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Gänseplage: Eier werden nicht mehr unfruchtbar gemacht

Gänseplage: Eier werden nicht mehr unfruchtbar gemacht
Die Schneegänse sind aus Nordamerika und Sibirien wieder zurückgekehrt ans Jröne Meerke. FOTO: Fotos (2): Rolf Retzlaff
Nordstadt. Jetzt droht dem Jröne Meerke das Aus als Naherholungsgebiet: Nach einer Änderung des Landesjagdgesetzes im vergangenen Jahr dürfen die Gänseeier nicht mehr unfruchtbar gemacht werden. "Damit ist die Arbeit der letzten Jahre für die Katz'", sagt Gänseexperte Dr. Johan Mooij, Leiter der Biologischen Station Kreis Wesel. Von Rolf Retzlaff

Rund 60 Schneegänse sind in diesen Tagen von ihrer "Wintertour" wieder in die Neusser Nordstadt zurück gekehrt. In den vergangenen Jahren hat die Stadtverwaltung die Eier der Tiere unfruchtbar gemacht, um deren Zahl nach und nach zu reduzieren. Das geht jetzt nicht mehr – Schneegänse stehen unter Artenschutz. Jetzt können sie ungehindert am Jröne Meerke brüten. "Ein Brutpaar hat vier bis fünf Junge, manchmal auch mehr, und in den vergangenen Jahren gab es bis zu 15 Brutpaare", rechnet Mooij vor, dass das Jröne Meerke demnächst von Hunderten Schneegänsen bevölkert werden könne.

Er sieht nur einen Ausweg: "Man müsste versuchen, bei der Landesbehörde eine Gefährdung für das Gemeinwohl darzulegen, schließlich ist die Erholungsfunktion für die Bürger bald kaum noch gegeben." Mooij wisse zwar, dass einige Leute die einzige brütende Schneeganspopulation in Europa gerne als Attraktion sehen würden, er aber sieht diese in Sibirien und Nordamerika beheimateten Tiere im Neusser Norden als völlig fehl am Platze: "Wenn demnächst ein Zirkus sich zur Ruhe setzt und Elefanten am Jröne Meerke frei lässt, müssen die dann auch dort geschützt leben dürfen?"

"Jetzt muss die Stadt das Fütterungsverbot rigoros durchsetzen, um den Tieren die Nahrungsquelle zu entziehen", fordert Michael Klinkicht, Grünen-Chef und Vorsitzender des Umweltausschusses, den vermehrten Einsatz von "Grünkäppis". Es müsse über ein Bußgeld bei Nichtbeachten des Fütterungsverbots nachgedacht werden. Auch Bürgermeister Reiner Breuer sieht das unerlaubte Füttern der Tiere als "einen entscheidenden Faktor für die teilweise übermäßige Größe der Wasservögelpopulationen an den Neusser Gewässern. Eine zentrale Maßnahme wird sein, das Fütterungsverbot am Jröne Meerke wie auch an anderen Teichanlagen in Neuss konsequent durchzusetzen. "

Ansonsten bleiben der Stadt die begleitenden Maßnahmen, die eigentlich schon zu einer Verbesserung der Situation am Jröne Meerke geführt hatten, jetzt aber aufgrund der Gefahr der steigenden Schneegans-Population wie ein "Hinterherräumen" anmuten: von der regelmäßigen Reinigung der Rasenflächen durch ein Spezialgerät und der Abzäunung von Teilflächen bis zum Einsatz der Ultraschallanlage im Gewässer oder der gezielten Bereitstellung von Ausweichflächen für die Tiere. Nur eins kann die Stadt vorerst nicht verhindern: Die Schneeganspopulation wird stetig wachsen.

(Kurier-Verlag)