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Wird Entschlammung des Nordkanals zur politischen „Schlammschlacht“?

Wird Entschlammung des Nordkanals zur politischen "Schlammschlacht"?
Franjo Rademacher wagte sich 2011 per „Selbstversuch“ in den Nordkanal. Die Aufregung um den aktuellen CDU-Antrag kann er nicht verstehen: „ Eine gockelhafte Auseinandersetzung darüber, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei, ist nach der positiven Antragsentscheidung über die Inaussichtstellung von Fördermöglichkeiten geradezu aberwitzig. Wir sollten doch alle im Gegenteil glücklich darüber sein, dass jetzt in großem politischen Konsens gemeinsam an einem Strick gezogen werden kann. Die Lösung des Themas Nordkanal ist zu wichtig, um es als Wahlkampfthema zu missbrauchen. Das wäre unsäglich und ein Treppenwitz der Weltgeschichte“, sagt der Vorsitzende des Förderkreises Holzbüttgen. FOTO: Foto: privat
Kaarst. Still und leise schleicht er durch Kaarst, wer ihm auf den Grund geht, versinkt im Schlamm: Der Nordkanal ist seit vielen Jahren eins der großen Kaarster "Sorgenkinder". Doch jetzt schlägt die Diskussion um das trübe Gewässer hohe Wellen: Die CDU wird in der kommenden Ratssitzung einen Antrag zur Erstellung eines Gesamtkonzeptes für eine ökologische Verbesserung des Nordkanals auf die Tagesordnung setzen. Sehr zur Verwunderung von UWG und Zentrum: Die beiden Parteien werfen den Christdemokraten – gelinde ausgedrückt – "Ideenklau" vor. Von Rolf Retzlaff

"Im Rahmen eines Gesamtkonzeptes haben wir jetzt erstmals die Möglichkeit, an nennenswerte Fördermittel heranzukommen. Diese Chance werden wir engagiert angehen", kündigt CDU-Partei- und Fraktionschef Lars Christoph an. Auf Anfrage von Landrat Petrauschke hatte die Bezirksregierung Anfang der Woche erklärt, dass auch eine Entschlammung des Nordkanals grundsätzlich im Zusammenhang mit Maßnahmen der Wasserrahmenrichtlinie förderfähig sein könnte, wenn sie zu einer Verbesserung des ökologischen Zustandes führt. "Wir möchten ein Gesamtkonzept entwickeln, das die ökologische Verbesserung auch unter naturschutzfachlichen Aspekten umfasst. Zu untersuchende Maßnahmen hierbei sind die Entschlammung, die Verbesserung der Gewässergüte und der Gewässerstruktur, eine standortangepasste Bepflanzung an den Ufern sowie die Überprüfung aller Einleitungen unter dem Aspekt der Gewässerverträglichkeit", so Christoph weiter. Und Franjo Rademacher fordert als Vorsitzender des Förderkreises Holzbüttgen: "Ein Gesamtkonzept muss über ökologische und naturschutzfachliche Aspekte aber noch weit hinausgehen." Der Bereich müsse auch in seiner Naherholungsfunktion sowie als Bodendenkmal aufgewertet werden. Rademacher lobt in diesem Zusammenhang die parteiübergreifende Arbeit des Förderkreises mit Hans-Peter Grabowski, dem Vorsitzenden der Gesellschaft Carolus, dem Förderkreis-Mitglied Christian Gaumitz, und anderen, denen die Problematik der Nordkanal-Lösung am Herzen liege: "Unsere gemeinsame Hintergrundarbeit scheint sich auszuzahlen."

Der Vorstoß der Christdemokraten stößt bei einigen Ratsparteien auf Unverständnis. Sowohl die UWG-Vorsitzende Anja Rüdiger als auch der Kaarster Zentrums-Chef Josef Karis stellen fest, dass sich die CDU mit fremden Federn schmücken wolle. Sie beide hätten bereits seit Jahren für eine Entschlammung des Nordkanals gekämpft – und die CDU habe sie nicht unterstützt.

Was die beiden Parteichefs zu sagen haben und einen Kommentar zum Thema, lesen Sie auf Seite 2.

(Kurier-Verlag)