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Keine Küche für eine junge Mutter, da ihr das Jobcenter misstraut

Keine Küche für eine junge Mutter, da ihr das Jobcenter misstraut
Die Küchenutensilien sind bereits da, doch eine Küche, mit der sie sich und ihre Familie unterhalten kann, fehlt Nina Dreyer noch. FOTO: Foto: Thomas Broich
Neuss. Für die alleinerziehende Mutter Nina Dreyer und ihre beiden Kinder im Alter von vier Jahren und 14 Monaten sollte der Umzug von Dortmund nach Neuss ein Neustart werden. Doch die Behörde bereitete ihr und ihren Kindern einen eiskalten Empfang in der Quirinusstadt. Von Thomas Broich

Von der sozialen Großstadt Neuss ist nicht viel zu spüren, wenn sich Nina Dreyer täglich überlegen muss, wie sie das Essen für ihre beiden Kleinen zubereiten soll, denn über eine Küche verfügt sie nicht. Die ARGE (Arbeitsgemeinschaft SGB II) des Jobcenters verweigert ihr diesen Teil der Wohnungsausstattung. Waschmaschine, Herd und der ganze Rest der Küchenausstattung sind für sie gestrichen – und das, obwohl Nina Dreyer vom Jobcenter eindeutig als hilfsbedürftig eingestuft wird. Das Problem ist jedoch: Die Neusser Wohnung ist nicht ihre erste Wohnung. Da die junge Mutter auch in Dortmund bereits eine Wohnung hatte, geht die Behörde einfach davon aus, dass auch noch eine Küchenausstattung vorhanden sein muss. Das Amt übernimmt nur die Erstausstattung. „Und das, obwohl ich der ARGE eine unterschriebene Bestätigung meines vorherigen Vermieters vorgelegt habe, in der er erklärt, dass die Küchenausstattung meiner Dortmunder Wohnung zum festen Inventar gehört und deshalb nicht mitgenommen werden darf“, berichtet Nina Dreyer. Das wollte sie sich nicht gefallen lassen, doch im Jobcenter blieb man hart und machte ihr sofort klar, dass ihre Chancen, noch etwas zu bewirken, gleich Null seien. Nina Dreyer: „Man sagte mir, ich könne natürlich Widerspruch einlegen, doch das würde nichts ändern, das könne ich mir also auch gleich sparen.“

Die restliche Einrichtung der Wohnung konnte sie sich mit reichlich Improvisationsgabe und der tatkräftigen Hilfe ihres Neusser Freundeskreises leidlich zusammenstellen. „Das ist ein großes Glück“, sagt sie, „sonst müssten wir auf dem Boden schlafen. Nur mit Waschmaschine und Küche ist das nicht so einfach, und ich möchte meinen Kindern nicht jeden Tag nur Mikrowellenkost vorsetzen müssen!“

Wer Nina Dreyer helfen möchte, kann sich beim Stadt-Kurier melden unter

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(Kurier-Verlag)