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Polizei: „Höchstgradig verwerflich“+++Das sind die Zahlen, Gründe und Folgen
Erschreckende Zahlen: 3.158 Mal sind Unfallverursacher im Kreis geflüchtet

3.158 Mal sind Unfallverursacher im Kreis geflüchtet
Wolf Wewers, Leiter der Verkehrskommission, und sein Stellvertreter Bernd Hübner. FOTO: Hanna Loll
Neuss/Kaarst. 3.158 Mal. So oft haben Unfallverursacher im Rhein-Kreis Neuss 2017 Verkehrsunfallflucht begangen. Dabei kamen 171 Menschen zu schaden, acht davon schwer. "Das ist hochgradig unsoziales Verhalten", prangert Wolf Wewers, Leiter der Verkehrskommission, an.  Von Hanna Loll

Die Zahlen sind erschreckend hoch. Der Anteil der Verkehrsunfallfluchten an den statistisch erfassten Verkehrsunfällen im Rhein-Kreis Neuss lag 2017 bei rund 68,43 Prozent. In Neuss ergriffen 1.197 Menschen die Flucht, in Kaarst waren es 363. Viel zu viele – meint auch das Verkehrskommissariat der Kreispolizeibehörde. Leiter Wolf Wewers weiß: "Das ist ein Thema, das uns sehr beschäftigt." Doch los werden es die Beamten wohl nie, vermuten sie.

"Der Hauptanteil der Verkehrsunfallfluchten liegt im ruhenden Verkehr", erklärt Wewers Stellvertreter Bernd Hübner, "bei Unfällen beim Ein- und Ausparken oder beim Fahren durch Engpässe, wo Spiegel abgefahren oder andere Pkw gestreift werden." Gründe dafür liegen laut der Experten unter anderem in der Tatsache, dass die Fahrzeuge in den vergangenen Jahren immer größer geworden seien, sich auch deren Anzahl extrem erhöht habe, ältere Parkhäuser und Parkplätze aber aufgrund von Platzmangel meistens nicht vergrößert werden könnten.

Verkehrsunfallflucht, ob mit oder ohne Personenschaden, ist eine Straftat. FOTO: Pixabay

Was verhältnismäßig harmlos klingt, ist es keineswegs. Wewers verdeutlicht: "Verkehrsunfallflucht ist immer eine Straftat!" Außerdem sei es heutzutage kaum noch möglich, einem anderen Fahrzeug nur geringfügigen Schaden zuzufügen. Hübner: "Selbst wenn man ,nur' eine Stoßstange trifft, kann das schnell in einen vierstelligen Schaden übergehen. Heutzutage ist darin durch verschiedenste Sensoren so viel Technik verbaut, dass es schnell teuer wird." 

Die Aufklärungsquote von Unfallfluchten liegt bei 39,8 Prozent. "Wir sind auf die Mithilfe aufmerksamer Zeugen angewiesen", geben die Beamten zu bedenken, dass sie nicht überall gleichzeitig sein können. Immerhin: Die Aufklärungsquote bei den insgesamt 111 Verkehrsunfallfluchten mit Personenschaden liegt bei 57,66 Prozent. "Das liegt daran, dass diese Unfälle meist tagsüber im fließenden Verkehr passieren. Da gibt es mehr Zeugen, die uns eine Fahrzeugbeschreibung und eventuell sogar das Kennzeichen nennen können," erklärt Hübner den Unterschied. 

Wer erwischt wird, muss mit einem Fahrverbot, hohen Geld- und sogar bis zu drei Jahren Freiheitsstrafen rechnen. Dennoch sind die Gründe, sich doch für die Flucht zu entscheiden, vielfältig, wie Wewers weiß: "Häufig hat es finanzielle Gründe, da die Unfallverursacher nicht in der Versicherung steigen möchten. Auch Fahruntauglichkeit von Fahrer und Fahrzeug, das Nichtbesitzen eines Führerscheins, die Angst vor der Strafe oder Drogen- und Alkoholkonsum sind häufige Gründe." 

Der Wagen von Petra Dreuw wurde touchiert. Der Verursacher flüchtete. FOTO: Petra Dreuw

Wie ärgerlich Fahrerflucht für die Geschädigten ist, weiß zum Beispiel Petra Dreuw. Am 26. Februar um 6 Uhr morgens hörte sie auf der Geulenstraße einen Knall – jemand war ihr ins geparkte Auto gefahren und abgehauen. Kostenpunkt: 2.500 Euro. Darauf bleibt sie jetzt sitzen, denn die Versicherung zahlt nur bei Vollkaskoversicherungen.

Die Tipps der Experten: Suchen Sie sich einen Parkplatz, der groß genug ist, auch wenn Sie weiter laufen müssen und fotografieren Sie die Fahrzeuge vor und hinter Ihnen. Die Experten appellieren: "Begeht keine Unfallflucht! Das Risiko, dass man gesehen wird, ist zu hoch – und unsere Aufklärungstechnik wird auch immer ausgefeilter..."