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„Nur der gemäßigte Islam gehört zu Deutschland!“ Die Vorsitzende des Integrationsrates spricht Klart

„Nur der gemäßigte Islam gehört zu Deutschland!“ Die Vorsitzende des Integrationsrates spricht Klart
Bouchra el Maazi engagiert sich für Neubürger, warnt aber auch vor einem Identitätsverlust Deutschlands. FOTO: Rolf Retzlaff
Neuss/Kaarst. Sie ist eine Frau der klaren Worte: Bouchra el Maazi besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft, ist Vorsitzende des Kaarster Integrationsrats sowie Integrationslotsin der Stadt Neuss und betreut als Mentorin zahlreiche Flüchtlinge. Die 39-Jährige rechnet mit einem weiteren Flüchtlingszustrom in den kommenden Monaten. Deshalb ihre dringende Mahnung: "Deutschland hat ein Identitätsproblem!" Sie warnt vor "falsch verstandener Toleranz", fordert mehr Polizeipräsenz, schärfere Gesetze, konsequente Abschiebung von Straffälligen und spricht sich andererseits dafür aus, den Flüchtlingen nicht beim Grenzübertritt die kulturelle und religiöse Identität zu nehmen.. Von Rolf Retzlaff

Der Verzicht auf Schweinefleisch in Schul- und Kita-Küchen, Lichterfest statt St. Martin – für el Maazi Forderungen, die von deutschen Politikern auf die Tagesordnung gebracht wurden. "Diese Diskussionen gingen nicht von Muslimen aus", sagt sie. Aber es gebe Menschen, die "auf diesen Zug aufspringen und suggerieren, dass der Islamismus voranschreite, um so das Volk zu spalten." Dabei sind für el Maazi Diskussionen über Schweinefleisch und Co. Zeichen falscher Toleranz. Ein anderes Beispiel: "Viele Muslime hängen in katholischen oder evangelischen Krankenhäusern das Kreuz ab und legen es in die Schublade. Wir sind in einem christlichen Land, da darf man sich nicht an einem Kreuz vergreifen."
Auch sollten die Kinder in einem evangelischen oder katholischen Kindergarten Feste wie Weihnachten mitfeiern.
Und was sagt el Maazi zum Ausspruch des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff "Der Islam gehört zu Deutschland"? "Das trifft nur auf den gemäßigten Islam zu, der auch anderen Religionen gegenüber tolerant ist", so die gebürtige Muslima. Dabei solle man durchaus auch darauf achten, was in den Moscheen in Deutschland gepredigt werde. So würden die Freitagsgebete in Marokko von Mitarbeitern der Regierung besucht: "Wenn dort Dinge gepredigt werden, die nicht den Grundsätzen des moderaten Islam entsprechen, wird dies gemeldet", kann sich el Maazi solch eine Form der Aufsicht auch in Deutschland vorstellen. Sie spricht sich gegen jegliche Form des Extremismus aus – und auch gegen deren Auswüchse wie das Tragen einer Burka, das in Deutschland nicht toleriert werden solle: "Das macht mir Angst!"
Apropos Angst: In Marokko fühlt sich el Maazi sicherer als in Deutschland, was sie mit hoher Polizeipräsenz und einem guten Zusammenspiel von Polizei und Bevölkerung erklärt. Überhaupt werde die Polizei in Deutschland nicht ernst genug genommen. So hätten zum Beispiel Politiker Ordnungshütern öffentlich Rassismus vorgeworfen: "Kein gutes Zeichen für Neubürger, wenn die Polizei in der Öffentlichkeit nicht als Autorität anerkannt wird."
Aber sie bricht auch eine Lanze für die Neubürger: "Sie können ihre Identität nicht wie einen Rucksack an der Grenze abgeben und gegen einen deutschen Rucksack eintauschen." Integration bedeute, von Zeit zu Zeit diesen Rucksack aufzumachen, auszusortieren, Ordnung zu schaffen und neue Dinge einzupacken.