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Ich, Thomas Nickel, Neusser Lichtgestalt

Die Neusser haben „ihre CDU“ in den vergangenen zehn Jahren bei fast jeder Wahl hart abgestraft. Bürgermeister-Kandidat Thomas Von Frank Möll

Nickel (68) will vieles anders und das Rathaus und die eiskalte Mammut-Behörde wieder bürgerfreundlicher machen. Die Stadtverwaltung

soll demnächst einen guten, herzlichen „Vater Staat“ im besten Sinne des Wortes abgeben. Pression und destruktive Beamten-Verfügungen sollen einem „hellen und freundlichen Miteinander“ weichen. Thomas Nickel ist zum Hoffnungsträger, zur Lichtgestalt geworden. Lumen Novesiae.

Neuss.

Wir treffen uns im Café Heinemann auf eine gute Tasse Bohnenkaffee aus Kenia. Ohne Latte-Schaum und anderen italienischen Schnickschnack. Schwarz. Schwarz wie Neuss einst war oder vielleicht noch ist. Gut bürgerlich. Die Menschen, meist Rentner, sitzen frustriert an ihren Tischen, stopfen Cremetorten in sich hinein. Zucker und Fett aus guter Butter oder Sahne sind die einzige Freuden, die mancher Gutbürger heute noch hat. Die Tür geht auf, Thomas Nickel eilt herein. Krawatte in den Stadtfarben. Heller Trenchcoat. Das Antlitz des alten Mütterchen hellt auf, viele lassen den Löffel fallen, blicken auf den, der da kommt. Ein Lächeln liegt in der Luft. „Guten Tag, Herr Nickel!“ Guten Tag, Schützenpräsident.“ Nickel nickt knapp, geht zum Stadt-Kurier-Tisch. Er ist einer der wenigen Lokal-Promis in Neuss, die gerne gesehen sind. „Der Thomas wird von allen geduzt. Wo er ist, herrscht Nüsser Kirmes-Freude“, stellt CDU-Parteichef Dr. Jörg Geerlings fest. Er hat ihn auf den Schild gehoben, in dem er selbst Verzicht übte. Eine katholische Tugend, wenn auch nicht rheinisch. Der Präsident soll nun die Union retten und den Bürgermeister-Thron vor den „linken Gesellen“ um Reiner Breuer schützen.

„Wir fangen jetzt schon an“, sagt Nickel. Gemeinsam mit den Grünen hat er den alten Bürgermeister Napp aufgefordert, das „bürgerfreundliche Rathaus“ herzustellen. Aus Rücksicht vor dem Amtsinhaber nennt er das aber „weiterentwickeln“.

So soll ein barrierefreies Online-Bürgerportal aufgebaut werden. Alles soll online beantragt und online bezahlt werden können. Zusätzlich sollen die Beamten die Kranken und behinderten Menschen zuhause besuchen, falls dies erwünscht. Am Wohnzimmertisch können dann Pässe und alles mögliche beantragt werden. An bestimmten Tagen soll das Rathaus bis 19 Uhr geöffnet sein, damit auch Arbeitnehmer Dinge erledigen können. Das Presseamt soll endlich in den Sozialen Medien aktiv werden. Nickel sagt aber auch: Die Bediensteten sind fast alle super, arbeiten motiviert. Er will sie auch fördern und befördern. „Ich beende auch den Aufnahmestopp für Beamte!“

(Kurier-Verlag)