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Kommt die Sperrung der Brücke an der Morgensternsheide?
Ein Schlagbaum vor der Brücke? Bürger kämpfen gegen Sperrung

Ein Schlagbaum vor der Brücke? Bürger kämpfen gegen Sperrung
Die Bürger wehren sich gegen die Sperrung der Brücke, die Morgensternsheide und Holzbüttgen verbindet. FOTO: Hanna Loll
Neuss/Kaarst. Für die Nordstädter und die Kaarster derzeit ein umstrittenes Thema: die geplante Sperrung der Brücke über die Autobahn A57, die die Morgensternsheide und Holzbüttgen miteinander verbindet. Einige Informations- und Diskussionsabende später wird klar: Die meisten Anwohner halten nichts von der Idee. Auch die Kaarster Politik hat sich eingeschaltet. Von Hanna Loll

Erst vor wenigen Jahren wurde die Brücke am Holzbüttgener Weg für teures Geld gebaut. Mit Blick auf die im Spätsommer/Herbst bevorstehende Eröffnung von IKEA hat die Stadt Neuss zunächst eine wochenlange Sperrung vorgesehen, um etwaige Schleichverkehre durch die Morgensternsheide zum Möbelhaus zu verhindern. "Wenngleich die probeweise Sperrung der Brücke auch mit Problemen verbunden ist, hat man sich im Neusser Rathaus aufgrund der befürchteten großen Lärm- und Abgasbelastung der Bewohner der Morgensternsheide im Falle der Offenlassung des Holzbüttgener Weges zu dieser Maßnahme entschlossen", hieß es im November in einer Pressemeldung der Stadt (wir berichteten: http://www.stadt-kurier.de/neuss/bruecke-nach-kaarst-soll-probeweise-gesperrt-werden-aid-1.6400441).

Das Problem: Auch auf der Kaarster Seite der Brücke gibt es noch ein Stückchen bewohntes Neusser Stadtgebiet. Alle Bürger in diesem Abschnitt äußerten sich bereits gegen die Schließung der Brücke. Eine Anwohnerin: "Das kann die Stadt nicht machen, damit würde sie ihre eigenen Bürger von der Stadt abschneiden! Ich hoffe, dass aus dem Vorschlag nichts wird." Das Hauptargument der Bürger, die für die Sperrung sind, ist die ohnehin schon angespannte Verkehrslage auf der engen Geulenstraße. 

Dennoch ergaben verschiedene Diskussionsrunden, zu denen die Stadt Neuss, die Kaarster Bürgermeisterin Dr. Ulrike Nienhaus und der Neusser CDU-Landtagskandidat Dr. Jörg Geerlings eingeladen hatten, dass die Mehrheit gegen die Sperrung ist. Geerlings: "Der Wille der Anwohner muss Vorrang haben. Wenn der Wille, wie es aussieht, mit großer Mehrheit für ein Offenhalten der Brücke ist, muss das auch umgesetzt werden. Die Verwaltung hat diesen Willen leider erst gar nicht beachtet und ist mit ihrem Vorgehen vor die Wand gefahren." Die Neusser Stadtverwaltung ruderte bereits etwas zurück, schlägt zum Beispiel vor, eine Schranke zu errichten, die von den Anwohnern geöffnet werden könne. "Diese Möglichkeit halte ich für nicht praktikabel," meint Geerlings. Schließlich müssten alle Betroffenen entweder eine Fernbedienung oder einen Schlüssel bekommen, um die Schranke öffnen zu können. Ebenso steht es für Polizei, Krankenwagen und Feuerwehr – auch die Rettungskräfte würden zunächst an der Schranke aufgehalten werden. 

Auch die Kaarster CDU sieht die Brückensperrung kritisch, hat jetzt einen Antrag für die kommende Ratssitzung gestellt, durch den sich der Kaarster Stadtrat gegen eine Sperrung der Brücke aussprechen soll. Ziel sei es, dass die Stadt Neuss ihre bisherige Haltung überdenke und gegebenenfalls im Austausch mit der Kaarster Verwaltung eine anderweitige Lösung finde, die möglichst allen Interessen gerecht werde. "Eine Sperrung der Brücke bedeutet hohe wirtschaftliche Einbußen für den dort ansässigen Mittelstand. Gerade auch für unsere Kaarster Landwirte würde eine Sperrung einen enormen Mehraufwand bedeuten, da diese ihre Felder mit ihren schweren Geräten zum Teil nur noch über die Neusser Furth erreichen würden", erklärt der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Sven Ladeck.

Auch CDU-Chef Lars Christoph ist sicher: "Die Brücke, die erst vor wenigen Jahren für einen Millionenbetrag errichtet wurde, ist eine wichtige Verkehrsverbindung zwischen Kaarster und Neusser Stadtgebiet. Sie ist nicht nur für viele kleinere und mittelständische Betriebe von großer Bedeutung, sondern kann im Einzelfall auch als Rettungsweg zum Johanna-Etienne-Krankenhaus dienen. Eine Sperrung kann keine Option sein." Besonders bringt Ladeck allerdings noch etwas anderes auf: "Was mich persönlich sehr ärgert ist, dass der Neusser Bürgermeister Breuer dies in Zeiten tut, wo ständig von interkommunaler Zusammenarbeit gesprochen wird und er hierbei leider keinerlei Rücksicht auf Kaarster Interessen nimmt oder gar selbst einmal den Rat der Stadt Kaarst in einem Schreiben um eine Einschätzung oder eine politische Willensbildung bittet."

Ob und wie die Sperrung der Brücke realisiert wird, ist noch unklar. Am 31. Mai tagt der Neusser Planungsausschuss und wird darüber beraten.