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Messie-Chaos: Vermieter bleibt auf fünfstelligem Betrag sitzen

Messie-Chaos: Vermieter bleibt auf fünfstelligem Betrag sitzen
In Baki Uyans Wohnung lebte ein Messie (von engl. „mess“ = Unordnung, Anm. d. Red.): Das Chaos zu beseitigen wird den Vermieter einiges kosten. FOTO: Hanna Loll
Neuss. Am Montag machte der Vermieter Baki Uyan in einer seiner Wohnungen auf der Josefstraße eine schockierende Entdeckung: In dem Appartement hatte ein Messie gewohnt – seit zwei Monaten hat ihn niemand mehr gesehen, die Wohnung versinkt im Chaos. Von Hanna Loll

Fast fünf Jahre lang lebte der Mieter mehr oder weniger unauffällig in Baki Uyans Appartement auf der Josefstraße. "Ab und zu hat es Probleme wegen des Geldes gegeben", weiß Uyan, der immer noch schockiert ist. "Die Miete des Mannes kam vom Jobcenter, und wenn zwischendurch seine Bezüge gekürzt wurden und ich weniger Miete bekam, zahlte er die Differenz nicht." Auch die Mieten der vergangenen zwei Monate gingen nicht bei ihm ein. Insgesamt schuldet der Mann seinem ehemaligen Vermieter rund 2.400 Euro.

In der gesamten Wohnung stapelt sich der Müll. FOTO: Hanna Loll

Doch leider ist das nicht die gesamte Summe, auf der der Kaufmann sitzen bleibt: "Die Wohnung ist komplett vermüllt", klagt Uyan. Der Mieter hat die beiden Zimmer in einem regelrechten Chaos zurückgelassen – überall stapeln sich Post, benutztes Geschirr, leere Flaschen und Verpackungen. An den Stellen, an denen man den Boden erkennen kann, zeigt sich hartnäckiger Schmutz. "Wie konnte der Mann nur so hier leben? Selbst sein Bett ist voller Müll, wie konnte er da schlafen?", fragt sich Uyan verständnislos. "Zuerst muss die Wohnung entrümpelt werden, dann muss sie aufwändig renoviert werden: Die Böden müssen neu verlegt und die Wände frisch tapeziert werden. Die Einbauküche gehörte auch mir – die muss ich jetzt ersetzen."

Uyan rechnet damit, dass eine Summe von 15.000 bis 20.000 Euro auf ihn zukommen wird – der Mieter ist nicht auffindbar, reagiert nicht auf sein Handy. "Am Montag versuchte ein Mann meinem Mieter eine Kündigung zuzustellen – auch bei seinem Job ist er schon lange nicht mehr gewesen", erzählt Uyan. "Ein Arbeitskollege habe wohl davon gesprochen, der Mann habe sich wahrscheinlich nach Süddeutschland abgesetzt. Selbst als er noch da war, habe ich ihn nur selten zu Gesicht bekommen, aber es hätte ja auch etwas passiert sein können." An der Wohnungstür hatten sich bereits Spinnennetze gebildet, als der Immobilienbesitzer am Montag die Wohnung betrat und das Durcheinander vorfand.

FOTO: Hanna Loll

Jetzt fordert Uyan die Politik und den Gesetzgeber auf, für mehr Vermieterschutz zu sorgen: "Natürlich wird viel für den Mieterschutz getan, das finde ich auch völlig richtig. Aber, an wen wende ich mich jetzt, wenn ich Probleme mit der Darlehensrückzahlung habe, weil Mieter XY nicht bezahlt? Ich bleibe auf allen Kosten sitzen!" An andere Vermieter aus der Umgebung wendet sich Uyan ebenfalls – er wünscht sich eine Art regelmäßiges Treffen, damit sich die Immobilienbesitzer austauschen und unterstützen können. "Denn ich bin ja kein Einzelfall", meint er.

In Zukunft wird er viel vorsichtiger vorgehen. "Man kann den Menschen immer nur vor den Kopf gucken, aber ich werde mehr Auskünfte über potenzielle Mieter fordern. Lieber lasse ich eine Wohnung monatelang leer stehen, als noch mal so etwas mitmachen zu müssen!"