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So funktioniert Integration: Flüchtling arbeitet ehrenamtlich im Kunstcafé

So funktioniert Integration: Flüchtling arbeitet ehrenamtlich im Kunstcafé
Ahmet Haj Staifi (2.v.l.) engagiert sich ehrenamtlich im Kunstcafé – sehr zur Freude seiner Kollegen Necati Özen (l.), Stefan Jung und Geschäftsführerin Birgitte Albrecht. FOTO: Foto: Rolf Retzlaff
Kaarst. Integration ist keine Einbahnstraße: Das macht Ahmet Haj Staifi mit seinem Engagement deutlich. Der syrische Flüchtling arbeitet ehrenamtlich im Kunstcafé EinBlick an der Alten Heerstraße. Von Rolf Retzlaff

Vor rund eineinhalb Jahren verließ er gemeinsam mit Frau und fünf Kindern im Alter von drei bis 15 Jahren seine Heimat. Zu groß war die Angst um seine Familie. „Die erste Bombe schlug in der Küche ein, als wir im Wohnzimmer saßen“, erinnert sich Haj Staifi. Es folgten weitere Bomben – ein grausamer Akt der Zerstörung. Haj Staifi wurde am Bein verletzt, sein Haus dem Erdboden gleich gemacht. „Alles, was wir uns in 30 Jahren aufgebaut hatten, wurde vernichtet“, erzählt der Syrer sichtlich bewegt. In seiner Heimat verdiente er Geld als Taxifahrer, Lkw-Fahrer und Automechaniker. Zudem war er ehrenamtlicher Rettungswagenfahrer. Dann kamen die Bomben, zerstörten seine Existenz, verbreiteten Todesangst und Schrecken. Der Familie blieb nur noch die Flucht ins Ungewisse. Jetzt lebt sie in einer Wohnung in Driesch. Die Kinder gehen zur Schule und in den Kindergarten. „Aber ich bin immer in der Unterkunft, habe wenig Kontakt zu Deutschen“, bedauert Haj Staifi, „ich möchte unbedingt die deutsche Sprache erlernen.“ Und das ermöglicht ihm das Kunstcafé. Der Syrer hilft in Küche und Café. „Unser Konzept der Inklusion gilt für alle, die noch nicht in der Gesellschaft angekommen sind“, erklärt Kunstcafé-Geschäftsführerin Brigitte Albrecht. Hier arbeiten behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammen. So wird zum Beispiel auf der Speisekarte mit Bildmaterial gearbeitet, damit die Menschen mit Beeinträchtigung selbstständig Bestellungen der Gäste aufnehmen können. Diese Arbeitsweise ist auch für den Syrer ein Riesenvorteil. „Zudem lernt er unsere Sprache sehr schnell durch den Umgang miteinander“, freut sich Brigitte Albrecht. Ein Engagement, von dem beide Seiten profitieren. Das Kunstcafé lebt von Spenden und ehrenamtlicher Mitarbeit, Ahmet Haj Staifi wird durch sein Engagement in die Gesellschaft integriert.

(Kurier-Verlag)