| 09.50 Uhr

Nach Einbruch in Tankstelle Hoisten: Täter gefasst, Beute trotzdem futsch +++organisierte Bande aus Rumänien+++Fall wurde fast eingestellt+++

Nach Einbruch in Tankstelle Hoisten: Täter gefasst, Beute trotzdem futsch
Vor einem Jahr standen Mustafa Biyikli und Sohn Jakob vor leeren Regalen. Die Täter sind gefasst. FOTO: Foto: Violetta Buciak
Hoisten. Er hat den Glauben daran schon fast verloren, doch dann wurden sie gefasst. Ein Teil der Männer, die in Mustafa Biyiklis Tankstelle in Hoisten eingedrungen waren und sein gesamtes Hab und Gut stahlen, wurde festgenommen. Von Violetta Buciak

Es handelt sich dabei allem Anschein nach um Mitglieder einer organisierten Bande aus Rumänien, die noch weit mehr Vergehen auf ihrem Konto hat. Kurios: Um ein Haar wäre Biyiklis Fall dennoch zu den Akten gelegt worden. Doch der 44-Jährige kämpfte für sein Recht – und errang einen Teilerfolg.

2015 war ein Jahr voller Tiefschläge für Familie Biyikli. Im Februar brachen vier unbekannte Männer nachts in seine privat geführte Tankstelle ein, stahlen alles, was ihnen in die Finger kam. Die Kasse und den gesamten Bestand an Zigaretten haben unbekannte Täter komplett mitgenommen. "Sie haben alles gestohlen, was nicht niet- und nagelfest war. Sogar die Duftbäumchen haben sie uns gestohlen", schimpfte Sohn Jakob (11) kurz nach der Tat. Neben der Kasse, die der Inhaber damals für 11.000 Euro erworben hatte, war auch seine neue Canon Kamera (Eos 1000D) im Wert von 500 Euro sowie die 5.000 Euro aus der Kasse gestohlen worden. Im Mai der nächste Fall: Unbekannte stahlen sechs Sätze brandneuer Felgen von seinem Tankstellengelände. Weiter ging die Pechserie im Dezember: Hacker zeckten sich in den Account von Biyiklis Online-Shop, änderten die Kontodaten und ließen das Geld für verkaufte Waren auf ein rumänisches Konto überweisen.

"Ich fühlte mich selten so unsicher. Dazu kamen in den Nachrichten immer weitere Meldungen von Einbrüchen oder Sprengungen von Bankautomaten", so der Familienvater. Ein Hoffnungsschimmer war ein Zeitungsbericht aus der Boulevardpresse. Dort war die Rede von der Erfassung eines 18-köpfigen Rings. Alle Bandenmitglieder kamen aus Iasi, einer Stadt an der rumänisch-moldawischen Grenze. Die Bande terrorisierte das Rheinland mit 40 Überfällen und Einbrüchen. Es hagelte zehn Haftbefehle!

Die Täter ergaunerten Beute im Wert von 100.000 Euro, meist Zigaretten. Mönchengladbach, Düsseldorf, Langenfeld, Willich, Leverkusen, Krefeld, Neuss – das sind nur einige der heimgesuchten Städte. Einer der dicksten Raubzüge: eine Tankstelle in Mönchengladbach, Zigaretten für 18.000 Euro.

Auch die Tat in Hoisten geht offenbar auf das Konto der Rumänen, dennoch sollte der Fall zunächst eingestellt werden. "Ich hatte ein Schreiben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf bekommen. Das Verfahren sollte eingestellt werden. Im Vergleich zu den anderen Taten war der Fall in Hoisten zu geringfügig. Das wollte und konnte ich nicht so stehen lassen", erklärt Biyikli. Und so schaltete der 44-Jährige Anwalt Norbert Wardin ein. Mit Erfolg: "Durch hartnäckige Recherchen und Prüfung der Ermittlungsergebnisse der Polizei und Staatsanwaltschaft sowie Auswertung einschlägiger Pressemitteilungen ist es unserer Kanzlei gelungen, die Wiederaufnahme der zwischenzeitlich bereits eingestellten polizeilichen Ermittlungen zu erreichen.

Die Täter des Einbruchsdiebstahls in die Tankstelle Hoisten konnten nunmehr ausfindig gemacht und überführt werden. Der entscheidende Nachweis konnte durch Auswertung der Überwachungskameras geführt werden", so Wardin auf Facebook. Für Biyikli ein Trost, seine Wertsachen wird er dennoch nicht zurückbekommen.

 

(Kurier-Verlag)