Dreist: Trickbetrüger geben sich als Spendensammler für Martinsfest aus

Rosellerheide-Neuenbaum · Die Schützen in Rosellerheide Neuenbaum sind sauer: Die Vorbereitungen für das Martinsfest laufen auf Hochtouren, seit dem 10. Oktober sind die Spendensammler unterwegs, um die finanziellen Mittel aufzutreiben.

Diese Idee haben nun scheinbar Trickbetrüger für sich entdeckt – und ziehen jedem, der nicht aufpasst, das Geld aus der Tasche...

Am vergangenen Donnerstag klingelte laufend das Telefon von Jens Kronenberg, 2. Brudermeister der Schützenbruderschaft St. Peter und Paul, der im Martinskomitee des Ortes sitzt. „Die Anwohner aus dem Neubaugebiet Hans-Peter-Keller-Straße haben mich darüber informiert, dass zwei Männer mit osteuropäischem Erscheinungsbild bei ihnen aufgetaucht seien. Einer von ihnen soll eine Mappe dabei gehabt haben und beide gaben vor, Spenden für das Martinsfest im Ort zu sammeln“, erzählt Kronenberg. „Das stimmt aber nicht! Die Spendensammler, die tatsächlich aus dem Verein kommen, haben immer einen Ausweis mit dem Logo der Bruderschaft dabei, damit die Anwohner auch wissen, dass ihr Geld wirklich ankommt.“ Auch Heinz-Josef Kronenberg, der 50 Jahre lang jeden November ins Martinskostüm schlüpfte und im vergangenen Jahr seinen Ausstand feierte, zeigt sich erzürnt: „50 Jahre lang war ich der St. Martin im Ort, seit 56 Jahren sammle ich Spenden für das Fest. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Gut, dass die Sammlergruppen größtenteils bestehen bleiben und die Anwohner uns kennen.“ Zum Glück ist niemand den Trickbetrügern auf den Leim gegangen und sie konnten in Rosellerheide-Neuenbaum nichts erbeuten. „Das war ganz schön geschickt überlegt“, meint Johannes Meuter, Schützenkönig des Stadtteils und Spendensammler seit fünf Jahren. „Im Neubaugebiet, in dem die Betrüger unterwegs waren, wohnen viele Neubürger, die uns noch nicht so gut kennen. Das hätte auch anders ausgehen können.“ Kronenberg hat schnell reagiert und die Angelegenheit auf der Homepage der Bruderschaft, www.pitterunpaul.de, und auf ihrer Facebook-Seite publik gemacht. Auch die benachbarten Vereine hat der 35-Jährige informiert, damit die dreisten Betrüger dort keinen Erfolg haben. Trotzdem: Eine Straftat haben die Beiden nicht begangen. Ein Sprecher der Polizei rät: „Das Sammelgesetz von früher, das eine Genehmigungsprozedur durch die Ordnungsämter erzwang, gibt es nicht mehr. Wenn tatsächlich ,falsche Spendensammler’ unterwegs sind, machen sie sich nicht strafbar. Der beste Schutz ist es, sich den Ausweis zeigen zu lassen, den Sammler normalerweise dabei haben. Im Zweifelsfall: Einfach nicht spenden.“

Die Diskussion um ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ im vergangenen Jahr, die Sorge um die Polizeibegleitung bei den Zügen und nun auch Trickbetrüger – bleibt zu hoffen, dass das Martinsfest bald wieder ohne Sorgenfältchen begangen werden kann.

(Kurier-Verlag)
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