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Bäcker bangen um ihre Zukunft+++Dr. Jörg Geerlings will helfen
Alle Zeichen auf Grün? Was die Hygiene-Ampel mit sich bringt

Alle Zeichen auf Grün? Was die Hygiene-Ampel mit sich bringt
Dr. Jörg Geerlings (links) und Bäckermeister Stefan Gummersbach sind mit der Hygiene-Ampel unzufrieden. FOTO: Foto: Hanna Loll
Neuss. Viele Jahre wurde diskutiert, jetzt hat der NRW-Landtag sie beschlossen: Die Hygiene-Ampel kommt, die für Transparenz in Lebensmittel- und Gastronomiebetrieben sorgen soll. Nicht für alle eine gute Nachricht, denn kleine Handwerksbetriebe wie der Bäcker von nebenan bangen jetzt um die Zukunft ihrer Läden... Von Hanna Loll

Unter den selbstständigen Bäckern und Gastronomen macht sich seit dem Beschluss der Hygiene-Ampel im Landtag vor zwei Wochen wachsende Ungewissheit breit. "Wir wissen noch nicht, was da wirklich auf uns zukommt", beschreibt Bäckermeister Stefan Gummersbach den Ursprung seiner Nervosität. Die Hygiene-Ampel ist ein Kontrollbarometer, das künftig an jedem Café, jeder Bäckerei, jedem Restaurant und jedem Lebensmittelmarkt anhand von Ampel-Farben anzeigen soll, wie die letzten amtlichen Lebensmittelüberwachungen im Betrieb ausgefallen sind – und soll den Verbrauchern so Transparenz vermitteln. Insgesamt sind rund 150.000 Betriebe von dem Gesetz betroffen. Für Selbstständige, die sich kein Personal leisten können, das sich ausschließlich um Betriebshygiene kümmert, hat die Sache einen großen Haken: "Kleine Handwerksbetriebe wie meiner können ohnehin nur existieren, wenn der Inhaber 60 bis 70 Stunden die Woche arbeitet. Der zusätzliche Bürokratieaufwand ist kaum zu schaffen", erklärt der Bäckermeister, der eine weitere Welle der Schließungen richtiger Handwerksbetriebe befürchtet.

Den Leitfaden für eine gute Ampel-Bewertung hat Gummersbach von der Bäckerinnung bekommen. "Darin steht nichts, was bei uns nicht längst Gang und Gäbe wäre", versichert er. Der Unterschied: Bisher musste er nicht jeden kleinen Schritt dokumentieren. "In NRW haben wir eine der strengsten Lebensmittelüberwachungen überhaupt", ist sich Dr. Jörg Geerlings, CDU-Chef und deren Landtagskandidat, sicher. Für ihn ist klar: "Die große Mehrheit der Lebensmittel- und Gastronomiebetriebe in NRW ist ohnehin sehr sauber – die Vorschriften werden eingehalten. Durch die Einführung der Hygiene-Ampel sind diejenigen, die am fleißigsten arbeiten, am Ende die Gelackmeierten." Denn es gibt ein weiteres Problem: "Sollte auch nur ein kleiner formeller Fehler in einem Dokument auftreten, kann es passieren, dass der Betrieb dafür runtergestuft wird und eine schlechtere Wertung auf dem Kontrollbarometer bekommt – und dann Monate lang keine Gelegenheit bekommt, den Wert zu verbessern." Das wäre erst bei der nächsten Kontrolle möglich, ärgert sich der Christdemokrat. Betriebe mit Einstufungen im gelben oder roten Bereich haben das Recht auf eine zusätzliche kostenpflichtige amtliche Kontrolle innerhalb von drei Monaten. Bis 2020 ist die Bekanntmachung der Hygiene-Ampel für nordrhein-westfälische Betriebe noch freiwillig, dann wird das Kontrollsystem obligatorisch. Die Prüfung zahlt jeder Betrieb selbst.

Gummersbach: "Wie die Prüfung verläuft hängt ja auch von der Tagesform des Prüfers ab. Wer weiß, wie sein Tag vorher gelaufen ist?" Für ihn ist das Hauptproblem die Ungewissheit, mit der er auf seine nächste amtliche Lebensmittelüberwachung wartet. Gemeinsam mit der Landes-CDU setzt sich Geerlings jetzt für die Abschaffung der Hygiene-Ampel ein. "Hier wird ordentliche Arbeit bestraft", macht der CDU-Chef deutlich, dass er da nicht mitmacht. "Wenn Sie mich heute noch mal fragen würden, ob ich mich für diese Branche entscheiden würde – ich glaube, ich würde es nicht tun...", so Traditionsbäcker Gummersbach.

(Kurier-Verlag)