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Eltern sind verzweifelt: Keine Chance auf einen Ü-3-Platz

Eltern sind verzweifelt: Keine Chance auf einen Ü-3-Platz
Haben mit Glück einen Kita-Platz bekommen: Die jungen Eltern Marcel und Sandra Veiser mit Sohn Maximilian ( ein Jahr alt) und Baby Maurice (drei Monate). FOTO: Foto: Violetta Buciak
Neuss. Die jungen Eltern Sandra und Marcel Veiser sind gefrustet: Sohn Maximilian soll im Sommer in die Kita kommen – im zarten Alter von zwei Jahren. Dabei war geplant, dass sich seine Mutter drei Jahre um ihn kümmern wird– so lange, wie sie Elternzeit beantragt hatte. Eine Rechnung, die nicht aufgeht, denn gerade Ü-3-Plätze scheinen in Neuss rar zu sein. Und so sind viele Eltern gezwungen, ihre Kinder früher als gewünscht in die Kita zu geben. "Pervers", findet Ratsherr Thomas Kaumanns (CDU). Von Violetta Buciak

Das Ehepaar Veiser hat sich früh um die Betreuung von Maximilian gekümmert. Ihr erstes Kind haben sie bereits drei Monate nach der Geburt für ihre Wunschkita angemeldet. Vater und Mutter sind in Uedesheim aufgewachsen, in die selbe katholische Kita gegangen, in die nun auch Sohnemann Maximilian gehen sollte. Um hier einen Platz zu ergattern, brauchten die Eltern jedoch Geduld, starke Nerven und eine große Portion Glück. Nur weil ein bekanntes Paar abgesprungen ist, konnten sie ihren Sohn anmelden – den Wunsch, sich die ersten drei Jahre selbst um ihr Kind zu kümmern, mussten die beiden ad acta legen.

Ein Problem, das in Insiderkreisen nicht neu ist. Martina Kamp, Kirchenvorstandsvorsitzende der Trägerschaft St. Martinus, beobachtet schon lange, dass sich ein Ungleichgewicht gebildet hat. "Es ist völlig klar, dass Eltern, die ihr Kind Ü-3 anmelden wollen, das Nachsehen haben. Denn Kitas sind angehalten, jährlich eine Mindestanzahl an U-3 Kindern aufzunehmen, damit die Fördermittel nicht gestrichen werden. Und diese Kinder bleiben dann in der Regel in der Kita bis sie schulpflichtig sind, das heißt im Umkehrschluss, dass die Ü-3-Plätze damit schon im Vorfeld belegt sind", so die Fachfrau. Damit nicht genug: Auch an gewisse Stundenkontingente müssen sich Eltern anpassen. 25-Stunden-Plätze gibt es kaum noch in Neuss, stattdessen müssen kostspieligere 35- oder 45-Stunden-Plätze belegt und bezahlt werden. "Familienfreundlich ist anders", schimpfen viele Eltern.

Bei der Verwaltung ist das Problem offenbar noch nicht angekommen. Bürgermeister Breuer zeigt sich zufrieden: "Zu Ihrer Anfrage bezüglich der Kita-Plätze muss ich sagen, dass wir froh sind, dass es uns auch im nächsten Jahr gelingt, alle Kinder in Neuss, die eine Betreuung benötigen, zu versorgen. Allerdings kann dieser Betreuungsplatz gegebenenfalls auch im Nachbarstadtteil liegen. Es ist leider weiterhin nicht möglich, allen Eltern einen Platz in ihrer Wunsch-Kita zu garantieren."

Susanne Benary-Höck (Grüne), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, will den Beschwerden zumindest nachgehen, Gespräche mit dem Jugendamt führen. "Eltern sollen uns ihre Probleme unbedingt mitteilen", so die Ratsfrau.

Koalitionskollege Thomas Kaumanns findet für diesen Missstand deutliche Worte: "Es sollte unbedingt respektiert werden, wenn Eltern sich länger um ihre Kinder kümmern wollen und ihnen nicht auch noch Steine in den Weg gelegt werden!"

(Kurier-Verlag)