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Dr. Wunsch geht – Haus der Jugend mit neuer Träger-Crew

Dr. Wunsch geht – Haus der Jugend mit neuer Träger-Crew
Dr. Albert Wunsch vor dem Haus der Jugend: Er kümmert sich um die Liquidation des Vereins Offene Tür – dann ist für ihn nach 50 Jahren ehrenamtlichen Engagements Feierabend. FOTO: Foto: Retzlaff
Neuss. Vom Mann der ersten Stunde zum Liquidator: Dr. Albert Wunsch hat nahezu alle Positionen im Verein Offene Tür – dem langjährigen Träger des Hauses der Jugend am Hamtorwall 18 – erfüllt. Jetzt ist Schluss: Nach rund 60 Jahren wurde der Verein aufgelöst. Von Rolf Retzlaff

Diese Woche ging der Auflösungsbeschluss zur weiteren Veranlassung und zur Weiterleitung an das Vereinsgericht. Wunsch kümmert sich noch ein knappes Jahr um die Liquidation. Ein Weg, der den engagierten Mitgliedern nicht leicht fiel, aber letztendlich musste man sich der starken Überalterung im Stammverein beugen. Gemeinsam mit dem ersten Vorsitzenden Oberpfarrer Monsignore Guido Assmann wurde ein neuer Träger gefunden: die Katholische Jugendagentur für den Rhein-Kreis Neuss mit Sitz in Düsseldorf. Vorausgegangen war eine langjährige Kooperation.

Jetzt soll die erfolgreiche Arbeit im Haus der Jugend fortgeführt werden. "Die Jugendlichen werden vom Wechsel nichts merken", verspricht Wunsch, "aber für mich persönlich ist diese Situation schon recht eigenartig, wird doch so meine offizielle Tätigkeit als Hauptverantwortlicher innerhalb des Vereins für das Haus der Jugend nach rund 50 Jahren – beginnend mit der Planungs-, Bau- und Konzeptentwicklungs-Phase – beendet." Bereits vor circa 60 Jahren wurde der Verein Offene Tür auf Initiative aus der katholischen Kirche heraus mit dem Ziel gegründet, am Hamtorwall eine Jugendfreizeiteinrichtung entstehen zu lassen.

Es folgten Jahre, in denen Antrag um Antrag gestellt wurde. 1968 trat Wunsch – damals noch Mitarbeiter im Katholischen Jugendamt des Rhein-Kreises – dem Verein bei. Im Sommer 1969 kam endlich die Baugenehmigung. Wunsch begleitete den Architekten, gab Anregungen beim Bau und beim Möbelkauf, entwickelte das Haus-Konzept, kümmerte sich um Personal, Technik und Finanzen – ein Allrounder, der den Grundstein für die Erfolgsgeschichte am Hamtorwall legte. Im dreigeschossigen Bau war zeitweise die Caritas-Ausländerberatung und -Sozialstation beheimatet. Im zweiten Stock etablierte sich das Projekt "Die Etage": Unter der Federführung von Holger Lehnhoff gibt es auch heute noch Mitmach-Ausstellungen für Schulklassen sowie Sozial- und Konflikttraining für Schüler, finanziert aus einem eigenen Etat.

Apropos: Die Ausgaben für den Betrieb des Hauses der Jugend liegen mittlerweile bei jährlich rund 270.000 Euro. Zur Betriebskosten-Finanzierung gibt es aktuell 67.000 Euro Landesmittel sowie rund 101.000 Euro von der Stadt, die sich zusätzlich mit 10.000 Euro an der Instandhaltung beteiligt. Für das Projekt Inklusion gibt die Stadt circa 31.000 Euro dazu, die Aktion Mensch beteiligte sich bisher mit fast 100.000 Euro.

Man merkt: Dr. Wunsch hat mit seiner engagierten haupt- und ehrenamtlichen Truppe eine Einrichtung geschaffen, die wichtig für Neuss ist. Jetzt kann der "Kapitän" das bautechnisch etwas in die Jahre gekommene Schiff mit ruhigem Gewissen verlassen: "Die neue Träger-Crew wird es nicht nur auf Kurs halten, sondern sicher auch neue Impulse in die pädagogische Arbeit einbringen", blickt Wunsch optimistisch in die Zukunft.

 

(Kurier-Verlag)