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Mehr Unfälle, weniger Verletzte +++ Unfallfluchten nehmen zu
13.320 Verkehrsunfälle in 2016: „Zehn Tote sind zehn zu viel“

13.320 Verkehrsunfälle in 2016
Von links: Detlef Gernandt, Abteilungsleiter Polizei, Gerhard Kropp, Leiter Direktion Verkehr sowie Landrat und Polizeichef Hans-Jürgen Petrauschke. FOTO: Hanna Loll
Neuss/Kaarst. Zehn Menschen sind im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen oder an deren Folgen im Rhein-Kreis Neuss gestorben. Das sind zehn zu viele, findet auch Landrat und Polizeichef Hans-Jürgen Petrauschke. Gemeinsam mit Detlef Gernandt, Abteilungsleiter der Polizei, sowie Gerhard Kropp, Leiter der Direktion Verkehr, informierte er jetzt über Präventionsmaßnahmen, Unfallursachen und mehr. Von Hanna Loll

Es sind traurige Zahlen, die die Beamten in ihrem Bericht zur Verkehrsunfallentwicklung 2016 im Rhein-Kreis Neuss vorlegen: Bei rund 13.320 Unfällen (Neuss: 1.804, Kaarst: 437) kamen 1.628 Menschen zu schaden, darunter 137 Kinder und 271 Senioren. Zehn Menschen verloren sogar ihr Leben, einer davon war ein 23 Monate altes Baby, das im April in einen Unfall in Grevenbroich verwickelt war. Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Das sind etwas weniger Verletzte als im Vorjahr und die Zahlen liegen deutlich unter dem NRW-Durchschnitt. "Natürlich arbeiten wir weiter daran, die Verkehrssicherheit zu erhöhen", versichert Hans-Jürgen Petrauschke, in seiner Position als Landrat auch Chef der Kreispolizeibehörde. So gibt es beispielsweise das Programm "Crash Kurs NRW", in dem Jugendliche die Gefahren hoher Geschwindigkeiten kennen lernen. Auch die regelmäßige "Aktion Toter Winkel", das Projekt "Junge Fahrer" und weitere Maßnahmen werden jedes Jahr durchgeführt, um Menschen aller Altersklassen und Gesellschaftsschichten für die Aufmerksamkeit im Straßenverkehr zu sensibilisieren.

Die Landespolizei macht auf die Gefahren durch Ablenkung aufmerksam. FOTO: Polizei NRW

Dennoch kommt es auf den Straßen des Rhein-Kreises immer wieder zu Unfällen. Neben Abbiege- und Wendemanövern sowie Vorfahrtsmissachtung stehen hohe Geschwindigkeiten und die Ablenkung durch Smartphones auf der Liste der Hauptunfallursachen ganz weit oben. Denn wer bei 50 Kilometern pro Stunde nur eine Sekunde auf das Handy schaut, fährt 14 Meter im Blindflug. Gerhard Kropp, Leiter der Direktion Verkehr, weiß: "Wenn wir uns bei einem Unfall nicht erklären können, wie es dazu kommen konnte, ergibt sich in unseren späteren Ermittlungen häufig, dass der Unfallverursacher mit dem Smartphone beschäftigt war." Abteilungsleiter Detlef Gernandt warnt: "Ist der Unfall schwer genug, kontrollieren wir die letzten Handy-nutzungen – das kann schwerwiegende Konsequenzen haben." Um der Gefahr zu begegnen und die Unfallzahlen zu senken, hat die Landespolizei für 2017 eine Kampagne ins Leben gerufen, die mit Comics auf mögliche Konsequenzen durch Ablenkung am Steuer aufmerksam macht.

FOTO: Polizei NRW

Besonders auffällig findet Kropp: "Die Zahl der Radunfälle nimmt immer weiter zu. Dabei ist auch die steigende Zahl der Alleinunfälle zu beachten, wie beispielsweise im Juli, als in Holzheim ein 81-Jähriger und seine Frau auf dem Feld mit dem abgestellten Gabelstapler kollidiert sind. Der Mann hat sich so schwere Verletzungen zugezogen, dass er verstorben ist." Insgesamt sind im vergangenen Jahr drei Radfahrer im Rhein-Kreis Neuss tödlich verunglückt. "Sie alle trugen keinen Fahrradhelm", macht Petrauschke die Notwendigkeit des Kopfschutzes deutlich, "der hätte vermutlich vieles verhindern können." Ein weiterer Punkt, der den Beamten wichtig ist: "Verkehrsunfallflucht lohnt sich nicht! Es gab im vergangenen Jahr 3.158 Verkehrsunfallfluchten – unsere Aufklärungsquote liegt bei über 40 Prozent. Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt, hat mit teilweise schwerwiegenden Konsequenzen zu rechnen...", so Petrauschke.

FOTO: Polizei NRW

Damit es gar nicht erst zum Unfall kommt, arbeitet eine Unfallkommission jetzt an der Entschärfung der Verkehrssituation an sogenannten Unfallhäufungsstellen – in Neuss ist das die Kreuzung Further Straße / Berliner Platz durch hohes Verkehrsaufkommen und enge Straßen. Die Bilanz der Polizei: Leicht positiv – immerhin gibt es weniger Verletzte...