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Familienmord auf der Furth: Haben Fallahs Brüder ihm zur Flucht verholfen?

Familienmord auf der Furth: Haben Fallahs Brüder ihm zur Flucht verholfen?
Fallah Sänger soll immer ein enges Verhältnis zu seiner irakischen Mutter (links) und seinen Brüdern gehabt haben. Die Hinterbliebenen der getöteten Saskia und der beiden Kinder (rechts) vermuten, dass Fallah noch immer Kontakt zu seinen Brüdern hält. Wissen sie, wo er sich aufhält? FOTO: Fotos: Frank Möll/ privat
Neuss. Über zwei Jahre sind vergangen, seit Saskia Sänger (26) und ihre beiden Kinder Ismael (4) und Samara (8) tot in ihrer Wohnung an der Kaarster Straße aufgefunden wurden. Und Familienvater Fallah Sänger, der mutmaßliche Täter, wurde noch immer nicht gefasst. Saskias Angehörigen haben keine Ruhe. Auch die Neusser sind wachsam. Wann immer Hubschrauber zu hören sind, vermuten sie, dass sich der Fall endlich aufklären könnte – unwahrscheinlich, da Fallah im Irak oder der Türkei vermutet wird. Währenddessen ermitteln Saskias Hinterbliebene selbst in alle Richtungen und kämpfen so lange, bis der heute 37-Jährige gefasst wird. Im Visier: seine Brüder. Die Angehörigen vermuten, dass sie Fallah zur Flucht verholfen haben. Von Violetta Buciak

Gegen 15 Uhr, kurz nach der Tat, steuerte Fallah Sänger in Begleitung seines Bruders mit einem Taxi ein Reisebüro an der Neusser Josefstraße an. Von dort aus fuhr er mit dem Bruder und dessen Frau gegen 15.30 Uhr mit einem weiteren Taxi zum Düsseldorfer Flughafen.

Fakten, von denen die Polizei bereits kurz nach der Tat wusste. Das bestätigte auch Staatsanwalt Christoph Kumpa. Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung des Bruders gebe es jedoch nicht. Der Staatsanwalt wies darauf hin, dass der Bruder juristisch nicht wegen Fluchthilfe belangt werden könne. Er und seine Frau wurden mehrfach von der Polizei vernommen, waren selbst fertig mit der Welt. Für die Hinterbliebenen von Saskia und den beiden Kindern kein Trost. Sie vermuten, dass Fallahs Verwandte mehr wissen, möglicherweise in Kontakt zu ihm stehen. „Seine Brüder blocken jeglichen Kontakt zu uns, raten uns die Sache ruhen zu lassen, aber das können wir nicht“, so Robert Langer, Neffe der getöteten Saskia Sänger. Er hat die Akten zum Fall genau studiert, steht in engem Kontakt zu Staatsanwalt Kumpa. Auch Saskias beste Freundin, Nathalie Delise, ist Fallah auf den Fersen, hat mehrfach im Hotel Plaza in Kirkuk angerufen, weil anonyme Informanten berichteten, ihn dort gesehen zu haben. Doch am Telefon wimmelte das Personal sie mehrfach ab, einmal habe Delise die Stimme des mutmaßlichen Täters vernehmen können. Inzwischen soll Fallah wieder in die Türkei geflüchtet sein.

„Das wäre das naheliegendste. Dort kennt Fallah sich aus, hat er doch jahrelang in einer Istanbuler Dönerbude gearbeitet. Ich denke, diese Information ist zu 90 Prozent richtig“, berichtet Großvater Kurt Langer. Dafür sprächen gleich mehrere Gründe. „Istanbul ist eine riesige Stadt. Bei rund 14 Millionen Einwohnern kann man hier gut untertauchen, Fallah spricht fließend türkisch und war dort gut integriert“, so der Großvater. Sollte sich der mutmaßliche Täter tatsächlich in der Türkei aufhalten, stünden die Chancen besser denn je, ihn dort zu fassen. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl vor. Dann hoffen die Angehörigen auf eine gerechte Strafe.

(Kurier-Verlag)