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Neuss und Kaarst schwitzen +++ Feuerwehr, Bürger und Bauhof packen mit an
Brandgefahr, Bäume trocknen aus, Tiere verdursten: Was die Städte jetzt tun

Brandgefahr, Bäume trocknen aus, Tiere verdursten
Erhöhte Brandgefahr überall und zeit- und arbeitsintensive Einsätze: Die Feuerwehren der Städte Neuss und Kaarst leisten viel. FOTO: Feuerwehr Kaarst
Neuss/Kaarst. Deutschland schwitzt – doch was für viele Sonnenverliebte ein Segen ist, hat nicht nur positive Seiten. Während Sommerfans ein geliebtes Sonnenbad nehmen oder sich im Freibad abkühlen, leiden Flora und Fauna unter der Wasserarmut, überall herrscht erhöhte Brandgefahr. In den Städten Neuss und Kaarst werden jetzt Maßnahmen gegen die Gefahren ergriffen.

Aufgrund der anhaltenden Hitze unterstützt die Neusser Feuerwehr seit Mittwoch das Grünflächenamt bei der Bewässerung der städtischen Bäume. Wegen des ausbleibenden Regens sind nicht nur viele Grünflächen braun geworden und Pflanzen vertrocknet.

Auch Bäume schaffen es kaum noch mit ihren Wurzeln in Tiefen mit Wasser vorzudringen. Besonders junge Bäume, die im letzten Herbst und Winter gepflanzt wurden, benötigen regelmäßig Wasser.

Gerade bei Straßenbäumen ist jetzt das regelmäßige Gießen sehr wichtig. Die angrenzenden Asphaltflächen heizen sich sehr stark auf und reflektieren diese Hitze an das Umfeld und damit auch an die Wurzeln der Bäume.

Die Mitarbeiter des Amtes für Stadtgrün, Umwelt und Klima arbeiten zurzeit an ihrer Kapazitätsgrenze und bekommen daher jetzt Unterstützung von der Neusser Feuerwehr. Diese wird, anhand einer nach Stadtbezirken sortierten Straßenliste mit den jeweils zu bewässernden Bäumen, das Wässern übernehmen.

So kann eine systematische Vorgehensweise sichergestellt werden. Die Feuerwehr unterstützt vormittags einige Stunden, sofern sie nicht durch etwaige Brandereignisse gebunden ist, seit Mittwoch das Grünflächenamt bei der Bewässerung der Bäume.

FOTO: Feuerwehr Kaarst

Das Amt für Stadtgrün, Umwelt und Klima der Stadt Neuss bittet aber auch weiterhin alle Bürger um Unterstützung. Das Gießen von Bäumen vor der eigenen Tür kann den Schattenspendern helfen, die anhaltende Hitzeperiode gut zu überstehen.

Bäume steigern die Lebensqualität in den Städten. Neben dem kühlen Schatten befeuchten sie die Luft und binden Staub. Durch großzügige Wassergaben können die Bäume diese Funktionen auch weiterhin erfüllen.

Wer noch mehr tun möchte, kann auch Schalen und andere flache Gefäße mit Wasser befüllen, so dass auch die Vögel sich dort erfrischen können. Die Tiere nehmen das Wasser auf, baden darin und selbst diese kleine Wasserfläche verdunstet Feuchtigkeit und macht die Luft angenehmer.

Auch in Kaarst ist die Hitzeperiode Thema Nummer eins. Viele besorgte Bürger fragen bei der Verwaltung und bei der Freiwilligen Feuerwehr nach, was getan wird, um die Pflanzen im Stadtgebiet vor dem Vertrocknen zu bewahren. Und es steht fest: Es wird viel getan.

Das Gießen von öffentlichen Grünflächen gehört im Sommer zum "Standardprogramm" des städtischen Bauhofs. Das anhaltende Hochdruckgebiet mit Temperaturen deutlich über der 30 Grad Marke verursacht eine extreme Wettersituation, die auch den Bauhof an die Grenzen der Bewässerungsmöglichkeiten führt.

Die Bürger werden gebeten, zu helfen. FOTO: Stadt Kaarst

Daher ist auch eine Firma beauftragt worden, um gerade die Neuanpflanzungen im Stadtgebiet zu wässern, denn die Jungpflanzen sind bei der Trockenheit besonders gefährdet. Und mit zusätzlichen Wassertanks der Feuerwehr (sogenannte IBC mit jeweils 1.000 Liter Fassungsvermögen) wird die gleichzeitige Bewässerung durch die Mitarbeiter der Stadt nochmal ausgeweitet.

Und an mehreren Stellen im Stadtgebiet kümmern sich die Kaarster selbst um "ihre" Grünflächen und bewässern öffentliche Flächen in der eigenen Nachbarschaft. Bäume, Beete und Sträucher sind dankbar für das kühle Nass aus Gießkanne und Gartenschlauch.

Auch wenn insbesondere Rasenflächen sich bei wieder einsetzendem Regen relativ schnell regenerieren, freut sich Bürgermeisterin Dr. Ulrike Nienhaus: "Es ist schön zu sehen, dass Nachbarschaftshilfe an vielen Stellen in Kaarst auch öffentliche Flächen einschließt. Ich danke allen, die sich hier zum Wohl und Erhalt unserer Grünflächen engagieren."

Und die Feuerwehr? Die hat aktuell auf Facebook anschaulich beschrieben, warum sie – anders als Berufsfeuerwehren mit entsprechendem Bereitschaftspersonal – nicht mit "der Gießkanne" unterwegs sein kann. Denn durch das Wetter besteht eine stark erhöhte Gefahr von Wald- oder Feldbränden.

Um Brände durch Unachtsamkeit zu vermeiden, bittet die Stadt, kein offenes Feuer im Wald, in Waldnähe oder am Feldrand zu entzünden, Zigarettenreste nicht wegzuwerfen und keine Glasabfälle liegen zu lassen, da diese als Brennglas wirken können.

Was vielleicht nicht jeder weiß: Im Wald darf in der Zeit vom 1. März bis 31. Oktober nicht geraucht werden. Hinzu kommen aktuell viele zeit- und arbeitsintensive Einsätze wie in Büttgen oder in Vorst. Das verlangt den Ehrenamtlern schon jetzt viel ab.

Bürgermeisterin Dr. Ulrike Nienhaus: "In einer Zeit, in der andere im Urlaub sind oder in anderer Form Abkühlung und Erholung suchen, ist das keine Selbstverständlichkeit. Ich bin stolz und dankbar, was unsere Florianer hier leisten."

Übrigens: Was das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Rhein-Kreises Neuss zum richtigen Umgang mit Lebensmitteln während der anhaltenden Hitze rät, erfahren Sie hier