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Hermann Gröhe über feuchte Augen, Merkels Wert und seine Familie
„Ich gehöre zur Nationalmannschaft. Die Position bestimmt die Trainerin!“

„Ich gehöre zur Nationalmannschaft. Die Position bestimmt die Trainerin!“
Hermann Gröhe, Spitzenkandidat der nordrhein-westfälischen CDU, bei seinem Besuch in der Kurier-Redaktion. FOTO: agr.
Neuss. Er ist seit rund 40 Jahren politisch aktiv: Schüler-Union, Junge Union, Bundestag, CDU-Generalsekretär, Gesundheitsminister. Und der Polit-Betrieb macht ihm immer noch Spaß: Hermann Gröhe will bei der Bundestagswahl am 24. September wieder gewählt werden. Von Gerhard Müller

Dabei ist es sein Ziel, auch wieder als direkt gewählter Wahlkreis-Kandidat nach Berlin zu gehen. Dann hat die eigene Stimme noch mehr Gewicht, weiß er inzwischen aus Erfahrung.

Dass er in Berlin dann wahrscheinlich auf zwei weitere Kandidaten aus seinem Wahlkreis trifft (sowohl der Bewerber der SPD als auch der FDP haben gute Chancen über die Reserveliste in den nächsten Bundestag zu rutschen), stört ihn nicht: "In Fragen, die die Heimat betreffen, kann man mit anderen Demokraten zusammenarbeiten. Das mache ich mit dem christdemokratischen Landrat genauso wie mit den sozialdemokratischen Bürgermeistern."

Die Notfallpraxis direkt im Grevenbroicher Krankenhaus, die Arbeit der Hospize im Rhein-Kreis, der frühzeitige Ansatz in Sachen Demenz der Diakonie – alles Themen die Hermann Gröhe mit ins Berliner Gesundheitsministerium genommen hat. Und die inzwischen zum Teil in Gesetze gegossen zur bundesdeutschen Pflicht geworden sind.

Ist es eigentlich ein Nachteil, als Nicht-Mediziner das Gesundheitsministerium zu leiten? "Am Ende ist der Bundesgesundheitsminister nicht der oberste Arzt. Es geht vielmehr darum, gute Voraussetzungen für die medizinische Versorgung aller Bürger sicherzustellen", so Gröhe.

Und weiter: "Ich trage entscheidend Verantwortung dafür, dass die, die in den Krankenhäusern arbeiten, die sich als Apotheker niedergelassen haben, die sich der Altenpflege widmen, gute Arbeit leisten können." Er müsse nicht entscheiden, welche Therapie, welche Pille die richtige sei. Er müsse bei Interessensgegensätzen für einen guten Ausgleich im Sinne der einzelnen Patienten sorgen.

Dabei mache ihm die Arbeit Spaß, auch wenn es mitunter zu belastenden Begegnungen komme: "Wenn du ein Kinderhospiz besuchst, da gehst du mit nassen Augen raus", gesteht er offen ein.

Und so will er auch nach der Bundestagswahl, wenn Angela Merkel Kanzlerin bleibt, seine Ministertätigkeit fortsetzen. "Ich gehöre zur Nationalmannschaft. Die Position bestimmt die Trainerin", stellt er lachend fest.

Dabei stehen für beide die Zeichen gut, wenn man auf die aktuellen Zahlen der Umfragen schaut. "Das Wichtigste ist, dass wir so stark werden, dass ,Rot-Rot-Grün' keine Chance hat", wird Kandidat Gröhe politisch. Mit wem dann die CDU eine Mehrheit schmieden könne, darüber will er jetzt noch nicht nachdenken.

Allerdings erkennt Gröhe bei den "Grünen" klare Annäherungen in außenpolitischen Fragen. Und bei der FDP gebe es "in der Summe sehr vieles, was uns verbindet." Bei der SPD allerdings kritisiert er nachhaltig die "Sprachlosigkeit gegenüber Russland", die nicht erst seit Gerhard Schröders Plänen, in den Aufsichtsrat des "russischen Energie-Riesen von Putins Gnaden" zu gehen, festzustellen sei.

Allerdings: "Die große Koalition hat in den vergangenen vier Jahren viel Gutes getan", postuliert der nordrhein-westfälische Spitzenkandidat der CDU. Das sei ja auch – griemelt er – das Problem der SPD, wenn Andrea Nahles als amtierende Arbeits- und Sozial-Ministerin den Wählern zu erklären suche, dass es einen sozialen Schiefstand in der Bundesrepublik gebe.

Auch wenn Hermann Gröhe nicht jeden Morgen auf die Meinungsumfragen "starre", wisse er natürlich um eine gute Stimmung für Merkel und die CDU. Denn: "Auch bei Rückenwind – abgerechnet wird am Ende. Auf der Erfolgsstraße ist es schon die halbe Miete, keine Fehler zu machen."

Und da macht der heimische Abgeordnete deutlich: "Ich bin froh, dass Angela Merkel wieder kandidiert." Diese Entscheidung habe sie sich bekanntermaßen nicht leicht gemacht. "Das weiß ich auch aus persönlichen Gesprächen. Ihr hohes Ansehen in der Welt ist angesichts der unruhigen Gesamtlage ein großer Schatz", so Hermann Gröhe wörtlich.

Und wie sieht es mit dem Elan des 56-Jährigen aus? "Ich gehöre immer noch zu den jüngeren Kabinettsmitgliedern", grinst er. Inzwischen falle ihm als Minister das "Ausbalancieren" der berechtigten Ansprüche seiner Familie leichter als zu seinen Zeiten als Generalsekretär der CDU.

Immer wenn der neue Sitzungskalender komme, blocke er als erstes die fünf Geburtstage seiner Frau und der vier Kinder. Auch ansonsten seien "familiäre Ereignisse mitunter so wichtig, dass ich mal einen Termin in Berlin absage", gesteht er. So habe er die Silberhochzeit mit seiner Gattin ganz liebevoll gefeiert. "Familienleben ist immer spontan, ich aber muss alles durch organisieren", so Hermann Gröhe, der sein politisches Wirken aber noch möglichst lange fortsetzen will. Als Wahlkreis-Gewinner. Und als Bundesminister.

 

(Kurier-Verlag)