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Märtyrer, Heiliger, Stadtpatron
Ein geschichtlicher Ausflug in Quirins Leben

Ein geschichtlicher Ausflug in Quirins Leben
25 Messdiener, vier erwachsene Begleiter und Pfarrer Christoph Baumgarten aus Dresden besuchten gemeinsam mit Oberpfarrer Msgr. Guido Assmann das Quirinus-Münster. FOTO: Hanna Loll
Neuss. Neuss ist eine uralte Stadt. Wer danach Ausschau hält, findet an allen Ecken und Enden lebendige Geschichte – seien es die Fundamente eines römischen Kellers am Romaneum, der Pavillon "Fossa Sanguinis" am Gepaplatz oder die historischen Stadttore. Am offensichtlichsten ist natürlich das Neusser Denkmal: das über 800 Jahre alte Quirinus-Münster, in dem die Gebeine des Heiligen Quirin in ihrem Schrein ruhen. Von Hanna Loll

Doch stimmt das wirklich? Im vergangenen Sommer war eine Diskussion um die Echtheit der Reliquien entbrannt, nachdem SPD-Chef Benno Jakubassa Zweifel geäußert hatte. Experten und Kenner der Neusser Stadtgeschichte protestierten öffentlich (der Stadt-Kurier berichtete). "Ich kann das natürlich nicht beweisen, aber es deutet doch vieles darauf hin, dass die seit Jahrhunderten verehrten und von vielen Pilgerern besuchten Gebeine im Schrein tatsächlich vom Heiligen Quirin stammen", erklärt Oberpfarrer Monsignore Guido Assmann 25 Kindern und Jugendlichen aus Dresden. Die Messdiener der katholischen Pfarrei St. Petrus in Dresden-Strehlen waren in der vergangenen Woche gemeinsam mit Pfarrer Christoph Baumgarten zu Besuch in Neuss. "Mit Pfarrer Baumgarten bin ich schon seit 1984 befreundet. In der DDR gab es sehr wenige Christen. Die Theologiestudenten aus Erfurt sollten alle einen Studienpartner im Westen haben – so haben wir uns kennengelernt und aus unserer Partnerschaft wuchs eine Freundschaft", erzählt Msgr. Assmann. 

Der berühmte Quirinusschrein in der Basilika. FOTO: Hanna Loll

Beeindruckt zeigten sich die Messdiener bereits beim Betreten der imposanten Basilika, doch was sie richtig ins Staunen versetzte, war die Geschichte von St. Quirin. "Quirinus lebte im 2. Jahrhundert nach Christi Geburt als römischer Legionär und Gefängniswärter", beschreibt Assmann das Leben des Märtyrers. "Zu seinen Lebzeiten wurden die Christen verfolgt, denn der damalige Kaiser Hadrian wollte von seinen Untertanen als Gott angebetet werden. Das taten die Christen nicht, denn für sie konnte es nur einen Gott geben – den allmächtigen Vater, seinen eingeborenen Sohn und den Heiligen Geist. Als Römer glaubte Quirinus nicht an den christlichen Gott. Als jedoch kein Arzt seine Tochter Balbina heilen konnte, die krank war, dachte er nach. Zur gleichen Zeit, als Quirinus als Gefängniswärter arbeitete, saß dort in einer Zelle der Heilige Alexander. Dieser bot an, den Legionär und seine Tochter zu taufen und für sie zu beten. Balbina wurde wie durch ein Wunder gesund, doch sein Konvertieren zum katholischen Glauben kostete Quirinus im Jahr 115 nach Christus den Kopf – er wurde zum Märtyrer, weil er sich zu seinem Glauben bekannte und zu ihm stand", weiß der Oberpfarrer. 

Diese Knochen liegen im Reliquienschrein. Sind es wirklich die von St. Quirin? FOTO: Rolf Lüpertz

"Beigesetzt wurde er in den Praetextatus-Katakomben an der Via Appia in Rom. Fast 1.000 Jahre später beschloss Gepa, Äbtissin im Kanonissenstift zu Neuss, nach Rom zu reisen und ihren Bruder, Papst Leo IX., um Reliquien für die Neusser Kirche zu bitten. Um 1050 übergab er ihr die Gebeine des Heiligen Quirinus, die sie mit nach Neuss brachte. Zur Aufbewahrung der Reliquien wurde schließlich dieses Münster gebaut", berichtet der Monsignore. 

Auch den Reliquienschrein durften sich die Messdiener aus der Nähe anschauen und kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, als sie die reichlichen Verzierungen und verschiedenen Abbilder von Heiligen begutachteten.

FOTO: Hanna Loll

Ob die Gebeine im Schrein tatsächlich die des Heiligen Quirin sind, lässt sich nicht beweisen – das gibt auch Msgr. Assmann zu. Fest steht, dass die Reliquien von einem Menschen stammen und auch ihr Alter zu der Legende passt. Wer das Münster betritt und sich den kostbaren Reliquienschrein ansieht, kann eines nicht leugnen: Er strahlt Ehrfurcht aus. 
"Ich möchte nicht wissen, wem die Stadtväter da bei der Quirinusprozession hinterherpilgern", meinte SPD-Chef Jakubassa im Juli. Wir finden: Ein bisschen Glauben gehört zum Glauben dazu.