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50 Jahre Friedenskirche Uedesheim

50 Jahre Friedenskirche Uedesheim
Das Pfarrehepaar Annette Gärtner und Jens Bielinski-Gärtner.
Die evangelische Gemeinde Uedesheim um das Pfarrersehepaar Bielinski-Gärtner feierte jetzt das 50-jährige Bestehen ihrer Kirche. Los ging es am Ende September mit einem Gemeindefest rund um die Kirche. Der Posaunenchor, die Tanzgruppe des Malteser Jugendzentrums, „Drums alive“ und die „Gospelfriends“ ließen es sich nicht nehmen, ihren Beitrag zu leisten. Von Thomas Broich

Im Jahr 1964, rechtzeitig zum Erntedankfest, wurde das evangelische Gotteshaus eingeweiht. Viele Mitglieder der evangelischen Gemeinde kamen damals aus Pommern, Schlesien und Ostpreußen. Diese Wurzeln hat man in Uedesheim bis heute nicht vergessen und so wurde das am Wochenende auch mit bunter, typisch ostpreußischer Erntedank-Dekoration auch stolz demonstriert.

Zeitgleich feiert auch der Kindergarten sein 50-jähriges Bestehen. Er wurde gemeinsam mit der Kirche gebaut und beide Einrichtungen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten „ineinander“ entwickelt, einander regelrecht umschlossen, wie Pfarrer

Jens Bielinski-Gärtner

es beschreibt.

Eine Festschrift zum runden Geburtstag gibt es übrigens für 5 Euro, und über Spenden für den sanierungsbedürftigen Glockenturm freut sich die Gemeinde ebenfalls.

Zur Friedenskirche gehören seit 2002 rund 2500 Gemeindeglieder (1000 in Uedesheim und 1500 in Grimlinghausen). Im Stil der 1960er Jahre ist der Kirchraum verbunden mit dem Gemeindezentrum. Dieses bietet Raum für die vielfältige Aktivitäten der Gemeinde. Im Zuge des Neubaus der Evangelischen Kindertagesstätte „Friedensbrücke“, die 2006 fertig gestellt wurde, entstanden auch neue Räumlichkeiten im Gemeindezentrum.

Das Design ist schlicht und für Architekturfreunde ein echter Leckerbissen. Die große, frei tragende Betonwand des Kirchenschiffes etwa ist eine extreme Seltenheit. Erbaut wurde das Gotteshaus nach den Plänen der Architekten Bornemann und Kußler aus Neuss.

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten in Uedesheim 700 bis 800 Menschen, das änderte sich jedoch schnell, spätestens mit den Flüchtlingen aus Ostpreußen erweiterten sich die Grenzen. Auch für die Protestanten musste ein adäquates Angebot geschaffen werden.

Am 16. Februar 1956 wurde das Grundstück für den Kirchenbau erworben. Nach dem Plan, eine Notkirche zu bauen, beschloss das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Neuss am 19. Februar 1962 den Bau eines Gemeindezentrums, und am 16. September 1963 wurde mit den Bauarbeiten begonnen. Die Glocken der Kirche wurden im Februar 1964 in Karlsruhe gegossen. Heute haben sie ihre Heimat in dem 20,5 Meter hohen Glockenturm gefunden, jede trägt ihre eigene Inschrift: 1. Gerechtigkeit (390 Kilogramm) - „In dem Herrn habe ich Gerechtigkeit und Stärke“. 2. Friede (270 Kilogramm) - „Christus ist unser Friede“. 3. Freude (190 Kilogramm) - „Die Freude am Herrn ist Eure Stärke“.

Die erste Glocke wird täglich geläutet. Die Zweite wird zum Tode eines Gemeindemitgliedes geläutet und die dritte bei Taufen und Trauungen. Alle drei läuten gemeinsam am Samstag um 18 Uhr und rufen am Sonntag zum Gottesdienst.

Neben der Kindertagesstätte wohnt das Pfarrersehepaar Annette Gärtner und Jens Bielinski-Gärtner, die sich seit 1994 die vierte Pfarrstelle teilen. Der Dienst ist geordnet nach Seelsorgebereichen (Grimlinghausen: Pfarrerin Gärtner, Uedesheim: Pfarrer Bielinski-Gärtner) und Arbeitsfeldern. Für die Seniorenarbeit ist die Pfarrerin zuständig, für die Jugendarbeit der Pfarrer.

Das Zusammenspiel zwischen Katholiken und Protestanten funktionierte in Udesheim schon immer gut, kein Wunder, dass die Ökumene hier groß geschrieben wird. Im Jahr 2015 etwa begeht man hier gemeinsam den 10. Ökumenischen Kinder-Bibel-Tag, doch zusammengefunden hat man sich hier bereits wesentlich früher. So feiern die Udesheimer bereits seit langem gemeinsam die Schützemesse. Seit dem Jahr 2000 ist auch der Einschulungsgottesdienst ökumenisch. Dazu kommen gemeinsame Bibel- und Gesprächsabende, Passionsandachten, Lichterwege durch den Ort und Ausflüge der Senioren. Bereits zwei Mal gingen die beiden Gemeinden in der Osternacht mit einem gemeinsamen Zug durch den Ort, um in aller Öffentlichkeit die Auferstehung Jesu gemeinsam zu feiern.

(Kurier-Verlag)