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FDP-Kandidat für Kaarst
Nie ohne sein Team und digitalen Kalender: Otto Fricke von der FDP

Nie ohne sein Team und digitalen Kalender: Otto Fricke von der FDP
Otto Fricke erklärte Reporterin Alina Gries zwar nicht die Welt, dafür aber seine Gedanken um den FDP-Wahlkampf. FOTO: Foto: FDP
Kaarst. Für einen niederländischen Podcast steht er in den nächsten Tagen vor dem Mikrofon, das Stichwort "digital" ist nicht nur für seinen Wahlkampf wichtig und in seinem Büro wird bei einem Sieg bei der Bundestagswahl ein Glas Lakritz auf seinem Schreibtisch platziert. Und dennoch ist Otto Fricke von der FDP seit der Niederlage vor vier Jahren vor allem eines geworden: vorsichtig. Von Alina Gries

"Christian Lindner ist zielgerichtet, neugierig und modern", gibt der 50-Jährige nach etwas Bedenkzeit an. Eigenschaften, die den "Lindner-Effekt" nur noch mehr unterstreichen. "Natürlich gibt es den Lindner-Effekt. Den gibt es aber schon seit der verlorenen Wahl, als er in die Bresche gesprungen ist", meint Fricke, "das ist aber bei allen Parteien so, dass der Fokus auf den Kandidaten gelegt wird." Lindner zeige, wie modernes Auftreten mit modernen Inhalten verknüpft werden könne. "Viele sind der Meinung, dass diese Kampagne besser ist, als die typischen 0815", so der FDP-Bundestagskandidat. Und dieser Kampagne schließt sich Fricke nur zu gern an.

"Die Wahlplakate sind wegen der Einheitlichkeit alle schwarz-weiß gehalten", erklärt er, "aber die Kleidung dafür habe ich mir selber ausgesucht. Ich suche nicht die Kleidung für meine Ehefrau aus und sie nicht für mich. Obwohl sie den besseren Geschmack hat." Ein Team, bestehend aus Mitarbeitern, Freunden und seiner 79-Jahre alten Mutter, hatte dann die Wahl zwischen Jackett oder bloßem weißen Hemd. Ein Gemeinschaftsgefühl, was er auch in Kaarst erhalten will. "Dabei stellen wir uns die Frage: Wie schaffe ich es, in einer Großregion das Gemeinschaftsgefühl zu erhalten?", meint Fricke. Aber auch der Fluglärm sei ein zentrales Thema, das er im Bundestag einbringen will.

"Der Umgang mit dem Nachtfluglärm muss klarer und transparenter werden", sagt er, "und auch hinsichtlich der Arbeitsplätze müssen wir entsprechende Unternehmen gewinnen." Doch die Bearbeitung der Thematiken funktioniere auch nur bei einer engen Zusammenarbeit mit den jeweiligen Bürgermeistern.

"Die Bundespolitik spielt nicht in einer höheren Liga, sondern ist einfach eine andere Sportart als in den Kommunen", versucht Fricke zu veranschaulichen, "wenn wir Hockey spielen und die Kommunen Fußball, heißt das nicht, dass ich auch besser Fußball spielen kann. Es heißt nicht, Onkel Otto erklärt die Welt." Und später fügt er hinzu: "Die Probleme müssen mitgeteilt werden, damit ich als Botschafter der Kommunen tätig werden kann. Es ist dann aber nicht nur das strikte FDP-Modell, sondern andere Kollegen, die dasselbe Ziel verfolgen, werden ebenfalls mit einbezogen." Zu einer möglichen Koalition blieb eine konkrete Aussage jedoch aus: "Ich kann mir eine Koalition mit sehr Vielen vorstellen, weil Politik immer ein Kompromiss ist."

Für die FDP ist aber, nach der Niederlage vor vier Jahren, erst einmal ein Sieg wichtig. Bis dahin wolle Fricke erst einmal einen guten Wahlkampf bestreiten. Dennoch habe er durch Listenplatz sieben eine ganz gute Chance in den Bundestag einzuziehen. "Das Grundorgan der FDP ändert sich nicht, aber die Frage, wie wir an Themen herantreten", erklärt Fricke die Umstrukturierung der Partei, "wir sind nicht mehr auf das monotone Thema ,Steuern' fixiert. Wir müssen deutlich sehen, was die nächsten zehn Jahre wichtig ist und das sind Bildung und Digitalisierung." Das sei ihm, als Vater von drei Kindern, auch eine Herzensangelegenheit. "Ich habe drei Kinder im Alter von 14, 16 und 18 Jahren, da ist es wichtig zu sehen, dass man ohne Bildung nie eine Chance hätte." Auch von der Digitalisierung mache er im Privaten Gebrauch. "Es ist schwer, die Familie und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. In meinem digitalen Kalender stehen auch wichtige Termine wie die Hockeyspiele meiner Kinder. Aber es gelingt mir leider auch nicht immer", so Fricke. Was, wenn er nach dem 24. September dann doch ein Büro im Bundestag beziehen darf? "Mir ist nicht das Büro wichtig, sondern die Mitarbeiter und das Team, in dem ich arbeite", meint er, "ich werde aber ein Bild aus meinem alten Büro aufhängen, auf dem Menschen an einem runden Tisch im Anzug sitzen und ein Blatt vor sich liegen haben. Die Perspektive ist von oben. Und natürlich stelle ich ein Glas Lakritz auf meinen Schreibtisch."

 

(Kurier-Verlag)