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Interview
Chef der Jungen Liberalen ist für die Bürgermeister-Kandidatur

Die Ankündigung von FDP-Chef Michael Fielenbach, keinen eigenen Bürgermeister-Kandidaten aufstellen zu wollen, sorgt bei Teilen der FDP für Verstimmung. Die Jungen Liberalen wollen den Neusser Arzt Dr. Hermann-Josef Verfürth ins Rennen schicken. Der Stadt-Kurier sprach mit Juli-Chef Benjamin Beyer. Von Frank Möll

Stadt- Kurier: Herr Beyer, was erwarten Sie am Freitag vom Parteitag? Stellen die Liberalen nun einen eigenen Kandidaten für die Bürgermeister-Wahl auf oder nicht?

Beyer: Ich hoffe, dass Dr. Hermann-Josef Verfürth als Bürgermeister-Kandidat aufgestellt wird.

Stadt-Kurier: Warum?

Beyer: Dass er kandidieren will, ist für uns Liberale ein Jackpot, weil er vom politischen Gegner sehr, sehr ernst genommen wird und wir Freien Demokraten mit ihm unsere Themen setzen und mit dem beliebten Neusser auch ein gutes Ergebnis erwarten können

Stadt-Kurier: Sie sind 24 Jahre alt und seit einem Jahr Chef der Jungen Liberalen. Die FDP rangierte noch vor Monaten bei Umfragen bundesweit bei schlappen drei Prozent. Dank des neuen, jungen Bundesvorsitzenden Christian Lindner ist die Fünf-Prozent-Hürde wieder geknackt. Warum gibt es überhaupt eine Diskussion in Neuss, dass bei dieser wichtigen Wahl im September die Liberalen vom Schirm genommen werden und in Neuss weiter in die Bedeutungslosigkeit verschwinden sollen?

Beyer: Ich verstehe selber nicht, warum Michael Fielenbach und Manfred Bodewig offenbar daran denken, keinen Kandidaten aufzustellen. Dafür muss es ja persönliche Gründe geben. Ich will am Freitag auf dem Parteitag ehrliche Antworten hören.

Stadt-Kurier: Da könnte es irgendeinen Deal geben. Oder aber: Mir hat das Führungs-Duo vor Wochen bei einem gemeinsamen Essen gesagt, dass so ein Wahlkampf auch teuer ist und die FDP einmal gut aussetzen könnte. Was sagen Sie zu diesem Argument?

Beyer: Wir haben eine ähnliche finanzielle Situation wie vor dem Kommunalwahlkampf im vergangenen Jahr. Natürlich können wir nicht mit der Materialschlacht von CDU und SPD mithalten. Wir Jungen Liberalen wollen einen kreativen Wahlkampf, der nicht teuer sein muss. Außerdem hat mir Hermann gesagt, dass er bereit ist, den Großteil der Wahlkampf-Kosten aus eigener Tasche zu zahlen.

Stadt-Kurier: Aus der CDU war zu hören, dass der Dienstvorgesetzte von Herrn Fielenbach im Kreishaus, Landrat Petrauschke, seinen Mitarbeiter motiviert haben soll, die Liberalen zum Wohle des CDU-Kandidaten Thomas Nickel aus dem Wahlkampf zu nehmen. Was sagen Sie dazu?

Beyer: Wenn das Gerücht stimmen sollte, müsste unser Vorsitzende die Konsequenzen ziehen. Mir als Junger Liberaler ist das Wohl der Partei wichtig und nicht das Wohl einzelner Personen.

Stadt-Kurier: Wie geht es am Freitag aus? Die NGZ und der Stadt-Kurier sind ja nicht zum Parteitag im Vogthaus eingeladen. Journalisten werden trotzdem erscheinen, denke ich mal. Und natürlich auch berichten.

Beyer: Diese Hinterzimmer-Mentalität, wo alles geheim entschieden werden soll, finde ich unliberal. Ich hoffe, dass die Freien Demokraten frei über die Kandidatur von Dr. Hermann Josef Verfürth entscheiden werden. Ich hoffe auf eine ehrliche Diskussions-Kultur. Der Mann hat für uns die vergangenen beiden Wahlen maßgeblich beeinflusst und gewonnen, so dass wir gegen alle Trends bei satten acht Prozent in Neuss liegen. Ich freue mich auf den Wahlkampf, der uns Liberale alle zusammenschweißen wird. Dieses Wir-Gefühl ist dringend notwendig. Wir haben ein Ziel in Neuss: Gelebte Demokratie und Freiheit wieder ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Wir bekämpfen Korruption und Vetternwirtschaft. Neuss braucht eine starke FDP!

Das Interview führte Chefredakteur Frank Möll

(Kurier-Verlag)