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DLRG: „Wer im Rhein schwimmt, begibt sich in Lebensgefahr“

DLRG: „Wer im Rhein schwimmt, begibt sich in Lebensgefahr“
FOTO: Violetta Buciak
Neuss. Heiß war es die vergangenen Tage in Neuss. Bei Temperaturen über 30 Grad suchten Viele Abkühlung im Freibad oder am See. Aber auch der Rhein ist bei den Wasserratten beliebt – dabei besteht hier akute Lebensgefahr. Lutz Seebert, Einsatzleiter der DLRG, warnt: "Ich rate dringend davon ab, im Rhein schwimmen zu gehen. Die Strömungen sind viel zu stark." Viele Eltern wissen offenbar immer noch nicht, wie gefährlich der Fluss wirklich ist. Von Violetta Buciak

"Selbst ein gestandener Mann kann von den starken Strömungen des Rheins mitgerissen werden", weiß der erfahrene Einsatzleiter. Vor rund einem Jahr ist ein 20-jähriger Mann in den Fluten verschwunden, als er sich nahe der Düsseldorfer Kirmes abkühlen wollte. Kurze Zeit später wurde eine Leiche gefunden.

Auf Anfrage vom Stadt-Kurier bestätigt Karl-Heinz Biskupek, Dezernent und Leiter des Bürgermeisterbüros, die Tücken des Flusses. "Die größte Gefahr ist die Strömung im Rhein und die Berufsschifffahrt. Durch die Schiffe wird das Wasser vom Ufer weggezogen. Dadurch entsteht eine Unterströmung, die es ab einer bestimmten Entfernung zum Ufer unmöglich macht, sich zu halten", klärt Biskupek auf. "Außerdem kommen noch Temperaturunterschiede dazu, die das Herz aufgrund der starken Abkühlung nach dem Sonnenbad bis zum Kollaps belasten können", fügt der Dezernent hinzu.

Was Viele nicht wissen: Das Schwimmen im Rhein ist in den vergangenen Jahren immer gefährlicher geworden: "Der Rhein ist schneller geworden und weist somit eine stärkere Strömung auf. Dazu kommt, dass heute mehr und größere Schiffe auf dem Rhein unterwegs sind", so Biskupek und er warnt weiter: "Auch die bloße Abkühlung im Rheinwasser ist bereits ein Risiko, weil der normale Schwimmer nicht erkennen kann, wo Strömung vorhanden ist und wenn ja, wie stark und in welche Richtung." Der Leichtsinn vieler Schwimmer macht es für die rund 30 Mitglieder der DLRG Neuss nicht leicht. Immerhin waren es im Sommer 2014 14 Notfälle, zu denen sie anrücken musste. Informiert werden die Ehrenamtler meist über die Feuerwehr – oder aber sie werden selbst auf Ertrinkende aufmerksam. An Wochenenden im Sommer überwachen die Rettungsschwimmer von morgens bis abends das Rheinufer in Uedesheim und haben besonders die andere Rheinseite im Auge. Dort, auf einem Sandstrand, ist es an sonnigen Tagen immer besonders voll. Nicht selten kommt es vor, dass Eltern ihre kleinen Kinder am Ufer spielen lassen.

"Das ist hochgefährlich! Beim Rhein ist es so, dass man an einer Stelle bis zu den Fußknöcheln im Wasser steht, aber einen Schritt weiter bereits mit der Hüfte unter dem Pegel sein kann. Dann ist es ein Leichtes, von der Strömung weggerissen zu werden", so der Einsatzleiter. Die DLRG Neuss warnt darum eindringlich vor den oftmals nicht direkt erkennbaren Gefahren des Rheins und bittet insbesondere Eltern, ihre Kinder hierüber zu informieren. Denn das Baden im Rhein kann tödlich enden! Violetta Buciak

Was tun bei einem Badeunfall?

Karl-Heinz Biskupek empfiehlt: "Bei Beobachtung eines Badeunfalls oder einer Person im Rhein auf keinen Fall ins Wasser springen und versuchen hinterher zu kommen, um die Person zu retten. Das funktioniert in der Regel nicht. Rufen Sie zuerst den Notruf unter der Telefonnummer 112 an und schildern Sie genau, wo das Unglück passiert ist (Rheinkilometertafeln beachten) und um wie viele Personen es sich handelt. Dann kann versucht werden, der Person eine Leine oder etwas schwimmfähiges zuzuwerfen. Aber auf keinen Fall sollten Sie oder andere ins Wasser springen. Wenn möglich, Kontakt zur Person halten oder zumindest Sichtkontakt, so dass Rettungskräfte über den aktuellen Ort des Verunfallten informiert werden können."

Tipps für einen sicheren Aufenthalt am Rhein

Besonders im Sommer zieht es viele Sonnenhungrige an den Rhein. Als Einsatzleiter der DLRG weiß Lutz Seebert, was dabei zu beachten ist. So kann der schöne Sommertag bedenkenlos genossen werden.

Tipp 1: Der Genuss von Alkohol sollte vermieden werden. Gerade bei Hitze belastet er den Kreislauf. Wer dann noch Abkühlung im gefährlichen Rhein sucht, könnte schnell bewusstlos werden und abtreiben. Daher besser auf beides verzichten: Alkoholgenuss und Schwimmen im Rhein.

Tipp 2: Oft muss die DLRG Leute behandeln, die einen Hitzeschlag bekommen haben. Dabei ist er ganz einfach zu vermeiden. Wer einen Sonnentag im Freien verbringt, sollte in jedem Fall eine Kopfbedeckung tragen, dazu sollte unbedingt viel Wasser getrunken werden, mindestens zwei Liter am Tag. Eincremen nicht vergessen und Mittagssonne vermeiden!

Tipp 3: Gehen Sie bitte niemals barfuß am Rhein entlang. Hier liegen oft Glasscherben offen herum. Nicht selten tritt jemand rein und die Hilfskräfte der DLRG müssen sie rausziehen. Mit festem Schuhwerk sind Sie auf der richtigen Seite.