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Krach, Schmutz und Gefahr: Wird auf Kosten der Anwohner gespart?
Sandstrand ohne Meer: Kaarster Nachbarschaft als Schuttdepot

Sandstrand ohne Meer: Kaarster Nachbarschaft als Schuttdepot
Erde soweit das Auge reicht: Mehrere Meter hoch und dutzende Meter lang erstreckt sich der Aushub an der Alten Heerstraße. FOTO: Hanna Loll
Kaarst. "Das ist eine Unverschämtheit!", sind sich die Anwohner des Neubaugebietes Alte Heerstraße / Dreeskamp einig. Schließlich wird ihre Nachbarschaft derzeit als Depot für einen riesigen Erdberg zweckentfremdet. Die "Sanddüne" sorgt für alles andere als Urlaubsgefühle... Von Hanna Loll

Das Vinzenz-Haus baut gerade um. Da fällt viel Dreck an, merken jetzt auch die Anwohner des Neubaugebiets Alte Heerstraße / Dreeskamp – schließlich landet der Bodenaushub des Seniorenzentrums gleich vor ihrer Haustür. "Wochenlang kamen die Radlader von morgens um sechs im Viertelstundentakt hier an und luden den Aushub ab. Auf mehrfache Nachfrage haben wir aus dem Rathaus erfahren, was der Sandberg soll", ärgert sich Anwohnerin Ilona Wings und ihr Nachbar Bert Hilger ergänzt: "Wir finden es ja schön, dass die Stadt dem Vinzenz-Haus unter die Arme greifen möchte – aber doch nicht auf unsere Kosten!" Denn laut Hubert Zirbes von der Stadt Kaarst hatte das Vinzenz-Haus im Rathaus nach einer kostengünstigen Möglichkeit gefragt, den Bodenaushub zwischenzulagern.

Die Stadtverwaltung erklärt: "Die Stadt hat diesen Standort hauptsächlich deshalb präferiert, da er einerseits frei von vertraglichen Bindungen war und sich die Andienung des Grundstücks von der dort eher breiten, sich übersichtlich darstellenden und auch nicht stark frequentierten Alte Heerstraße gut gestalten ließ. Wie auch bereits Nachbarn gegenüber zum Ausdruck gebracht, soll der Bodenaushub gegen Ende Mai wieder abgefahren werden." Das verschandelte Bild des neuen Wohngebiets ist es nicht, was die Anwohner an der riesigen "Düne" so stört. Hilger berichtet: "Morgens um viertel nach sechs plötzlich vom lauten Knall eines abladenden Lkw geweckt zu werden, macht nicht gerade Spaß..."

Außerdem machen sich die Mieter und Eigentümer Sorgen um die Hausfassade, den Frühling auf ihren Balkonen und ihre Autos. "Das Haus ist gerade mal vier Jahre alt", erzählt Anwohnerin Heidrun Holthaus, "durch Verwehungen wird der lockere Aushub auch gegen die Fassade geweht. Die dürfen wir bestimmt schon bald erneuern!" Zur Haftung bei eventuellen Schäden durch den Aushub verweist die Stadt Kaarst auf das Vinzenz-Haus: "Die Stadt Kaarst hat das Grundstück der Vinzenzgemeinschaft Neuss e.V. zur Lagerung ihres Bodenaushubs vertraglich überlassen, sodass dieser für die Beschaffenheit des Bodens wie auch für den Umgang mit ihm die Verantwortung zukommt."

Doch das Schlimmste für Ilona Wings ist eine beunruhigende Beobachtung, die sie von ihrem Fenster aus bereits mehrere Male gemacht hat: "Abends und am Wochenende spielen Kinder auf dem großen Berg. Wenn da einmal Bewegung reinkommt, könnten sie verschüttet werden!" Denn Fakt ist: Der mehrere Meter hohe und dutzende Meter lange Berg aus Bodenaushub war wochenlang in keiner Weise abgesichert. Aus dem Rathaus heißt es: "Der gesamte Betrieb der Lagerstätte steht in der vertraglichen Verantwortung des Nutzers, das heißt der Vinzenzgemeinschaft Neuss. Von dort wurde der Stadt Kaarst bereits am vergangenen Donnerstag eine Sicherung zugesagt. Eine entsprechende Einzäunung besteht seit Montag, 20. März."