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Familienglück und Vollgas im Landtag: das neue Leben von Dr. Jörg Geerlings

Familienglück und Vollgas im Landtag: das neue Leben von Dr. Jörg Geerlings
Er hat Feuer gefangen: Dr. Jörg Geerlings ist nach seinen ersten Tagen im Landtag motivierter denn je, freut sich auf seine Aufgabe als Vorsitzender im Untersuchungsausschuss. FOTO: Foto: V. Buciak
Neuss. Er hat etwas geschafft, was ihm noch vor zwei Jahren nicht mehr viele zugetraut hatten. Mit der Wiederwahl zum CDU-Vorsitzenden in Neuss und später zum Landtagsabgeordneten legte Dr. Jörg Geerlings ein eindrucksvolles Polit-Comeback hin. Beim Stadt-Kurier-Besuch an seinem neuen Arbeitsplatz präsentierte sich der Neusser motivierter denn je und sprach offen über seine Ziele und sein neues Leben. Von Violetta Buciak

Er hat wieder Feuer gefangen und brennt für seine neuen Aufgaben. Und diese Kraft muss der 44-Jährige auch haben, denn am Wahlwochenende Mitte Mai krempelte sich auf einen Schlag sein ganzes Leben um. Er wurde nicht nur zum Landtagsabgeordneten gewählt, sondern auch zum ersten Mal Vater. "Ein Hammerwochenende – auf alle Fälle das schönste meines Lebens", resümiert Geerlings.

Dass 16-Stunden-Tage nun die Regel sind und "die Nacht zu hat", scheint der Familienvater gut wegzustecken. "Es motiviert mich, wenn ich morgens von meiner Tochter angestrahlt werde. Besser kann der Tag gar nicht starten", weiß Geerlings. So harmonisch sah es für ihn vor 21 Monaten nicht aus. Als Reiner Breuer als erster SPD-Kandidat zum Neusser Bürgermeister gekürt wurde, lag die CDU am Boden. Und dann kriselte es in der eigenen Partei. Der Kampf um den CDU-Vorsitz und einen Platz auf dem Bürgermeister-Karussell wurden in der Öffentlichkeit breit diskutiert.

Ans Aufgeben habe Geerlings auch in dieser schweren Zeit nie gedacht. "Ich blieb immer optimistisch – bei allen Höhen und Tiefen", sagt der Landtagsabgeordnete rückblickend. Es seien Wegbegleiter wie seine Frau Florence oder Fraktionschefin Helga Koenemann gewesen, die ihn immer wieder bestärkten, ihm Selbstbewusstsein gaben. Vor dem Landtagswahlkampf schien sich seine Partei wieder zusammenzuraufen. "Es war Teamwork, ein Wahlkampf, der richtig Spaß gemacht hat", sagt der Neusser. Und gekrönt wurde das Engagement vom Wahlerfolg. Sein neues Büro hat Geerlings kurz nach der Wahl bezogen, hier und da fehle noch der "persönliche Touch", ein paar Pflanzen und Bilder.

Die Stimmung im Landtag sei eine andere als in den Jahren 2010 bis 2012 – bevor ihm Breuer sein Mandat abnahm. Damals schwächelte die CDU unter Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und Hannelore Kraft (SPD) übernahm das Zepter. Jetzt, mit Armin Laschet (CDU) an der Spitze und der Zustimmung der Wähler, sei die Motivation höher denn je. "Wir haben richtig Lust!", sagt Geerlings, der zu Laschet ein gutes Verhältnis pflegt. "Gelegentlich essen wir zusammen. Und er wird uns in Neuss ganz sicher noch einige Male besuchen", erzählt der 44-Jährige.

Geerlings Start in seine alte neue politische Tätigkeit war schon einmal vielversprechend. Am 1. Juni wurde er zum Vorsitzenden des Untersuchungsausschusses gewählt, der sich mit dem Terror-Fall des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Anis Amri beschäftigt. Innere Sicherheit – das war Geerlings Top-Thema im Wahlkampf und soll es auch weiterhin bleiben. "In den Gesprächen mit den Neussern habe ich immer wieder gemerkt, dass es die meisten bewegt", so der Abgeordnete. Mit der schwarz-gelben Koalition will er auf Landesebene viel schaffen. Dennoch betont Geerlings, dass sein Neuss an erster Stelle bleibe, sein Herz für seine Geburtsstadt schlage. Ob er aus diesem Grund als nächstes Ziel die Bürgermeisterkandidatur anstrebt? "Das ist im Moment kein Thema. Zunächst will ich meinen aktuellen Aufgaben im Landtag gerecht werden", gibt sich Geerlings bedeckt.

 

(Kurier-Verlag)