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Tatort soll ein Bordellbetrieb in Kaarst gewesen sein
Mit Gewalt zur Prostitution gezwungen?

Mit Gewalt zur Prostitution gezwungen?
Den Angeklagten werden schwerwiegende Verbrechen vorgeworfen, unter andrem Vergewaltigung, Zuhälterei und Körperverletzung. FOTO: Foto: Violette Fehse
Kaarst/Neuss. Daria G. (Name von der Redaktion geändert) ist für ihr Leben gezeichnet. Sie soll geschlagen, vergewaltigt und zur Prostitution – unter anderem in einem Kaarster Bordell – gezwungen worden sein. Vier mutmaßliche Täter stehen seit Mittwoch vor dem Landgericht. Von Violetta Fehse

Das Blitzlichtgewitter der Pressekameras scheuen die drei Männer und eine Frau, halten sich notdürftig Hefte und Mützen vor die Gesichter. Noch zehn Mal werden die Rumänen die Anklagebank drücken, ehe ein Urteil gefällt wird.

Den mutmaßlichen Tätern wird vorgeworfen, Daria G. mit einem falschen Versprechen – für 1.100 Euro im Monat in einer Restaurantküche arbeiten zu können – nach Deutschland gelockt zu haben. Tatsächlich sollen die Angeklagten geplant haben, die junge Frau zur Prostitution zu zwingen und die Einnahmen für sich zu behalten. Die Geschädigte stammt aus ärmlichen Verhältnissen, lebte nach dem Tod ihres Ehemannes mit ihren zwei Kindern bei ihrem Vater in Rumänien. Die ganze Familie lebte von nur 200 Euro im Monat. Der Job in der Restaurantküche sollte die Rettung sein. Am Ende kam laut Anklageschrift alles ganz anders. Schon bei der Ankunft am 18. Juni 2016 in Düsseldorf sollen die mutmaßlichen Täter Daria G. die Papiere abgenommen haben. Nur zwei Tage später ging es statt in ein Restaurant in ein Bordell in Kaarst.

Dort soll Haupttäter Eugen K. (Name von der Redaktion geändert) der Rumänin mit einem Klappmesser gedroht haben, wenn sie dort nicht arbeite, werde er ihre Kinder umbringen. Aus Angst soll sie zugestimmt haben, verbrachte den ersten Tag aber weinend in der Garderobe. Einen Tag später soll sie ihre ersten Freier in Empfang genommen und in den ersten sechs Wochen Einnahmen in Höhe von 14.000 Euro gemacht haben, die vollumfänglich an den Angeklagten gegangen sein sollen. Nur in einem Fall konnte sie 100 bis 150 Euro an ihre Familie überweisen.

Weil sich Daria G. mit einem niederländischen Kunden angefreundet haben soll, bestimmte einer der Angeklagten, dass sie in ein anderes Etablissement in Düsseldorf wechseln sollte. Laut Staatsanwältin begann damit ein Martyrium. Aufgrund von zu niedrigen Einnahmen soll Eugen K. das Opfer mit einem Messer und einer Machete gedroht und sie mit Fäusten ins Gesicht geschlagen haben. Mit einem Teaser soll er ihr zudem mehrere Elektroschocks zugefügt und sie vergewaltigt haben. Am frühen Morgen des 7. Oktober gelang Daria G. mit ihrem niederländischen Freund die Flucht in das Nachbarland. Die Angeklagten stehen wegen zwei weiterer Vergehen der Zwangsprostitution vor Gericht. Ein Urteil soll am 29. Juni gefällt werden.

Erst vor wenigen Tagen gab es in NRW eine Großrazzia in Wohnungen und Geschäftsräumen im Rotlichtmilieu. Dabei ging es unter anderem um gefälschte Visa, Menschenhandel, Zuhälterei und Zwangsprostitution. Genau so etwas soll sich zwei Jahre lang in Kaarst abgespielt haben.

 

(Kurier-Verlag)