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Jugend-Offensive der Kirche mit Escape Room

Jugend-Offensive der Kirche mit Escape Room
In diesem Raum verstecken sich Rätsel, versteckte Hinweise und Schlösser. Pfarrerin Christina Wochnik beobachtet das Geschehen per Tablet und gibt notfalls Tipps. FOTO: Fotos: V. Buciak
Norf. Escape Room und Kirche? Das würden wohl nicht viele Menschen zusammenbringen. Das trendige Spiel, das aus Japan nach Europa geschwappt ist, passt auf den ersten Blick nicht zum vermeintlich staubigen Image der Kirche. Die evangelische Gemeinde aus Norf beweist jetzt eindrucksvoll das Gegenteil. Von Violetta Buciak

Im Neusser Süden knobeln seit rund zwei Wochen unterschiedlichste Gruppen aller Altersklassen an Rätseln, um Martin Luther aus einer Gefangenschaft zu retten. Das Spiel wurde über ein Jahr lang von einem fünfköpfigen Team um Pfarrerin Christina Wochnik konzipiert. Entstanden war die Idee bei einem Jungesellinnen-Abschied zu dem die Pfarrerin eingeladen war – gemeinsam sollte es nach einem Picknick in einen Escape Room gehen. "Ich musste auch erstmal googeln. So richtig vorstellen konnte ich mir das nicht", gibt Wochnik zu. Als es dann soweit war, betrat die Gruppe eine auf den ersten Blick unscheinbare kleine Wohnung. Ein junger Mann gab eine kurze Einführung und dann standen die Frauen plötzlich in einem verschlossenen Raum, mit vielen Möbeln, Schlössern, Gegenständen. Die Zeit lief – gerade mal 60 Minuten hatten sie. Bildhaft beschreibt Wochnik ihr erstes Mal im Escape Room. "Wir entdeckten Schlösser, suchten Zahlen, fanden seltsame Hinweise. Was soll ich da machen? Was bedeutet das?! Auf einmal war die erste Viertelstunde um. Das kann doch gar nicht sein! Also los. Schneller. Mein Puls beschleunigte sich. Suchen nach allem, was irgendwie Sinn macht. Aber hier war nichts!" Nur 30 Sekunden vor Spielende schaffte es die Gruppe dann doch.

Der junge Mann gratulierte den Frauen: Sie waren an dem Tag die ersten, die es geschafft hatten und Wochnik hatte gleich die Idee, anlässlich des Luther-Jahrs, ein eigenes Spiel zu entwerfen. Gesagt, getan. "Die Entwicklung war gar nicht so einfach. Es mussten Gegenstände besorgt, eine passende Homepage gestaltet werden und wir mussten natürlich schauen, dass die Rätsel lösbar sind", erklärt die Pfarrerin. "Es war aufregend zu sehen, ob unser Spiel am Ende aufging." Inzwischen tummeln sich pro Woche mehrere Gruppen in den liebevoll gestalteten Räumen des Gemeindezentrums Friedenskirche Norf, Uedesheimer Straße 50. Wer dort ist, fühlt sich wie durch eine Zeitreise zurückversetzt in das frühe 16. Jahrhundert. Strohballen stehen in der Ecke, dazu ein paar rostende Milchkannen, alte Bücher oder Gewänder, die den Charme vergangener Tage hervorrufen. Unsicher muss sich niemand in den verschlossenen Räumen fühlen. Die Besucher werden mit Walkie Talkies ausgestattet und während des Spiels per Videokamera beobachtet. Auf Wunsch gibt es einen Tipp, um das Rätsel zu lösen.

Mit der ungewöhnlichen Idee will Wochnik vor allem junge Menschen in die Kirche locken. "Gerade Menschen um die 30 verlieren oft das Interesse an der Kirche. Deswegen müssen wir uns Konzepte überlegen, wie wir sie wieder erreichen können", erklärt die Pfarrerin. Für die Lösung der Rätsel benötigen die Teilnehmer keine Vorkenntnisse, jeder kann mitmachen. Anmeldungen unter www.escaperoom.norf-nievenheim.de, die Teilnahme kostet 10 Euro pro Person.

 

(Kurier-Verlag)