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Hat Frank Möll das verdient?
Immer auf die Nase

Hat Frank Möll das verdient?: Immer auf die Nase
FOTO: Dahmen
Exklusiv | Neuss. Als ehemals aktiver Handballer und Reporter bekommt man hin und wieder mal "eins auf die Nase". Mittlerweile war das Riechorgan so ruinös, dass Stadt-Kurier-Reporter Frank Möll nicht mehr gut atmen konnte. Professor Dr. Andreas Neumann und sein Team vom Lukaskrankenhaus brachten alles wieder in Ordnung. Ohne Schmerzen, ohne blau-grünes Face. Es fühlt sich an wie ein Wunder! Von Frank Möll

von Frank Möll

In der Mittagssonne bei Lido di Jesolo auf dem Campingplatz Garden Paradiso. Ich liege auf der Wiese, neben mir meine Freundin und die damals noch kleine Tochter Marie (vier Jahre) alt. Aufgeregt und stinksauer zieht das Mädchen an meinem Ohrläppchen: "Papa, alle Kinder standen um dich herum und haben dich ausgelacht, weil du so geschnarcht hast. Keiner hat dir geholfen, armer Papa."

In der Öffentlichkeit schnarchende Väter sind für kleine Töchter peinlich. In den folgenden Jahren merke ich, dass ich auch nachts oft aufwache, weil ich keine Luft mehr bekomme. Kann ein schlanker, junger Mann ein zertrümmertes Riechorgan gut kompensieren, wird es im Alter und mit jedem Kilo Übergewicht schwerer. "Die Weichteile füllen die Winkel und Gänge in der Nase aus", diagnostiziert Professor Neumann, Chef der HNO-Klinik im Lukaskrankenhaus Neuss.

Doch dafür gleich unters Messer? Über Nasen-OPs wird auf YouTube viel erzählt. Es sind die reinsten Horror-Geschichten von meist jungen Mädchen, die sich ein Stupsnäschen machen und alles mehrfach brechen lassen. Die Frauen sehen nach dem Eingriff grün und blau aus, haben wochenlang Schmerzen, wirken nervig und hysterisch auf ihren Endlos-Videos.

Die fähige Oberärztin der HNO-Klinik im Lukaskrankenhaus, Dr. Claudia Sommer, beauftragte vor Jahren ihren Assistenten, bei mir mit kleinen Kameras durch die Nase bis in den Rachen zu fahren. Ich bekam Panik. Die Pfleger mussten mich auf dem Behandlungsstuhl festhalten, damit ich die Kameras nicht aus dem Rachen entriss. Ich mag keine Schnüre, Kabel und Kameras im Rachen. Vielmehr hasse ich solche Dinge.

Danach hatte ich irgendwie keine Lust auf eine OP. Der Chef des Lukaskrankenhauses, Nicolas Krämer, den ich Jahre später auf der Hochzeit meines Schützenkameraden Jörg Geerlings traf, übte fortan sanften Druck aus.

Wie es so ist: Nico hat die gleiche OP hinter sich, Yasar Calik von der CDU auch. Constanze Kriete von der SPD auch. Irgendwie sind alle an der Nase operiert worden. "Alles nicht schlimm", sagen sie.

Nach einer unruhigen Nacht zuhause fahre ich früh morgens in die Klinik. Die Voruntersuchungen am Vortag liefen zügig ab. Pfleger schieben mich in den OP-Bereich. Eine Beruhigungspille brauche ich nicht, denn ein Narkosearzt erzählt mir von seinen Hausratten, die er züchtet, während ein Pfleger einen Gummihandschuh aufbläst und ein lachendes Gesicht darauf malt. Es läuft gute Musik. Meine Ex-Freundin war hier Narkoseärztin und erzählte mir jeden Tag vermutlich frei erfundene Geschichten. Dass manche Narkosemittel eine Erektion verursachen und Anästhesisten die Urologen damit gerne ärgern. Dass alle HNO-Ärzte koksen, was natürlich nicht stimmt.

Manche Narkosemedikamente würden Horror-Träume verursachen. Obernarkoseärztin Dr. Ulrike Ollmann nimmt mir die Angst. Sie sieht seriös aus. Ihr Schlafcocktail genießt einen guten Ruf, wahrscheinlich ist Propofol dabei, das Michael Jackson so happy machte. Propofol wirkt als Hypnotikum, hat jedoch keine schmerzlindernde Wirkung.

Es wird zur Einleitung und auch zur Unterhaltung einer Allgemeinanästhesie verwendet. Als besonders positive Eigenschaften gelten das relativ angenehme Einschlafen und Aufwachen sowie die Tatsache, dass Übelkeit und Erbrechen seltener als bei Narkosegasen auftreten. Nicht umsonst heißt Frau Dr. Ollmann mit Zweitnamen "Seeliger".

Vermutlich gibt sie mir kein Propofol, als ich den Sauerstoff einatmen musste. Sie erklärt alles perfekt, sagt dass der Stickstoff in der Luft störend ist und strahlt eine unglaubliche Ruhe aus. "Wir müssen die Lunge mit Sauerstoff sättigen." Und "schwupps" war ich weg. Übrigens: Niemals bist du so sicher wie unter Bewachung eines Narkosearztes. Während neulich im Stadion bei Borussia Dortmund ein Fan an Herzstillstand verstorben ist, wirst du hier künstlich beatmet und bestens umsorgt. Und "schwupps" war ich wieder da und sehe, wie der Pfleger einer hübschen Krankenschwester den aufgeblasenen Gummihandschuh mit dem lachenden Edding-Gesicht schüchtern überreicht.

"Der ist verliebt", lalle ich. Die Krankenschwester wird rot.

Nach wenigen Minuten bin ich hellwach und werde von der Station abgeholt. Ich habe keine Schmerzen, nur einen leichten Druck an der Nase. Das Ärzteteam hat gute Arbeit geleistet. Übrigens sollen Chefärzte, die viele Verwaltungsaufgaben übernehmen, nicht unbedingt besser operieren als Fachärzte, die jeden Tag eine Nase richten. Doch die Professoren des Lukaskrankenhauses seien eine Ausnahme, da sie alle sehr gerne und viel operieren.

Schon in der ersten Nacht kann ich wieder besser schlafen, bis Constanze Kriete von der SPD anruft: "So, dass schlimmste kommt noch, lieber Frank. Wenn die dir die Tamponaden ziehen, dann weißt du, was Schmerzen sind! Das hatte ich als fünfjähriges Kind."

Am nächsten Tag ist es dann soweit: Professor Neumann zieht die Silikon-Einlagen. Ich merke nichts. Ich kann nach Hause. Wie wunderbar!

(Kurier-Verlag)