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+++Allerheiligen und andere Stadtteile wieder im Gespräch+++
Große Herausforderung: Neuss soll 1.000 weitere Flüchtlinge aufnehmen

Große Herausforderung: Neuss soll 1.000 weitere Flüchtlinge aufnehmen
1.000 Flüchtlinge werden erwartet. Sozialdezernent Hörsken bestätigt, dass dezentrale Unterkünfte in den Fokus rücken. FOTO: Foto: Buciak
Neuss. Die Stadt Neuss steht vor einer neuen großen Herausforderung. Bis Ende 2017 sollen rund 1.000 weitere Flüchtlinge dauerhaft aufgenommen werden. Dezentrale Standorte wie Allerheiligen sind wieder im Gespräch. Von Violetta Buciak

Sozialdezernent Ralf Hörsken ist gerade rund vier Monate im Amt, da steht er bereits vor einer großen Aufgabe. Grund für die rapide ansteigende Flüchtlingszahl ist eine neue Regelung des Landes. "Was die Flüchtlingssituation in Neuss betrifft, sehen wir uns in einer ganz neuen Lage. Bisher war es so, dass wir im Vergleich zu anderen Städten weniger Flüchtlinge dauerhaft unterbringen mussten. Das lag daran, dass in Neuss bis zu 2.000 Flüchtlinge in Landesunterkünften, wie an der Stresemannallee, untergekommen waren. Nun wird nur noch die Hälfte der in Landesunterkünften untergebrachten Flüchtlinge auf das Flüchtlingskonto der Stadt angerechnet", erklärt der 57-Jährige.

Der Knackpunkt: Die Menschen, die in Landesunterkünften untergekommen sind, bleiben dort höchstens zwei Monate. Auf Neuss kommen nun 1.000 Flüchtlinge zu, die dauerhaft bleiben – das erfordert aufwändigere Maßnahmen.

"Es ist wichtig, dass die Flüchtlinge nicht geballt in einer Massenunterkunft bleiben, sondern schnellstmöglich dezentral unterkommen. Das gilt ganz besonders für die Kinder. Eine Kita, die nur auf Flüchtlingskinder ausgelegt wäre, gilt es zu vermeiden – das hemmt die Integration", argumentiert Hörsken.

Die 27 dezentralen Standorte sind also wieder im Gespräch. "Wir haben jeden einzelnen auf den Prüfstand gestellt, dabei die Kriterien Schule, Kita und Einkaufsmöglichkeiten eingebracht. Allerheiligen ist wieder im Gespräch", bestätigt der Sozialdezernent. Das dürfte die Bürger aus diesem Stadtteil verunsichern. Dort hatte man noch im Juli eine Bebauung am Standort Am Steinacker vor dem Hintergrund sinkender Zahlen verhindern können. In einem offenen Brief wandte sich jetzt die Allerheiligener Bürgerinitiative an Bürgermeister Reiner Breuer und bittet darin darum, den kompletten Standort Alexianer-Krankenhaus zu erhalten, sodass eine Verteilung auf dezentrale Standorte hinfällig wäre.

Doch auch hierbei würde die neue Regelung greifen: denn bei dem Alexianer-Krankenhaus handelt es sich um eine Landesunterkunft. Stellt sich die Frage, weshalb dann noch die Traglufthalle mit einer Miete von 10.000 Euro monatlich errichtet wurde.

"Sie wurde in einer Zeit bestellt, als wir noch mit rund 200 Neuzuweisungen in der Woche rechnen mussten. Wir hoffen, dass sie höchstens für den Übergang genutzt werden muss und dass die Flüchtlinge dort nur eine kurze Zeit überbrücken müssen", erklärt Hörsken. Ob die Halle zum Einsatz kommt, sei ungewiss. "Wie sich die Flüchtlingszahlen weiter entwickeln, lässt sich aufgrund der ungewissen Ereignisse um Europa und der Türkei nicht vorhersagen. Aber auch wenn es bei den zur Zeit geringen Zahlen bleibt, werden wir durch die neue Anrechnung Ende 2017 mit über 1.000 Menschen, die hier lange bleiben werden, vor großen Herausforderungen stehen." Ein ausführliches Interview mit Sozialdezernent Hörsken gibt es in einer der kommenden Ausgaben.

 

(Kurier-Verlag)