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Tatort Friedhof: Grabdiebe haben wieder in Kaarst zugeschlagen Bronze-Madonna gestohlen+++Werden Figuren ins Ausland verkauft?

Tatort Friedhof: Grabdiebe haben wieder in Kaarst zugeschlagen Bronze-Madonna gestohlen+++Werden Figuren ins Ausland verkauft?
Michael Fiebig am Grab seiner verstorbenen Frau: Diebe haben aus der Nische im Grabstein die Madonnenfigur gestohlen. FOTO: Fotos: Rolf Retzlaff (2) / Fiebig
Kaarst. Ein Riesenschock für Michael Fiebig, als er am Montag vor Ostern das Grab seiner Frau auf dem Kaarster Friedhof besucht: Die Bronze-Madonna wurde gestohlen – fachmännisch aus der Nische im Grabstein entfernt. In Kaarst leider kein Einzelfall: Immer wieder schlagen hier skrupellose Täter zu. Von Rolf Retzlaff

Bereits im vergangenen Jahr stahlen Unbekannte eine große Marienstatue auf dem Kaarster Friedhof. Und auch am Montag vor Ostern wurde nicht nur ein Grab heimgesucht; an einem weiteren wollten Unbekannte eine Marienstatue mitgehen lassen. Offenbar war diese Figur den Tätern dann doch zu schwer: Sie ließen sie einfach liegen.

Bereits vor einem Jahr machten sich Übeltäter auch an Fiebigs Madonnenfigur zu schaffen – doch ohne Erfolg. Jetzt folgte der zweite Versuch. Diesmal wurde die Statue aus der Nische im Grabstein auf offensichtlich professionelle Weise herausmontiert. „Ich habe die Trauer um meine Frau noch nicht richtig verarbeitet – und dann so was! Diese Menschen haben vor nichts Respekt“, ärgert sich Michael Fiebig. Er hat jetzt Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. „Metalldiebstahl ist leider ein lukratives Geschäft“, weiß Polizeisprecherin Daniela Dässel. Andreas Reusch, Steinmetz- und Bildhauergeselle bei der direkt am Friedhof gelegenen S+K Grabmale GmbH, vermutet ein anderes illegales Geschäftsmodell: „Der Materialwert bei einer rund 15 Kilogramm schweren Figur wäre meines Erachtens zu gering. Ich denke, die Figuren werden ins Ausland weiter verkauft.“ Dieser Ansicht ist auch sein Chef, der Steinmetz- und Bildhauermeister Robin Münch. Allerdings hat er kein Verständnis für die Tatenlosigkeit von Polizei und Stadtverwaltung, die auf den Friedhöfen in Kaarst Hausrecht hat. Michael Fiebig hatte Fußspuren der Täter fotografiert. „Warum ist niemand rausgekommen, um zum Beispiel nach Fingerabdrücken zu suchen?“, fragt Münch. Stadtsprecher Peter Böttner zeigt Verständnis für den Ärger der Bürger, beschwichtigt aber auch: „Es bleibt festzuhalten, dass wir in Kaarst nach unseren Erkenntnissen über Einzelfälle sprechen.“ Der Kaarster Friedhof stehe allen Bürgern jederzeit offen, um Grabbesuche ganz bewusst nicht von Öffnungszeiten abhängig zu machen. „Auch ein Abriegeln der Zugänge würde auf Grund der besonderen Lage des Friedhofes nicht verhindern, dass man ihn betreten kann“, so Böttner. Eine Videoüberwachung des Friedhofs passe nicht zum Gedanken einer stillen, persönlichen Trauer. „Wer trauert, möchte nicht das Gefühl der permanenten Beobachtung haben. Aus datenschutzrechtlicher Sicht sind an die Videoüberwachung sowohl des Friedhofs als auch des öffentlichen Straßenraumes sehr strenge Voraussetzungen geknüpft“, erklärt Böttner. Der Friedhof sei kein Kriminalitätsschwerpunkt wie Plätze und Straßen in anderen Städten, etwa in Duisburg, wo eine Videoüberwachung installiert worden sei. Der Eingriff in die Persönlichkeitsrechte jedes Friedhofsbesuchers und der unmittelbaren Anwohner wäre in Kaarst unverhältnismäßig.

Die Polizei hofft jetzt auf Hinweise aus der Bevölkerung: Wer am 26. oder 27. März auf dem Kaarster Friedhof verdächtige Beobachtungen gemacht hat, wird um einem Anruf unter Tel. 3000 gebeten.

Rolf Retzlaff

(Kurier-Verlag)