kinderstunde“ im Rathaus-Foyer

Kita-Streik: Protestmarsch durch Kaarst und „Kinderstunde“ im Rathaus-Foyer
Eltern hatten kurzerhand ihre Betreuungsstunde ins Kaarster Rathaus verlegt – und sie wollen diese Aktion jede Woche wiederholen, so lange der Kita-Streik läuft. FOTO: Foto: privat
Kaarst. Die Komba-Gewerkschaft zieht mit einem Protestmarsch durch Kaarst, Kaarster Eltern verlegen ihre Betreuungsstunde ins Kaarster Rathaus. Von Rolf Retzlaff

Ein seltenes Bild erwartete am vergangenen Dienstag die Besucher des Kaarster Rathauses: Im Eingangsbereich spielten Kinder mit ihren Schaukelpferden, sie bastelten, sangen und malten. Doch es handelte sich hier nicht um einen sorglosen Kinderspaß: Eltern der Kita Alte Heerstraße hatten eine Betreuungsstunde ins Rathaus verlegt, um auf ihre Situation nach drei Wochen Kita-Streik aufmerksam zu machen. Und die Proteste gehen weiter: Der Kreisverband Neuss der Komba-Gewerkschaft veranstaltet am heutigen Montag einen Protestmarsch durch Kaarst.

"Wir wollen uns nicht auf eine Seite stellen, aber der Streik muss so schnell wie möglich aufhören", sagt Steffi Seidel. Sie hatte die außergewöhnliche "Kinderstunde" im Rathaus organisiert. "Unser Familienleben wird durch den Streik total beeinflusst, unser persönliches soziales Netzwerk überstrapaziert", macht sie deutlich, dass die Möglichkeit der Heimarbeit sowie die Unterstützung durch Oma und Freunde an ihre Grenzen stoßen. "Viele Eltern sind mit ihren Kräften am Ende", so Seidel. Bürgermeister Franz-Josef Moormann hatte während der "Kinderstunde" mit den Eltern diskutiert und sie zu einer Sitzung des Jugendamts-Elternbeirats am morgigen Dienstag um 16 Uhr im Ratssaal (über Frankenheim) eingeladen. Der Stadtchef und Sebastian Semmler, Dezernent für Jugend und Familie, werden Rede und Antwort stehen. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Hier wird garantiert auch die Möglichkeit einer Erstattung der Kindergartenbeiträge für die Zeit des Streiks ein Thema sein. "Das Verpflegungsgeld ist unkritisch", weiß Stephan Adams vom Bürgermeisterbüro. Es werde mit der nächsten Abrechnung verrechnet. Anders sieht es bei den Elternbeiträgen aus. Hier sieht die Verwaltung im Falle einer Rückzahlung einen enormen Verwaltungsaufwand. Ob der sich lohnt, wird wahrscheinlich die Politik am 11. Juni im Hauptausschuss oder am 25. Juni im Stadtrat entscheiden.

Währenddessen steht fest: Der Streik geht weiter. Die Komba-Gewerkschaft lädt zu einem Aktionstag am morgigen Montag, 1. Juni, in Kaarst ein. Um 9.30 Uhr treffen sich die Demonstranten auf dem Kirmesplatz an der Ecke Mittel-/Xantener Straße. Von dort aus zieht der Protestmarsch um 10 Uhr über die Mittel- und Maubisstraße zum Rathaus. Hier wird eine Petition an Bürgermeister Moormann übergeben. Geplantes Ende der Streikkundgebung ist um 12 Uhr. "Wir würden uns freuen, wenn auch Eltern gegebenenfalls mit ihren Kindern sich anschließen würden", hofft Ira Leifgen, Geschäftsführerin der Komba-Gewerkschaft im Rhein-Kreis Neuss, auf zahlreiche Teilnehmer, "viele Eltern unterstützen den Streik, weil ihnen eine gute Qualität in den Kitas wichtig ist. Und die gibt es nicht zu Dumpingpreisen!" Das derzeitige Mauern helfe nicht: "Die mit dem Streik verbundenen immensen Belastungen von Kindern und Eltern unterstreichen den hohen gesellschaftlichen Wert der Arbeit im Sozial- und Erziehungsdienst."

(Kurier-Verlag)