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Eine Satire vom Ehrenmajor zum Abschied von Herbert Napp

Eine Satire vom Ehrenmajor zum Abschied von Herbert Napp
Autor Achim Tilmes schrieb seinen Abschiedsgruß mit äußerst spitzer Feder. FOTO: Foto: Thomas Broich
Neuss. Zur Bürgermeisterwahl und zum Abschied von Herbert Napp aus der Verwaltungsspitze haben sich viele Gedanken gemacht und diese auch geäußert. Unter ihnen ist auch der Neusser Ehrengrenadiermajor und gefeierte Mundartautor Achim Tilmes. Er hat die Satire "Einer wusste es besser" zu Papier gebracht und sie Herbert Napp gewidmet, auch wenn er ihn in dieser Geschichte nicht explizit nennt: Von Thomas Broich

 

Es war einmal ein r(h)eines Städtchen, das entwickelte sich jenseits des Ganges und wurde immer schmutziger. Seinem Herrscher war irgendwas in den Kopf gestiegen und er wurde innerhalb von 17 Jahren zum alleinherrschenden despotischen Maharadscha. Vielleicht hatte er ja was Schlechtes geraucht oder seine Getränke waren zu reichlich Alt geworden.
Um sich herum duldete er nur Gehorsame. Seine Augen glänzten, wenn er Dollar, Euro oder Franken sah. Diese fand er am besten bei einem Verein zum Bauen und Werken mit Energie und großen Fahrzeugen eingesetzt. Dort brachte er Raja (Fürsten) unter, die nach seiner Pfeife tanzten. Wer nicht spurte, wurde mit Liebes-, Job- und Ressourcenentzug bestraft. So pflegte er seine eigene Kultur.
Doch die Tage seiner Herrschaft gingen zur Neige. Fremde Götter hatte er nie neben sich gelten lassen; jedenfalls nicht in der eigenen Kaste, die er gerne mit Füßen trat. Eine durchaus denkbare Nachfolgerin war schnell aus dem Rennen. Man rätselt, ob ihr jemand vor einer entscheidenden Rede etwas in den Tee getan hat.
So setzte man die Hoffnungen auf einen weißhaarigen Stammeshäuptling mit Pösjeserfahrung, der gegen einen smarten Jüngling der roten Kaste antreten musste. Der Junge schlug den Älteren, was der Maharadscha mit Häme kommentierte: Das sei der falsche Kandidat gewesen. Wie bitte? Wo war denn der richtige? Schlauberger!
Ob er sich für den Richtigen hielt? Die Packung wäre wohl noch heftiger ausgefallen. Möge er sich tief in einen schwarzen Wald zurück ziehen und am besten seine unselige Straßenbahn mitnehmen, die eine positive Entwicklung der Innenstadt vereitelt.

Achim Tilmes

(Kurier-Verlag)