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„Die Schule am Wildpark soll bleiben!“

Reuschenberg. Die Schule am Wildpark ist in Reuschenberg so etwas wie eine Institution. Sie reiht sich ein in die Galerie der Schulen an der Aurinstraße und ist da für Kinder mit Handycap, für die Inklusion nicht der richtige Weg ist. Zum kommenden Schuljahr soll sie allerdings geschlossen werden. Das wollen sich die Eltern nicht gefallen lassen. Von Thomas Broich

Immer mehr Modelle zur Inklusion an anderen Neusser Schulen ließen in den vergangenen Jahren die Anmeldezahlen auf der Schule am Wildpark zusammenschmelzen. Nun will die Stadt Neuss deshalb die Schule am Wildpark schließen und die Schüler auf die zweite Neusser Fördereinrichtung, die Herbert-Karrenberg-Schule auf der Neusser Furth schicken. Ein Umzug vom Neusser Süden in den Norden – das würde für einige Schüler einen täglichen Schulweg von vier Stunden (inklusive Heimweg) mit dem Bus bedeuten. Der Einzugsbereich der Schule ist groß, einige Schüler kommen sogar aus Dormagen und Grevenbroich.

„Außerdem ist die Karrenberg-Schule wesentlich schlechter ausgestattet, als unsere Schule“, behaupten Hiltrud Thielen und Christine Thienel von der Elternpflegschaft. Abgesehen von der schönen und auch therapeutisch günstigen Lage der Schule am Wildpark (in der Nähe des Parkes und des heilpädagogischen Reit- und Voltigierangebotes) verfüge die Karrenberg-Schule auch nicht über entsprechend eingerichtete Fachräume etwa für Fächer wie Werken, Textilarbeiten, Physik und Kochen. Außerdem sei die Schule auf der Furth zu klein, müsse erst entsprechend umgebaut werden. An der Aurinstraße haben die Förderschüler jetzt zwei Schulhöfe für die verschiedenen Altersstufen, eine große Aula und ein reichhaltiges OGS-Angebot zur Verfügung, all das würde auf der Furth wegfallen.

Hinter der geplanten Schulschließung vermutet die neu gegründete Initiative „Eltern am Wildpark“ politisches Kalkül. Nach dem Auszug der Förderschule sollen nämlich die Räumlichkeiten von der benachbarten Gesamtschule an der Erft übernommen werden. „Da will man sich unsere Schule einfach krallen“, vermuten Hiltrud Thielen und Christine Thienel. Die Elterninitiative hat eine Unterschriftenliste mit über 300 Unterzeichnern zusammengetragen, die mittlerweile auf dem Schreibtisch von Beigeordneter Dr. Christiane Zangs liegt.

Noch ist die Entscheidung im Schulausschuss nicht gefallen, die meisten der rund 130 betroffenen Eltern sind sich sicher, dass die Entscheidung bereits steht. Doch so oder so wollen sich die Eltern nicht kampflos geschlagen geben. Wenn sich ein Umzug schon nicht verhindern lässt, dann bestehen sie zumindest auf annehmbare Bedingungen an der neuen Schule. „Es kann auf keinen Fall sein, dass unsere Kinder auf der Furth endlos lang in Containern unterrichtet werden müssen“, reklamieren Hiltrud Thielen und Christine Thienel im Auftrag der gesamten Elternschaft.

Einen Alternativentwurf hat die Elterninitiative auch zu bieten: Sie schlägt vor, die Further Schüler in die Reuschenberger Schule zu integrieren. „Es ist uns verständlich, dass die beiden Förderschulen aufgrund rückläufiger Schülerzahlen zusammengelegt werden sollen. Wir sind sehr froh darüber, dass zumindest ein Standort noch erhalten bleibt. Wir halten jedoch unseren Standort, die Schule am Wildpark, für die bessere Wahl einer gemeinsamen Beschulung“, so die Initiative.

(Kurier-Verlag)