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Jröne Meerke: Ultraschall gegen Algen – Zäune gegen Gänse

Jröne Meerke: Ultraschall gegen Algen – Zäune gegen Gänse
Rund 100 Schneegänse leben am Jröne Meerke; deren Kot und das Brot, mit dem sie noch immer häufig gefüttert werden, sorgt für einen hohen Nährstoffgehalt des Sees. So findet eine Überdüngung statt, die einen extremen Algenwuchs verursacht. FOTO: Foto: R. Retzlaff
Neuss. Kann den Blaualgen mittels Ultraschall der Garaus gemacht werden? Wie kann die Gänsepopulation verringert werden? Wie kann das Jröne Meerke wieder zu einem Naherholungsgebiet gemacht werden, in dem sich die Nordstädter wohl fühlen? Wie werden die vom Stadtrat genehmigten 100.000 Euro zur Rettung des Jröne Meerke sinnvoll eingesetzt? Diese und zahlreiche weitere Fragen wurden auf der von der Stadtverwaltung ins Leben gerufenen Bürgerinformationsveranstaltung im Papst-Johannes-Haus rege diskutiert. Von Rolf Retzlaff

NGZ-Chefredakteur Ludger Baten führte gewohnt souverän durch den Abend, musste immer wieder ausufernde Redebeiträge in Grenzen halten. Man merkte: Das Thema Jröne Meerke wird sehr emotional behandelt. Das Interesse am Erhalt der "Grünen Lunge" ist riesengroß: Das zeigte sich auch an den mehr als 100 Besuchern im bis auf den letzten Platz besetzten Saal.

Die lauschten dem Vortrag von Hartmut Wassmann. Sein Ingenieurbüro kam mit einem ungewöhnlichen Vorschlag: Mithilfe von Ultraschall könne die Massenentwicklung der Blaualgen eingedämmt werden. Er führte unter anderem ein Versuchsprojekt in Münster an. Hier sei eine Blaualgen-Reduzierung um 80 bis 90 Prozent erreicht worden. Andere Pflanzenformen seien nicht beeinträchtigt worden. Es würde kein steriles Gewässer entstehen; auf die Fischentwicklung habe der Ultraschall ebenfalls keinen Einfluss. Langzeitstudien über mehrere Jahre gibt es noch nicht.

Wassmann wies auch auf eine Besonderheit des Sees hin: Er falle schlagartig von drei auf acht Meter Tiefe ab – für einen Baggersee, der das Jröne Meerke einmal war, sehr außergewöhnlich.

Der städtische Beigeordnete Christoph Hölters gab einen Überblick über die von der Stadt geplanten Maßnahmen. "Es handelt sich hier um Erst- und Sofortmaßnahmen zur Wiederherstellung der Nutzbarkeit der öffentlichen Grünanlage", reagierte er auf kritische Stimmen, das Konzept sei nicht durchdacht, "später werden separate Planungen durch Fachleute stattfinden." 30.000 Euro habe die Beseitigung der Sturmschäden am Jröne Meerke durch eine externe Firma gekostet, mehr als 1.000 Arbeitsstunden habe die Abteilung Stadtgrün hier investiert. Weiter führte Hölters eine intensivere Kontrolle durch eine Parkaufsicht (ein- bis zweimal pro Tag) und die Anschaffung einer Reinigungsmaschine an. Letztere wird rund 32.000 Euro kosten und auch für saubere Sportflächen und Straßen sorgen – deshalb nur eine anteilige Zuwendung aus dem Jröne-Meerke-Topf. Ein Wetterschutzdach im Seebereich und die Installation einer Wasserfontäne (sechs bis acht Meter hoch) sollen am 10. März vom Landschaftsbeirat genehmigt werden. Ebenfalls im städtischen Maßnahmenkatalog stehen Gehölznachpflanzungen, die Wiederherstellung der Rasenflächen im Eingangsbereich, das Anlegen von Äsungsflächen (hier sollen sich die Gänse vorwiegend sattfressen), eine Uferrandbepflanzung, die Umgestaltung der ehemaligen Umkleide mit einer Graffitiaktion und die Aufwertung des Spielplatzes, eventuell mit einem Piratenschiff und der Vergrößerung der Sandfläche.

Experte Nummer drei war Dr. Johan Mooji, Leiter der Biologischen Station Kreis Wesel und als "Gänseexperte" von der Stadtverwaltung ins Boot geholt. Er rechnete vor, dass die rund 100 Schneegänse am Jröne Meerke pro Tag circa 20 Kilogramm Kot absetzen würden – "alle sechs Minuten eine Kotstange". Währenddessen würden sie nahezu ununterbrochen Gras fressen. Dennoch seien sie unterernährt, weil sie am Jröne Meerke nicht ausreichend Futter für ihren Schwarm finden würden.

Mithilfe einer rund 50 Zentimeter hohen Hecke mit integriertem Zaun solle den Gänsen der Zugang zum Spielplatz verwehrt werden. Auch solle ihr "Wanderweg" zum Parkplatz und zur Viersener Straße durch eine versetzte "Zaunhecke" unterbrochen werden. Moojis weitere Empfehlung: Die Gänsepopulation solle um mindestens ein Drittel reduziert werden. Mit der derzeitigen Methode des Anpieksens der Eier werde dies sehr lange dauern. Dr. Mooji: "Ansonsten könnte man die Schneegänse wegfangen – aber wohin mit ihnen?"

(Kurier-Verlag)