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Blindes Rathaus: „Grünflächen in Neuss befinden sich in einem guten Zustand“

Blindes Rathaus: „Grünflächen in Neuss befinden sich in einem guten Zustand“
Zugewachsene Rad- und Fußwege in Grefrath, kahle „Wiesen“ am Jröne Meerke und zugewucherte Grünstreifen in Norf – so ungepflegt sieht es in Neuss aus. FOTO: Fotos: Violetta Buciak/privat
Neuss. Die Proteste um die ungepflegten Grünflächen in Neuss werden immer lauter. Nachdem der Stadt-Kurier über die offensichtliche Überforderung des Grünflächenamtes berichtete, erreichten etliche Zuschriften die Redaktion – immer mit dem Tenor, dass Parks, Rasen und Co. in einem desaströsen Zustand seien. "Auch ich bin sowas von erschüttert, wie ungepflegt und verwüstet unsere Sraßenränder, Beete und vor allem die Wälder aussehen", schreibt Renate Weiler in einem Leserbrief. Ganz anders sieht das erster Beigeordneter Frank Gensler. Er sagt: "Insgesamt befinden sich die Grünflächen in Neuss in einem guten Zustand." Von Violetta Buciak

Ein Statement, dass bei vielen Neussern für Kopfschütteln sorgt, nicht zuletzt bei der Opposition. Nach den Ergebnissen einer repräsentativen Bürgerumfrage der Neusser SPD, angefertigt von Studenten der Heinrich-Heine-Universität, ist die Grünpflege in der Stadt für die Neusser ein Top-Thema. SPD-Bürgermeisterkandidat Reiner Breuer und SPD-Umweltexperte Michael Ziege wollen nicht länger zusehen, wie Grünflächen in Neuss verwahrlosen. Sie fordern einen Grünen Tisch unter Leitung des neuen Umweltdezernenten der Stadt Neuss, Dr. Matthias Welpmann, der am 1. Juli sein Amt angetreten hat.

Eine Frage, die dort auch angesprochen werden dürfte, ist die offensichtliche Überforderung des Grünflächenamts. 80 Planstellen umfasst das Grünflächenamt laut Gensler – 70 davon seien besetzt.

"Aufgrund der Zusammenlegung des Umweltamtes und des Grünflächenamtes sind zunächst einige frei gewordene Stellen nicht mehr besetzt worden. Wegen des verwaltungsweiten Einstellungsstopps konnten nicht alle Fluktuationen aufgefangen werden. Derzeit findet eine Organisationsuntersuchung statt, um den aktuellen Bedarf zu ermitteln", erklärt Gensler.

Für viele Neusser nur ein schwacher Trost. Sie finden den Zustand unserer Grünflächen untragbar. "Das fängt am Himmelsberg in Uedesheim an und setzt sich in Grimlinghausen am Scheibendamm fort. Es wäre schön wenn die Herren vom Grünflächenamt mal durch den Wald von der Ecke am Hermkes Bur durch den Wald zum grüne Meerke fahren. Da sieht es aus wie nach einem Bombenangriff. Das spottet jeder Beschreibung", schimpft Leserin Renate Weiler. Auch CDU-Bürgermeisterkandidat Thomas Nickel will jetzt besonderes Augenmerk auf dieses Thema legen: "Oberste Priorität ist die Sicherheit. Dort, wo Ampeln oder Verkehrsschilder durch das Grün nicht mehr sichtbar sind, muss sofort gehandelt werden", sagt Nickel. Und: "Es reicht nicht, dass nur vor dem Schützenfest was passiert."

(Kurier-Verlag)