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Größte Neusser Facebook-Gruppe stand vor dem Aus: Warum der Hype anhält

Größte Neusser Facebook-Gruppe stand vor dem Aus: Warum der Hype anhält
Markus Kolvenbach und John Azzarini (links) sind die Gesichter der Facebook-Gruppe „Du bist Neusser, wenn...“ Dem Stadt-Kurier verrieten die Admins ihr Erfolgsgeheimnis. FOTO: Foto: V. Buciak
Neuss. 14.000 Mitglieder – keine andere Neusser Facebook-Gruppe hat so viele Mitglieder. Auch nach über vier Jahren hält der Hype um "Du bist Neusser, wenn..." an. Dabei waren die Mitglieder zwischenzeitlich so zerstritten, dass die Plattform fast gelöscht wurde. Von Violetta Buciak

Wer in Neuss lebt und auf Facebook angemeldet ist, kommt um diese Gruppe nicht herum. Es ist eine Mischung aus Nostalgie, Heimatliebe und schönen Bildern, die die Massen in das Netzwerk treibt. Und bei den vielen Usern handelt es sich weder um Fake-Profile noch um Karteileichen, die eigentlich schon längst auf Facebook abgemeldet sind. "Wir legen wert darauf, dass echte Menschen mit Neusser Bezug bei uns sind. Künstlich hoch gepushte Zahlen brauchen wir nicht", sagen die Betreiber.

Kein Wunder, dass es bei so vielen Mitgliedern schon mal Reibungspunkte gibt. Markus Kolvenbach und John Azzarini sind als Administratoren die Chefs der Gruppe, sorgen jeden Tag dafür, dass nichts Falsches gepostet wird – und wenn doch, greifen sie hart durch. "Als wir die Aufgabe vor vier Jahren übernommen haben, mussten wir einige Mitglieder sperren und von der Gruppe ausschließen, um den Frieden wiederherzustellen", erinnert sich Kolvenbach. Ein neues Regelwerk sollte für Ordnung sorgen. Bis heute sind Werbung, Kleinanzeigen, Posts mit politischen Zielen, extremistische Äußerungen sowie Suchen nach verschwundenen Tieren oder Menschen tabu. Das kommt nicht bei jedem gut an. "Als Admin musst Du ein dickes Fell haben. Da gibt es Anfeindungen, man schlüpft auch in die Rolle eines Hobbypsychologen", weiß Kolvenbach.

Dabei machen er und Azzarini den Job neben ihren Hauptberufen, schauen mehrmals täglich auf dem Weg zur Arbeit oder in den Pausen rein, ob es was Neues gibt. Dennoch haben sie den Spaß an der Sache nie verloren. "Es ist einfach toll, dass wir viele gute Fotografen bei uns haben, die die schönen Seiten unserer Stadt hervorheben und dann gibt es die ein oder andere nette Anekdote", erzählt Kolvenbach. Über "Du bist Neusser, wenn..." haben sich alte Liebschaften wiedergefunden, es sind neue Freundschaften entstanden.

Bewegend waren die Schilderungen eines Vaters, der die Fortschritte seiner krebskranken Tochter in der Gruppe offenlegte und am Ende mitteilen musste, dass sie den Kampf gegen die Krankheit nicht gewonnen hat. Für viel Aufruhr sorgte Sturm Ela, der große Teile von Neuss komplett verwüstete. "Wir konnten uns vor Beiträgen kaum retten", so Kolvenbach. Einschneidend waren auch die Diskussionen um die Flüchtlingskrise vor einem Jahr. "Auseinandersetzungen waren nicht möglich. Es gab eben zwei Lager, die sich gegenseitig nicht überzeugen konnten – und dann wurde es schnell beleidigend", erinnert sich der Administrator. Eine harte Zeit, die den Administratoren viel abverlangte und die Gruppe erneut auf den Kopf stellte.

Momentan sei Ruhe eingekehrt, die User halten sich weitgehend an die Regeln. "Genau das war immer unser Ziel. Die Gruppe soll Spaß machen", erklärt Kolvenbach. Das scheint bei "Du bist Neusser, wenn..." zu funktionieren.

 

(Kurier-Verlag)