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CDU Neuss im oder vor dem Abgrund?
Jörg Geerlings hat es allein in der Hand, wie es in seiner Partei weitergeht

Geerlings. CDU Neuss im oder vor dem Abgrund?
Dr. Jörg Geerlings könnte in fünf Jahren mit einer neuen, jungen Stadtratsfraktion das Ruder herumreißen und eine frischere CDU führen. Doch derzeit macht die alte Partei so weiter wie vorher: Als hätte es die schlimmen Wahlschlappen nie gegeben. FOTO: Fotos: Frank Möll
Neuss. Viele waren gegen ihn. Die mächtigen Werhahns. Der mächtige Hüsch. Minister Hermann Gröhe. Die Frauenunion. Er hat sie alle niedergerungen und zweimal grandios gesiegt. Jörg Geerlings könnte allerdings für lange Zeit "der letzte (schwarze) Kaiser" sein. Von Frank Möll

Die CDU hat ihren Parteivorsitzenden Dr. Jörg Geerlings für die kommende Landtagswahl aufgestellt. Er setzte sich klar gegen Sebastian Ley mit 228 zu 94 Stimmen durch. Zuvor hatte er seinen Herausforderer für den Parteivorsitz, Michael Werhahn besiegt. Doch kann Geerlings auch bei der Masse der Neusser Wähler gewinnen? Bislang macht die CDU den Eindruck, als hätte sie die vergangenen drei Wahlen nicht krachend verloren. Sie macht einfach "weiter so".

SPD-Landtagskandidat Arno Jansen setzt sich hingegen für die Menschen ein. Für Kinder, alleinerziehende Mütter. Er hört zu, wenn es um die wahren Probleme der einfachen Bürger geht, während Geerlings gerne über Verfassungsthemen und Energiewirtschaft philosophiert und uninteressante Experten und Hinterbänkler als Referenten einlädt.

Die von Jörg Geerlings geführte CDU Neuss macht sich bei vielen Familien unbeliebt, weil sie als kinderunfreundliche Partei entlarvt wird. Über 100 Mütter haben auf der Stadt- Kurier- Facebookseite ihr Leid geklagt. Geerlings taucht ab, tut nichts und schickt allenfalls seine jugenpolitische Allzweckwaffe Thomas Kaumanns, der vom Karrikaturisten Küfen als weltfremd verhöhnt wird, vor. Kaumanns fordert hier und da einen Bolzplatz und neue Spielgeräte für die desolaten Kinderspielgeräte in Neuss. In jener angeblich so christlichen Stadt werden 300 Kinder pro Jahr abgetrieben. Der CDU Neuss ist´s egal. Die jungen Menschen werden im Mutterleid getötet, weil es keine Wohnungen gibt. Auch aus wirtschaftlichen Gründen sehen die verzweifelten Mütter, die selbst Opfer einer herzlosen Politik sind, keinen anderen Ausweg mehr. Kinderärzte verschließen ihre Türen. Hebammen haben keine Termine mehr frei. Dafür steht die CDU! Und zwar nicht im, sondern vor dem Abgrund, wenn Geerlings nicht schnell den eigenen Laden wieder auf Vordermann bringt.

Denn die hoffnungslos überalterte CDU verliert mit jeder Todesanzeige in der NGZ ein Mitglied. Neue kommen kaum hinzu, deshalb gibt es mit der wackeren Dagmar Betz jetzt eine Mitgliederbeauftragte im Geerling´schen Parteivorstand und sie alle pfeifen im Walde...

Hat die CDU Neuss seit Jahren den Familien durch hohe Strom- und Gaspreise, hohe Steuern und Gebühren die ein- oder andere Sau vom Hof geklaut, wirft sie nun einige kleine Koteletts über den Zaun, nach denen die ausgehungerten Kinder und deren Eltern gerne schnappen. Viele Kinder in Neuss bekommen kein warmes Mittagessen, Säuglingen wird der Strom abgestellt. "Das ist eine Schande. Ich kenne viele Fälle", bestätigt Sebastian Rosen, den viele als Hoffnungsträger sehen.

Doch der kundige Neusser Bürger weiß, dass die CDU noch stärker als bisher gegen Kinder und Familien Politik machen wollte, in dem sie vor gar nicht allzu langer Zeit die ohnehin schon unfassbar teuren Kindergartenbeiträge anheben wollte. Nur durch die im Stadt-Kurier veröffentlichte Drohung der damals mitregierenden FDP, die Koalition zu beenden, ist die von alten Herren und Single-Männern dominierte CDU zurückgerudert. Dr. Köppen und Dr. Rohde haben gemeinsam mit Michael Fielenbach und Manfred Bodewig von den Liberalen verhindert, dass Neuss noch kinderunfreundlicher wurde. Die FDP erzielt in Neuss (anders als die CDU) völlig zurecht sehr gute Wahlergebnisse.

"Als Großvater bin ich erschrocken, was wir den Kindern und Eltern in Neuss zumuten", sagt der ehemalige Regierungspräsident Achim Rohde und hat der CDU "Feuer unterm Allerwertesten" gemacht.

Jörg Geerlings will aber für einen grundsätzlichen Politikwechsel in Nordrhein-Westfalen stehen und wirkt vergeistigt und abgehoben. "Die rot-grüne Landesregierung hat unser leistungsfähiges Land in eine Sackgasse geführt. Egal, welche Statistik man sich anschaut, ob beim Wirtschaftswachstum, der Bildungsqualität, bei der Betreuung Unter-Dreijähriger, dem Haushaltsdefizit oder bei der Aufklärung von Straftaten. Überall hat unser Land die rote Laterne und bildet das Schlusslicht."

Geerlings weiter: "Wir brauchen eine verlässliche Innen- und Sicherheitspolitik, eine starke Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik, eine nachhaltige Bildungspolitik sowie eine solide Haushalts- und Finanzpolitik".

So fordert Geerlings zu Verbesserung der Sicherheit seit langem deutlich mehr und besser ausgestattete Polizeikräfte sowie Kameraüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten. In der Wirtschaftspolitik setzt er auf Bürokratieabbau, die Stärkung des Mittelstandes und eine ausreichende Ausweisung von Gewerbeflächen. Sein wichtigstes Ziel ist es, sichere Arbeitsplätze nach Nordrhein-Westfalen zu holen. In der Bildungspolitik setzt Geerlings auf eine möglichst breite Vielfalt der Schulformen und Abschlüsse.

Sehr schön! Doch Mütter wie seine ehemalige enge Parteigefährtin Melanie S. wundern sich, warum es in Neuss so schwer ist, als Mutter zu leben und Waltraud Beyen macht das nächste Fass auf: Neuss ist fahradfahrerunfreundlich. Au backe, CDU!

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(Kurier-Verlag)