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Nach dem Köln-Schock: Wie sicher wird bei uns in Neuss der Karneval?

Nach dem Köln-Schock: Wie sicher wird bei uns in Neuss der Karneval?
Auch in diesem Jahr soll der ohnehin gut besuchte Kappessonntagsumzug weiter wachsen und damit noch mehr Menschen nach Neuss locken. Jakob Beyen, KA-Präsident, bleibt trotz Sorge in Hinsicht auf die Ereignisse in Köln zuversichtlich. FOTO: Fotos: vb / tho
Neuss. Die gesamte Republik ist noch geschockt von den Vorfällen der Silvesternacht in Köln, Hamburg, Düsseldorf und Stuttgart, bei denen mehrere Frauen von einem aggressiven Mob aus individuell noch nicht identifizierten jungen Männern, vermutlich nordafrikanischer Herkunft, ausgeraubt und sexuell belästigt wurden. Nun stellt sich die bange Frage, ob sich solche Ereignisse bei anderen Großereignissen – wie etwa Karneval – wiederholen können. An Präventionsstrategien wird derzeit fieberhaft gearbeitet. Von Thomas Broich

Allein in Köln gingen über 100 Anzeigen wegen sexueller Belästigung, Diebstahl und in einigen Fällen sogar wegen Vergewaltigung bei der Polizei ein. Das soll sich nirgendwo wiederholen.

Auch der Neusser Karneval muss sich deshalb im Vorfeld einigen unangenehmen Fragen stellen.

Der Präsident des Neusser Karnevalsausschusses (KA), Jakob Beyen, bestätigt gegenüber dem Stadt-Kurier, dass man dabei noch ganz am Anfang steht: „Das Thema Köln ist noch zu frisch, als dass Auswirkungen nach Neuss ausstrahlen. Bisher gab es keine Diskussionen dazu“, bestätigt der Dirigent des Neusser Karnevalsgeschehens.

Dennoch wird es in den kommenden Tagen intensive Gespräche zum Thema geben. Was die Neusser zum Kappessonntag erwartet, wird dann detailliert auf einer Pressekonferenz am 1. Februar vorgestellt.

Ziemlich sicher ist, dass der Kappessonntagszug auch in diesem Jahr weiter wachsen wird und damit vermutlich auch noch mehr Menschen nach Neuss locken wird. Die dringendsten Sicherheitsthemen sind für die Neusser aktuell das Glasverbot und Kamelle, die auf die Festwagen zurück geworfen werden könnten – damit hatten die Jecken in den vergangenen Jahren zu kämpfen.

Potenzielle Brennpunktorte, wie den Kölner Bahnhofsvorplatz, kann Jakob Beyen bei uns nicht erkennen. „Die Strecke des Kappessonntagsumzugs ist viele Kilometer lang. Hier hat man nicht die Möglichkeit einer Zusammenballung von Personen“, erklärt er. Doch auch Neuss hat eine kritische Stelle, an der es in der Vergangenheit immer mal wieder unangenehm wurde: „Das Thema Amtsgericht – die Störungen in den letzten zwei Jahren – gehen wir offen an“, versichert KA-Präsident Beyen, „die Oberstufen der Schulen sind angeschrieben worden, die Polizei und unsere eigenen Ordnungskräfte sind verstärkt vor Ort und werden Störungen unterbinden!“

Insgesamt gibt sich der Karnevalsausschuss zuversichtlich, dass auch 2016 das Fest auf sicheren Füßen steht: „Wir haben seit Jahren ein Sicherheitskonzept, das jedes Jahr überprüft und ausgeweitet wird. Am Anfang jeder Session sitzen wir mit allen beteiligten Ämtern zusammen, um den Kappessonntagsumzug und auch Altweiber sowie alle Veranstaltungen, die den öffentlichen Raum betreffen, zu besprechen und gegebenenfalls Maßnahmen aufzusetzen, die die Polizei oder die Ämter gerne hätten. Wir als KA haben ein eigenes Kompetenzteam, das den Kappessonntag vorbereitet, plant und organisiert. Ideen dieses Teams fließen ins Sicherheitskonzept ein“, heißt es.

Doch über alle Sicherheitsbedenken sollte die unbeschwerte Freude am Karneval nicht verloren gehen.

Aus diesem Grund geben Jakob Beyen und der KA Neuss den Narren Folgendes mit auf den Weg: „Das Programm des Neusser Karneval ist bunt gemischt und soll vor allem für eins sorgen: gute Stimmung. Es soll den Menschen besondere Aufmerksamkeit schenken, die unsere Hilfe brauchen!“

(Kurier-Verlag)