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Eltern schlagen Alarm: Viel zu wenige OGS-Plätze in Neuss

Eltern schlagen Alarm: Viel zu wenige OGS-Plätze in Neuss
Diese Eltern haben keine schriftlichen Zusagen für einen OGS-Platz bekommen und sind damit nicht alleine. Insgesamt 350 Paare müssen schauen, wie es weitergeht. FOTO: Foto: Violetta Buciak
Neuss. Die Diskussion um die Staffelung der OGS-Beiträge ist gerade abgeschlossen, da kündigt sich der nächste Streitpunkt an. Denn viele Eltern bekommen ihren beantragten OGS-Platz erst gar nicht und wissen nicht, wie sie Job und Familie in Zukunft stemmen sollen. Von Violetta Buciak

"Es geht hier um Existenzen", mahnt Sebastian Wolf, selbst betroffener Vater. Er und seine Frau sind beide in Vollzeit berufstätig, haben zwei Kinder. Für die fünfjährige Elin gibt es bis heute keine Zusage für einen OGS-Platz.

"In der Schulverwaltung machte man mir auch keine Hoffnung. Als ich meinen Platz auf der Warteliste wissen wollte, riet man mir dazu, besser nicht danach zu fragen", so die betroffene Mutter Mayada Chehab. Dabei hatte sie eigentlich geplant, sich in ihrem Beruf weiterzuentwickeln, neue Aufgaben zu übernehmen. Nun weiß sie nicht weiter, denn planen könne sie nicht und Tagesmütter seien nicht nur teuer, sondern auch rar. Und selbst mit einer Halbtagesstelle kommen junge Eltern wie im Fall der Leoschule in der Nordstadt in Schwierigkeiten. Denn hier müssen die Kids ohne OGS-Platz bereits um 11.30 Uhr abgeholt werden. Das sei mit der Anfahrt vom Arbeitsplatz aus nicht zu stemmen. "Und wir haben doch noch das Haus, das abgezahlt werden muss", so die zweifache Mutter.

Wie Familie Wolf/Chehab geht es vielen Paaren und Alleinerziehenden in Neuss. Denise Göpfert beispielsweise ist zweifache Mutter und leidet unter Multipler Sklerose. Auch sie hat bisher keine schriftliche Zusage für einen OGS-Platz. "Man sagte mir, dass man angenommen habe, ich könnte mich doch zuhause um die Kinder kümmern, da ich eh im Rollstuhl sitze. Dass ich aber unter plötzlichen Anfällen leide und dann nicht in der Lage bin, die Kinder zu betreuen, war den Verantwortlichen dabei offensichtlich nicht klar", so die 37-Jährige. "Und dass mein Mann aufgrund des fehlenden OGS-Platzes seinen langjährigen Vollzeitjob kündigt, ist nicht hinnehmbar", meint Göpfert.

Tatsächlich fehlen in Neuss aktuell 350 OGS-Plätze, im vergangenen Schuljahr waren es zum Stichtag am 15. Oktober 214 fehlende Plätze. Weil die vielen betroffenen Eltern sich nicht anders zu helfen wissen, bildeten sie jetzt eine Initiative, um Stadt und Politik wachzurütteln.

"Wir fühlen uns im Stich gelassen. In Kaarst funktioniert es doch auch, dort hat jedes Kind Anspruch auf einen OGS-Platz, warum nicht hier?", klagt Monika Claßen-Brinkmann, ebenfalls Mutter von zwei Kindern ohne OGS-Platz. Bürgermeister Reiner Breuer erklärt: "An fast allen Schulen sind die räumlichen Kapazitäten für additive Ganztagsangebote erschöpft; außerdem fällt es den Trägern zunehmend schwer, geeignetes Fachpersonal zu finden; ein Ausbau ist eine Frage der finanziellen, der räumlichen und personellen Kapazitäten", so Breuer. Hinzu käme für Neuss ein Ratsbeschluss von 2011, der die Zahl der OGS-Plätze auf 3.150 begrenzt, ergänzt um die steigenden Bedarfe durch die Neuerrichtung der Grundschule Allerheiligen und den Ausbau der Görresschule. Dennoch prüft die Verwaltung, ob kurzfristig noch zusätzliche OGS-Plätze eingerichtet werden können, um gegebenenfalls auch bei Härtefällen zu unterstützen.

Wer ebenfalls betroffen ist, meldet sich bitte per E-Mail an ogsplatzfuermeinkind@gmx.de

(Kurier-Verlag)