| 10.24 Uhr

Nur eine Freilauffläche für über 2.600 Hunde – keine weitere Fläche geplant
Leinenpflichtchaos, Freilaufflächen und mehr: Wie lebt „Hund“ in Kaarst?

Leinenpflichtchaos, Freilaufflächen und mehr
Elisabeth Schmitz wünscht sich mehr Freilaufflächen – durch den ausgedehnten Leinenzwang in Kaarst könnten die Hunde nicht genügend Auslauf bekommen. FOTO: Hanna Loll
Kaarst/Neuss. Wo darf man seinen Hund nun frei laufen lassen und wo herrscht zwingend Leinenpflicht? Wie viele Freilaufflächen braucht eine Stadt, um den Anforderungen aller Hunde gerecht zu werden? Und wie lebt "Hund" überhaupt in Kaarst? Von Hanna Loll

Elisabeth Schmitz lebt mit ihren Hunden im Neusser Norden am Rand eines Feldes und in unmittelbarer Nähe zur Kaarster Stadtgrenze. Zu jeder Tageszeit sind auf dem Feld Hundehalter aus Neuss und Kaarst mit ihren Vierbeinern unterwegs. "Schon mehr als einmal wurde ich dabei von Kaarster Hundehaltern, die mit ihren Tieren hier spazieren gehen, regelrecht zusammengefaltet, dass ich meinen Hund an die Leine zu nehmen hätte. Dabei stimmt das auf diesem Gelände überhaupt nicht", ärgert sich die Tierfreundin über solcherlei Anfeindungen. "In Neuss besteht grundsätzlich Anleinpflicht für alle Hunde auf öffentlichen Straßen, Wegen, Plätzen und in öffentlichen Grünanlagen", erklärt der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer – doch das Feld ist keine öffentliche Fläche.

In Kaarst sieht es etwas anders aus. Ein Sprecher der Stadt weiß: "Im gesamten Stadtgebiet Kaarst, mit Ausnahme der Wirtschaftswege, der Wege im Vorster Wald sowie auf der ausgewiesenen Hundefreilauffläche in Vorst, besteht Leinenpflicht." Letztere, eine eingezäunte etwa 1.000 Quadratmeter große Fläche zwischen dem Haus der Lebenshilfe und dem Vorster Friedhof an der Straße Am Vorster Pfad, ist übrigens die einzige Freilauffläche in Kaarst, und das bei rund 2.675 gemeldeten Hunden (Stand: 8. Mai 2017). "Zu wenig", findet Schmitz, die regelmäßig mit ihren Hunden nach Krefeld und Meerbusch fährt, damit sie sich richtig austoben können. "Derzeitig sind keine weiteren Hundefreilaufflächen geplant. Die Kosten für die Einrichtung von Freilaufflächen liegen im vierstelligen und sogar im fünfstelligen Bereich. Diese freiwilligen Leistungen sind für die Stadt Kaarst nicht mit dem Ziel einer Haushaltskonsolidierung zu vereinbaren", heißt es bedauernd aus dem Kaarster Rathaus.

Für Kaarster Hundehalter eine herbe Enttäuschung. Erst bei den Diskussionen um die im Januar in Kraft getretene Erhöhung der Hundesteuer beschwerten sich viele Tierfreunde in sozialen Netzwerken, klagten: "Wir zahlen immer mehr Steuern, aber bei den Tieren kommt das Geld nicht an!" Immerhin: Auf Halter gefährlicher Hunde kommen die zunächst beschlossenen horrenden Mehrkosten nun doch nicht zu. Doch das ist für Kaarster Tierfreunde nur ein Wermutstropfen. Schmitz: "Ich würde mir deutlich mehr Freilaufflächen wünschen – für die Gesundheit und das Wohl der Tiere!"

Übrigens: Die Neusser Stadtverwaltung schließt weitere Flächen nicht aus. In Zukunft könnten also noch mehr Kaarster ihre Hunde in die Nachbarstadt führen...