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Große Not: So leben Flüchtlinge in Neuss

Große Not: So leben Flüchtlinge in Neuss
Der Flüchtlings-Ansturm im Alex ist groß. Die Not auch. Unsere Redaktionsmitarbeiterin Mimosa Fetahi hat vor Ort mit Asylbewerbern und Helfern gesprochen. FOTO: Foto (unten): Hanna Loll
Neuss. Notleidende Menschen auf engstem Raum. Manchmal Engpässe bei der Essensausgabe. Kinder frieren, weil sie keine Kleidung haben. Das ist die Realität mitten in Neuss. Ratsherr und Flüchtlings-Koordinator Thomas Kaumanns hat einen Rundgang mit der Leitung im "Alex" gefordert. Der Termin steht. Der Stadt-Kurier macht sich seit Wochen vor Ort ein ungeschminktes Bild. Ohne Termin. Von Mimosa Fetahi

Die Not der Flüchtlinge im "Alex" und in der Zweigstelle an der Aurinstraße sind groß. Das Fernsehen berichtete sogar. Beim Initiator der Flüchtlingshilfe Neuss, Thomas Kaumanns, stehen die Telefone nicht still. Total verdreckte Räume, schlechtes Essen, kaum warme Kleidung. Kaumanns geht den Anschuldigungen nach und trifft sich mit Leiterin Snezana Doroski.

Doch auch in der Neusser Bevölkerung wächst die diffuse Angst vor den "Fremden". Auf den Info-Veranstaltungen der Stadtverwaltung geht es hoch her. Kommen auch IS-Terroristen mit den Flüchtlingen nach Neuss?

"Ich kenne keinen einzigen syrischen Terroristen. Alle Terroristen, die ich in Syrien gesehen habe, kamen aus Europa und aus Amerika. Sie unterhalten sich untereinander auf englisch, weil sie nicht arabisch sprechen können. Wir sind Moslems und leben den richtigen Islam. Bei uns ist es die größte Sünde, einem Menschen das Leben zu nehmen. Ich würde nicht einmal den Mörder meines Bruders umbringen. Wahre Moslems würden niemals Menschen töten, weder in Syrien noch in Deutschland", sagt Abdallah (23) aus Syrien. In Damaskus hat er schlimmste Dinge erlebt, über die er nur schwer sprechen kann. Jetzt hat er andere Probleme: Zu wenig Nahrung, keine warme Kleidung hier in Neuss.

Ursprünglich sollte das Flüchtlingsheim als Auffanglager dienen. Höchstens zwei bis drei Wochen sollten sich die Flüchtlinge hier aufhalten, doch Abdallah lebt bereits seit 40 Tagen hier, sein Freund Amon seit 35. Mehr dazu auf

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(Kurier-Verlag)